Martin Bertelsen
Martin Bertelsen in seinem kleinen Schrauber- und Sparer-Paradies: "Meine Werkstatt war fast gratis"
Der Spaß an der Oldtimer-Schrauberei liegt in den Herausforderungen. Und in den Lösungen, die man dafür findet. Imponiert es nicht, wenn beispielsweise jemand die kunstlederbespannte Dachkonstruktion für seinen Vorkriegs-Oldtimer aus den Latten eines Matratzenrahmens baut? Wenn es nicht gerade um die Instandsetzung eines Standard-Oldies geht, bei der man in den Katalogen der spezialisierten Teilehändler die Speisekarte rauf und runter ordern kann, fordert eine Oldtimer-Restaurierung immer wieder Kreativität von uns. Warum sollte man da nicht auch kreativ über die Ausstattung der Werkstatt nachdenken? Die Idee wird denen abwegig erscheinen, die sich unter "Werkstatt" einen keimfreien Operationssaal vorstellen, in dem reinrassige Rennboliden für den Einsatz vorbereitet werden.

Ratgeber Oldtimer im Winterschlaf: Sauber eingemottet

Rückenwärmer
Ideal für die winterliche Werkstatt: Heizröhre, Bürostuhl, Metallrohr vom Staubsauger – fertig ist der Rückenwärmer!
Ist doch wahr: Wer meint, dass er ein akkurates Autopaletot aus atmungsaktiver und innen flanellierter Baumwolle mit aufgesticktem Markenemblem braucht, soll es sich kaufen. Wir nähen uns lieber ein paar alte Bettlaken zusammen, um Autos abzudecken und investieren unser Geld lieber in Werkzeug und Ersatzteile. Wenn Sie das auch so sehen, sollten Sie weiterlesen: Wir stellen Ihnen hier ein paar interessante Ideen für Basteleien vor. Alle können Sie ganz einfach nachbauen. Aber womöglich kommen Sie ja auch noch auf ganz andere Ideen, wenn Ihnen irgendetwas in die Hände fällt, das sonst niemand mehr haben möchte. So kann aus einem ausgedienten Bügelbrett ein praktischer und sogar höhenverstellbarer Ablagetisch werden (Bild ganz oben).

Gewusst wie!

Schrauben, gut abhängen
Marmeladenglas-Magazin für Schrauben und Kleinkram: Ist praktisch und kostet nix.
Kleinteile lassen sich platzsparend auch unter Regalböden lagern – mit Marmeladengläsern: Man schraubt einfach die Deckel der Gläser unter das Regal. So wird zum Beispiel über der Werkbank toter Raum genutzt. Und an die gefüllten Gläser kommt man bequem heran – mit einer Drehung hat man den Inhalt in der Hand. Wie sieht's aus? Haben Sie nicht auch Spaß daran, ganze Einrichtungs-Gegenstände für Ihre Werkstatt selbst zu bauen? Wir machen es mit drei praktischen Beispielen vor und empfehlen die Nachahmung:

Erstes Projekt: Ein Allround-Ständer für Hebebühne und Grube

Gebrauchte Hebebühnen gibt es für ein paar Hundert Euro, gerade für Schraubergemeinschaften eine sinnvolle Investition. Damit zum Beispiel der Ölwechsel noch einfacher wird, bauen wir einen vielseitig verwendbaren Universal-Ständer: Das höhenverstellbare und rollfähige Gestell trägt die Auffangwanne beim Ölwechsel, schultert das Getriebe beim Kupplungstausch oder dient ganz einfach als Ablagetisch für Werkzeug. Ideal also unter jeder Hebebühne und in jeder Service-Grube. Das Ganze kostet runde 50 Euro – spottbillig dank Selbstbau! Die detaillierte Bauanleitung finden Sie hier:

Zweite Bauanleitung: Klapp-Werkbank für enge Garagen

Klapp-Werkbank für enge Garagen
Spart Platz: die klappbare Garagenwerkstatt. Deren Selbstbau zeigen wir in der Bildergalerie!
Groß ist die Oldtimer-Liebe, klein die heimische Garage: Normstellplätze sind wie moderne Motorräume — viel zu eng zum Schrauben. Werkbank aufstellen? Unmöglich. Unser Tipp: Ein Arbeitsplatz zum Klappen. Dafür landen zwei stabile Scharniere zwischen Wand und Werkbank, zwei rund einen Meter lange Latten kommen als Tischbeine unter die Holzplatte. Zusammengefaltet ragt die Werkbank nur rund sechs Zentimeter in die Garage, wird mit einem Riegel sicher an der Wand gehalten – da bleibt ausreichend Platz fürs Auto. Wäre das nicht was? Bauen Sie sich Ihre Klapp-Werkbank – mit dieser Bauanleitung kein Problem:

Bildergalerie

Bauanleitung: Klapp-Werkbank für enge Garagen
Bauanleitung: Klapp-Werkbank für enge Garagen
Bauanleitung: Klapp-Werkbank für enge Garagen
Kamera
Bauanleitung: Klapp-Werkbank für enge Garagen



