Albert de Dion war Franzose. Er liebte gutes Essen, schöne Frauen, trug Melone. Und er ließ sich die De-Dion-Achse einfallen, 1893 patentieren. Trick: Der Antrieb wird von der starren Achse getrennt, stattdessen an Karosserie oder Rahmen befestigt. Vorteil: weniger ungefederte Massen, mehr Komfort. Es funktioniert: Im Rover P6 2000 TC sorgt die Achse des Monsieur Albert für wohltuende Ruhe im Heck. Trampeln oder Versetzen? Non. Die französische Idee passt perfekt ins gediegene englische Auto. Der Rover gleitet gelassener als Alfa oder Volvo über Flicken in grob gewebten Asphalt-Teppichen. Nicht mal die ungewöhnliche Vorderachse, mit liegenden Stoßdämpfern und Umlenkhebeln, stellt dem P6 ein Bein.

Bürgerliche Mittelklasse: $(LC594599:Mercedes /8, Audi 100 und BMW 2000)$

Rover 2000 TC
Eckig trifft auf rund, Bandtacho auf klassischen Drehzahlmesser.
Frage nur: Warum so eine umständliche Konstruktion, wenn einfachere Technik ihre Sache gut erledigt? Antwort: Die Rover-Ingenieure träumten in den 60ern von einer Gasturbine im P6, benötigten dafür Platz. Es blieb bei der Vision, der heulende Gasbrenner war zu durstig. Stattdessen erledigt ein laufruhiger, kerniger Vierzylinder mit SU-Doppelvergaser (twin carburettor = TC) und natriumgekühlten Auslassventilen die Arbeit. Nominell 110 PS stark, kommen gefühlt nur 80 PS auf die Straße. Der schwere Rover erdrückt den Motor einfach. Was die 1330 Kilo nicht schaffen, erledigt die lange Getriebeübersetzung. Doch nicht nur die Maschine muss gegen den übergewichtigen Lord kämpfen, der Fahrer kommt auch ganz schön ins Schwitzen: An der P6-Lenkung finden bestenfalls Bodybuilder ihre Freude – als Ersatz für die Arbeit an Gewichten. Als Trainingsort ist der Rover jedoch viel angenehmer. Seine Ledersessel wirken wie eine Oase der Erholung für gestresste Rücken, egal ob Muskelmann oder Mannequin.

Von

Andreas Borchmann