Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise ... Hans Albers konnte Anfang der 50er-Jahre nicht ahnen, dass der 59er Kapitän auf einer gewaltigen Erfolgswelle schwimmen sollte. In seiner über vierjährigen Bauzeit nimmt er 145.618 Käufer mit, wird zum meistverkauften Kapitän aller Zeiten. Woran das liegt? Der um 250 Mark gesenkte Neupreis lässt ihn unter die psychologisch wichtige 10.000er-Grenze fallen, der P II 2,6 kostet bei seinem Erscheinen 9975 Mark, in der L-Ausstattung 10.675. Das Coupé-ähnliche Dach des Vorgängers Kapitän P 2.5 wurde gestrafft, die hinteren Türen um 12,5 Zentimeter breiter, die Karosserie somit sichtbar gefälliger. Schluss also mit dem Gemecker über den zu eng geschnittenen Fond.
Opel Kapitän P II 2.6
US-Einfluss: Auch dem P II sieht man den Einfluss von GM an. Dem Erfolg hat das nicht geschadet.
Auch der von 1936 stammende Sechszylinder bekam ein Feintuning – wie es heute heißen würde. Die weiter aufgebohrten Zylinder machten ihn plötzlich zum Kurzhuber, was der sagenhaften Elastizität aber nicht schadet. Statt 80 sorgten nun 90 PS für flottere Fahrt. Zeit zum Innehalten. 90 PS. Im Vergleich zu heute winzige 14-Zoll-Räderchen. Und immer noch ein schlichtes Dreiganggetriebe. Adam, was war Opel damals bescheiden. Per Schongang "Overdrive" ließ sich der Verbrauch nach Werksangabe von 11,5 sogar auf 10,2 Liter Super senken. Mit der ab Dezember 1960 lieferbaren Automatik "Hydra-Matic" (Basis: Oldsmobile F 85) stieg er allerdings auf 13 Liter an. Lediglich die serienmäßige Lichthupe lässt ahnen, dass die automobile Hackordnung damals ausgeprägter als heute war. Na klar, auf den Straßen schlichen Flöhe namens Isetta, Heinkel oder Messerschmitt herum. Immerhin: Schon jeder dreißigste Deutsche ist stolzer Autobesitzer.

Wahre Fans erzählen: "Wir sind Opel"

Opel Kapitän P II 2.6
Wohnzimmer konnten damals nicht besser möbliert sein. Die Instrumente stammen vom Vorgängermodell.
"Opel-Wagen der Prominentenklasse" lautet das Eigenlob im zeitgenössischen Prospekt. Ganz ehrlich: Das überträgt sich heute noch auf die Insassen. Sie sind beleidigt, wenn Passanten sich nicht umdrehen. Was selten passiert, dazu ist die 2,6er-Baureihe zu berühmt geworden. Und innen? Wie schon beim Vorgänger blickt der Fahrer auf eine ebenso reich gedeckte Armaturentafel. Neu zu bewundern: die serienmäßige Scheibenwaschanlage und der "Leitfarbentacho". Bis Tempo 50 zeigt die Anzeigenwalze gelb, danach rot. Die Warnfarbe endet bei 150, aber ausprobieren wäre Sünde. Das schadet zwar nicht unserer, aber sicherlich der Gesundheit des Motors. Doch es gibt einen natürlichen Drehzahl-Begrenzer: die Windgeräusche. Ab Tempo 100 kämpft die Windsbraut hörbar mit den A-Säulen. Apropos Braut: Besitzer (und Opel-Händler) Jenz Schulz aus Itzstedt hat schon so manche Kundin mit seinem Käpt‘n zum Traualtar gefahren. Eine zumindest anfangs immer schöne Reise.