Dritter Selbstbau: Die Werkstatt auf Rollen

Was für eine praktische Idee: die flexible Werkbank! Ob vor dem Hallentor oder in der Werkstattecke – hinschieben und losschrauben. Und es funktioniert, im AUTO BILD KLASSIK-Oldtimerparadies gibt es mittlerweile zwei der rollenden Kisten. Das Tolle: Die Werkbank lässt sich einfach den eigenen Bedürfnissen anpassen. Ob Steckdosenleisten, Schleifbock, Schraubstock, Lampen oder ein kleiner Kompressor – was auch immer fürs individuelle Schrauberglück nötig ist, es lässt sich montieren. Neben vier stabilen Rädern, einer Platte für die Rückwand, Brettern und Balken braucht es nur etwas Geschick und eine Handvoll Schrauben. Und genau so geht's: Hier ist die Ausführliche Anleitung.
Das war's  noch lange nicht: Ideen gibt's genug. Hier noch ein paar Anregungen:

Flutlicht zu Hause

Nichts fehlt so sehr in vielen privaten Werkstätten und Garagen wie wirklich helles Licht. Warum eigentlich? Neonröhren gibt es für kleines Geld im Baumarkt, und oft kann man sie bei Büroumbauten umsonst bekommen. Wenn man sechs Deckenleuchten à zwei Neonröhren auf ein rollbares Gestell montiert, entsteht ein wahres Flutlicht. Bauen Sie dafür ein Gestell aus Holzlatten mit Rollen darunter. Die Basis sollte möglichst schwer sein, damit die Konstruktion kippsicher ist – zum Beispiel eine  Euro-Palette mit Gehwegplatten oder Ersatzteilen drauf. Kosten: 6 Neon-Doppelröhren 50 Euro; Holzlatten 6 Euro; Rollen/Winkel/Schrauben 20 Euro.

Auf den Sack gehauen

Idealer Untergrund fürs Hämmern bei der Blechverformung: ein Ledersack voller Sand. Den können Sie auch ohne Ledernähmaschine bauen: Runde Grundform aus Sperrholz sägen. Mit dicht aneinandergesetzten Polsternägeln das Leder (von einer ausrangierten Couch oder Jacke) daran in bauchiger Form befestigen. Vorm Einschlagen der letzten Nägel mit trockenem Vogelsand füllen. Kosten: Leder 3 Euro; Füllung, Nägel und Holz 4 Euro.

Eis-Esser lagern günstiger

Wer im Sommer sein Eis aus der 500-ml-Familienpackung schleckt, weiß zur Schrauberzeit im Winter, wohin mit Schrauben und Schellen, Steckern und Schaltern: Der ganze Kleinkram landet wohlsortiert in den gereinigten Deckeldosen, die es im Supermarkt zum Eis dazu gab. Abwechselnd Mauersteine und Bretter aufschichten, auf beiden Seiten mit Winkeln an der Wand fixieren, fertig ist das Gratis-Regal dazu. Kosten: Alte Eisschalen, Bretter, Steine 0 Euro; Winkel zur Sicherung ca. 5 Euro.

Schüssel-Erlebnis für Kabel

Kabel und Schläuche finden akkurat aufgerollt ihren Platz an der Wand: auf speziellen gusseisernen und beschichteten Haltern, auf 17-Zoll-BBS-Kreuzspeichenrädern – oder einfach auf einer Plastikschüssel. Kaufen Sie eine neue, oder nehmen Sie – mit Erlaubnis der Hausherrin – die alte mit dem Sprung, befestigen Sie sie (die Schüssel) mit zwei bis vier Schrauben an Wand oder Tür. Kosten: Plastikschüssel 3 Euro; Schrauben und Dübel 50 Cent.

Kleckerei ohne Weihnachtsbäckerei

Wer zuverlässig schmelzenden Käse oder Saft aus Apfelkuchen auffängt, meistert auch Öl aus Motoren und Getrieben: Backbleche erfüllen diesen Zweck so gut wie speziell dafür angebotene Ölauffangwannen. Nicht unbedingt beim schwungvollen Ölwechsel, aber sie verhindern Flecken, wenn sie an den typischen Stellen unterm Auto liegen. Vorsicht: Nicht auf die Kante fahren. Kosten: Backblech vom Sperrmüll oder Recyclinghof kostenlos.

Fazit

Ein Berg von schlauen Hilfsmittel – zum Gesamtpreis von nicht mal 350 Euro! Zum Spaß, sich mit Erfindergeist sein gemütliches Refugium einzurichten, und zur Genugtuung, dabei zu sparen, kommt der Effekt, dass mehr Geld für Werkzeug und Schutzkleidung übrig bleibt. Außerdem: Gern und mit Recht führen Oldtimer-Freunde an, dass es keinen Sinn ergibt, ein Auto wegzuwerfen, wenn man es erhalten kann. Ebenso sinnvoll ist es aber auch bei anderen Dingen, sie nicht wegzuschmeißen, solange man sie noch für etwas nutzen kann. Solche Recycling-Lösungen wie bei uns sind auch eine Form der Müllvermeidung. Also: Retten Sie ein Bügelbrett vorm Schrottplatz!