Porsche-Studien
Prototypen der 60er bis 80er

Sie sind Teil der Porsche-Geschichte – Autos, die nur abgewandelt oder nie auf die Straße kamen. AUTO BILD zeigt die Prototypen der 60er bis 80er.
Bild: G. von Sternfels
- Jan-Henrik Muche
- Matthias Techau
Was alle Studien, Stilübungen und Versuchsträger verbindet, ist die Tatsache, dass ihnen eine Karriere in der Serienfertigung verwehrt blieb. Geschichte schrieben sie trotzdem. Weil es ohne die Prototypen von gestern die Autos von heute nicht gäbe. Porsche hob sie auf. Es ist nicht viel Fantasie nötig, um zu wissen, warum sie heute Sammler wie Liebhaber gleichermaßen elektrisieren.
Porsche 965 - der fehlende Porsche

Porsche 965: Das breite Heck mit Lüftungskiemen und feststehendem Spoiler erinnert an den 959
Bild: Götz von Sternenfels
... und was wurde daraus?
Zum Modelljahr 1990 soll er unter der Bezeichnung 969 als Coupé, Targa und Cabrio auf den Markt kommen. Die Evolution gerät 1988 kurz vor Markteinführung ins Stocken. Es hakt beim Motor, mit Katalysator soll der luftgekühlte Biturbo bei 3,4 Liter Hubraum 350 PS leisten, genug für 290 km/h Spitze. Die Entwickler bekommen die hohen Temperaturen an Zylindern und Zylinderköpfen nicht in den Griff. Es wird eine lange Liste möglicher Alternativen aufgestellt, wie der 965 in naher, mittlerer oder ferner Zukunft angetrieben werden könnte. Alles zu teuer, im Dezember 1988 wird die Entwicklung des 965 beendet. Die im Fahrversuch gewonnenen Erkenntnisse zum Wärmehaushalt des Audi-V8 und der im Bug untergebrachte Wasserkühler kommen den gerade erst bewilligten Projekten Boxster und 996 zugute.
Porsche 754 T7: Vorstufe zum 911er

Die Frontpartie des Porsche 754 T7 lässt das spätere Design der Porsche-Ikone 911 erkennen.
Bild: Götz von Strenfels
… und was wurde daraus?
Ähnlich und doch anders – der erste 911 von 1964. Aus der Front des 754 T7 formte "Butzi" Porsche das Gesicht der Marke, während aus dem Gesamtprojekt die Erkenntnis stammt, dass Heckmotor Sportwagen, Fließheck und vier Sitzplätze zusammen nicht funktionieren – beim 911-Vorläufer kam das Zusammenwirken von Versuch und Irrtum zum eindeutigen Ergebnis, wie es nicht geht. Deshalb wurden für den 356-Nachfolger unter anderem ein Zweiliter-Boxer mit oben liegender Nockenwelle und 130 PS (Typ 901) und eine moderne Hinterachsaufhängung mit Schräglenkern entwickelt.
Turbo Porsche No. 1: Das erste Alphatier

Der erste 911 mit Aufladung war ein 240 PS starkes Geburtagsgeschenk an die Porsche-Tochter Louise Piëch.
Bild: G. von Sternfels
... und was wurde daraus?
Die Legende vom Turbo. Im Oktober 1974 steht das Serienauto, der 911 turbo auf dem Pariser Autosalon, der Verkauf beginnt 1975. Anders als das Einzelstück Turbo-Porsche No. 1 bekommt der reguläre Turbo-Elfer einen Dreilitermotor mit 260 PS und fettere Radhäuser. Ab 1977 leistet der überarbeitete 911 turbo dank Ladeluftkühlung und auf 3,3 Liter vergrößertem Hubraum 300 PS. Erst 1987 ergänzten die aufgeladenen Versionen des 911 Targa und Cabrio die Modellpalette. Der letzte luftgekühlte 911 Turbo ist der 993, der serienmäßig über Allradantrieb und Biturbo-Aufladung verfügt.
Porsche 984: Der streng Geheime

Statt eines flattrigen Faltdachs findet ein versenkbares Hardtop hinter den Sitzen Platz.
Bild: Goetz von Sternenfels / AUTO BILD
… und was wurde daraus?
Im Juni 1987 startet der Prototyp zur Jungfernfahrt, es finden sogar Messungen im Straßenverkehr statt. Der 984 fährt nicht nur, er wirkt sogar schon leidlich ausgereift. Doch der Vorstand senkt den Daumen: zu teuer! So wird der Typ 984 im März 1988 nach vierjähriger Entwicklungszeit weggestellt, und weil ihn niemand kaufen wird, kommt von den zehn Millionen Mark Entwicklungskosten keine einzige Mark wieder rein. Trotzdem: Die Idee eines kleinen Porsche ist in der Welt - eines kompakten, leichten und agilen Roadsters, eines echten Porsche als Einsteigermodell unterhalb des 911, die Mittelmotor-Konzeption, die Abmessungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Ingenieure, Stilisten und Vertriebler einen Blick auf den 984 geworfen, bevor sie den Boxster entwarfen.
Porsche 928 Cabrio: Offener Porsche ohne Zukunft

Ein großer Designentwurf, der nicht wie ein Prototyp wirkt. Die Form des 928 Cabrio erscheint serienreif.
Bild: Goetz von Sternenfels / AUTO BILD
Was wurde daraus?
Leider gar nichts. Wer in den 80er- und 90er-Jahren Porsche, Frontmotor und Cabrio wollte, der musste zum offenen 944 sowie zu dessen Nachfolger 968 greifen. Als die Vier- und Achtzylinder-Transaxle-Typen 1995 ersatzlos ausliefen, blieb Cabrio fahrenden Porsche-Kunden nur der 911 übrig. Ob das 928 Cabrio das Zeug zum Markterfolg gehabt hätte, bleibt Spekulation. Der ähnlich positionierte und ebenfalls mit V8-Motoren liefer-bare Mercedes SL vom Typ R 129 verkaufte sich in 13 Jahren über 200.000-mal. Ein großer offener Porsche blieb Wunschdenken, stattdessen kam 1996 der kleine Boxster.
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