Er sieht fast aus wie ein Fiat 600, aber der SAS-965A "Saporoshez" ist ein Kind der Ukraine. Von 1960 an machte der Kleinwagen SAS-965 mit nur 23 PS aus 0,75 Liter Hubraum Familien der Sowjetunion mobil, 1962 folgte der SAS-965A mit 27 PS und 0,9 Litern.
Saporoshez 965A
Den Saporoshez 965A gab es serienmäßig mit Standheizung. Dazu ein variabler Innenraum und ein geländetaugliches Fahrwerk.
Bild: Sonntag
Die Betriebsanleitung lobt: "Der Kraftwagen ЗАЗ-965A, der kleinste sowjetische Personenwagen, ist bei den Fahrern sehr beliebt." Was auch sonst? Die Partei hatte es so befohlen, und Autos für private Käufer waren Mangelware.
Beliebt oder nicht: Wo heute ein Saporoshez auftaucht, stiehlt er allen Konkurrenten die Schau.
Saporoshez 965A stehend von schräg hinten
Die seitlichen Lufteinlässe verraten, dass der Motor im Heck sitzt. Front- und Heckscheibe sind gleich groß. Durch das kleine Loch im Sapo-Bug quäkt ein niedlicher Hupton.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD

ZAZ, SAS, 3A3 – wie heißt der Saporoshez denn nun?

Sein Name ist etwas verwirrend: Der Hersteller in der ukrainischen Stadt Saporischschja heißt Запорізький автомобілебудівний завод, sprich "Saporisky Awtomobilebudiwny Sawod". Sie sehen schon: Die Anfangsbuchstaben, die aussehen wie eine Drei, sind ein weiches S. Deshalb heißt die Abkürzung 3A3 in der englischen und internationalen Schreibung ZAZ, in der DDR wurde er als SAS verkauft.
Markenlogo am Saporoshez 965A
Der kyrillische Schriftzug ЗАЗ steht für den Hersteller SAS oder ZAZ. Das Werk in der Ukraine montierte bis zum Angriff Russlands im Jahr 2022 unter anderem Daewoo-/Chevrolet-Modelle in Lizenz.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Das Modell heißt offiziell ЗАЗ-965A oder auf Deutsch SAS-965A. Da er aus Saporischschja kommt, war "Saporoshez" zunächst sein inoffizieller Beiname; in der DDR allerdings wurden er und sein Nachfolger SAS-968A von 1967 bis 1979 offiziell unter der Marke Saporoshez verkauft. Das liest sich wie ein Zungenbrecher, spricht sich aber einfach "Saporosch". Eselsbrücke: Zappelfrosch.
Aber keine Bange, Sie dürfen ihn auch einfach bei seinem Kosenamen nennen: "Sapo".
Typenlogo am Saporoshez 965A
Das Modell 965A war das Facelift des Saporoshez 965 von 1962 mit 900 statt 750 Kubik.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD

Der Heckmotor: Vierzylinder in V-Form

Auf seinen steppentauglichen 13-Zöllern ruht die einigermaßen ansehnlich geformte Karosserie, deren hintere Kiemen verraten, dass sein Herz hinten schlägt. Ein luftgekühlter V4-Heckmotor faucht viertaktend herum.
Saporoshez 965A
Unter der Haube steckt ein Kühlgebläse wie bei Porsche, die Wechselstrom-Lichtmaschine mittendrin. Links unten die Standheizung.
Bild: Sonntag
Wie Kenner wissen, wird es dem 27 PS schwachen Motor schnell zu heiß. Die Abluftklappe unter dem Nummernschild ist ab Werk thermostatisch gesteuert, doch die meisten Besitzer verkeilen sie einfach, um sie immer ganz weit offen zu halten. (Die heißen Heckschleudern: Klassiker mit Heckmotor)

Anlasskurbel am Saporoshez 965A
Erste Hilfe: Das Bordwerkzeug enthält nicht nur eine Luftpumpe, sondern auch eine Andrehkurbel.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD

Weil aber auch das manchmal nicht reicht, drehte der ukrainische Hersteller SAS im Nachfolger SAS-968 die Luftführung einfach um, saugte die Luft nun hinten an und blies sie von oben um die Kühlrippen des Motors herum nach unten. Was auf unbefestigten Parkplätzen dazu führt, dass spätere Sapos bei laufendem Motor in einer Staubwolke stehen.

Standheizung: im Saporoshez 965A serienmäßig!

Nun aber genug der heißen Luft. Fädeln wir uns durch die Selbstmördertüren bequem ins Innere. Viel nacktes Blech, nur unterbrochen von Tacho und allerlei Knöpfen. Deren wichtigster steckt ganz rechts, denn viele V4-Saporoshez besitzen serienmäßig eine benzinbefeuerte Zusatzheizung, was in ihrer Heimat kein Luxus war, sondern eine Notwendigkeit. Mit ein paar Vorglühtricks erwacht sie und macht so auch sibirische Winter erträglich.
Cockpit des Saporoshez 965A
Lenkrad mit schickem Hupring, Tacho mit Benzinuhr und Anzeige der Öltemperatur. Gerade Letztere ist nötig.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD

In diesem Kleinwagen kann man liegen

Die Sitze lassen sich umbauen zu einer Liegewiese – na, sagen wir, zu einem Liegebeet. In Verbindung mit der Standheizung ist er also fast ein Mikro-Wohnmobil.
Kofferraum des Saporoshez 965A
Kofferraum nach Art der frühen Fiat 600. Tank seitlich, an der Wand hängt der Behälter für die Scheibenwaschanlage.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD

Ein Fahrwerk wie beim Geländewagen

Es war Sapos Mission, über allerschlechteste Wege robben zu können, am schwammigen Fahrverhalten hat sich keiner gestört.
Vorn hat er eine stabile Verbundlenkerachse, hinten Querlenker. Eine damals gängige Konstruktion, die aber manch Exemplar nach gar nicht sehr flott gefahrenen Kurven im Graben landen ließ. Denn die sehr indirekt arbeitende Lenkung macht Rettung durch Korrektur zur Glücksache. Der kleine Ukrainer ist halt eigensinnig.

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Technische Daten: Saporoshez 965A
  • Motor: V4 (Vierzylinder-V-Motor), Viertakter
  • Ventile/Nockenwellen: 8/1
  • Nockenwellenantrieb: Kette
  • Hubraum: 887 cm³
  • Bohrung x Hub: 72,0 x 54,5 mm
  • Leistung: 20 kW (27 PS) bei 4000/min
  • Maximales Drehmoment: 52 Nm bei 3000/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h (Werksangaben variieren)
  • Beschleunigung 0-100 km/h: nicht messbar
  • Antrieb: Viergang-Schaltgetriebe, Heckantrieb
  • Bremsen vorn/hinten: Trommel/Trommel
  • Testwagenbereifung: 145/80 R 13
  • Radgröße: 5,2 x 13"
  • Leergewicht/Zuladung: 665/300 kg (AUTO BILD-Messwerte)
  • Gewichtsverteilung vorn/hinten: 39/61 % (AUTO BILD-Messwerte)
  • Wendekreis links/rechts: 10,9/10,5 m (AUTO BILD-Messwerte)
  • Verbrauch (Werksangabe): 5,5 Liter Normal/100 km
  • Tankinhalt: 30 Liter

Fazit

Harte Schale, harter Kern: Ein Saporoshez ist vielseitig, geländegängig und lässt sich auch mit Gewalt nicht zerstören. Ein widerstandsfähiger kleiner Kerl.