Der Name ist keine Übertreibung, sondern der Stolz auf das Erreichte: 32 PS stemmt der Tempo Rapid, sein kleiner Bruder Wiking ächzte noch mit 20 Zweitakt-PS durch die Lande – und war nicht der lahmste Transporter im Land. Woher der neue Viertakter kam? Von Austin! Ein damaliger Tempo-Werbetext strotzt vor Stärke: "Austin-Motoren haben beigetragen, dass Austin und die British Motor Corporation in der Kraftfahrzeugproduktion hinter den Großen Drei aus Amerika [Ford, GM und Chrysler] an vierter Stelle der Welt stehen." Tja, BMC war einmal. Und leider hat auch Tempo-Hersteller Vidal & Sohn irgendwann den Anschluss verpasst. Der Rapid vermittelt bestens das Gefühl, wie es sich einst durch unser Wirtschaftswunderland fuhr. Taufrische 26.000 Kilometer zeigt sein Tacho.
Tempo Rapid
Der Rapid ist ein Direktimport aus dem  Wirtschaftswunderland.
Vorm Start erst mal die durchgehende Sitzlehne mit einem 14er-Maulschlüssel auf passende Neigung gebracht. Die Drei-Personen-Bank sitzt allerdings bombenfest. Dennoch ergibt sich eine erstaunlich behagliche Position. Rechts vom Armaturenblech passt der Schlüssel rein, aber nicht drehen – dann geht nur das Licht an. Der Anlasser reagiert auf den Startknopf links. Das Schema der "Frontschaltung" neben dem Lenkrad entspricht dem bekannten H, allerdings um 90 Grad verdreht. Nach einiger Übung kommt man gut in die Gänge des Getrag-Getriebes, die prima bis zum Dritten passen. Darüber macht der Tempo kaum noch Tempo. Die versprochenen 87 Spitze will auch keiner wirklich fahren, denn da gibt es mächtig was in die Ohren. Hart im Geben ist auch das Fahrwerk. Bodenwellen stoßen ins Hinterteil, Längsrillen bestimmen die Richtung, wenn der Fahrer nicht beherzt ins Lenkrad greift.

Rückblick: Autos der 50er-Jahre

Von Servohilfen und präzise laufenden Gürtelreifen sind wir weit entfernt. Fast alle Nutzfahrzeuge benahmen sich so – Ford und VW ausgenommen. Einen Rekord kann Tempo heute halten: Kein anderer Hersteller bot so viele Varianten an. Vom Abschlepper über den Möbelpacker bis zum Niederflur-Hubwagen konnten die Harburger selbst ausgefallene Sonderwünsche erfüllen – bis zum Ende 1966. Hanomag-Henschel und Mercedes heißen die Testamentsvollstrecker.