VW do Brasil Gurgel Xavante X12 (1978): Test, Motor, Bilder, Innenraum
Dämmung? Braucht er nicht!
In diesem Auto sitzt man zwar wie ein Fragezeichen, trotzdem macht der Gurgel Xavante X12 viel Spaß. AUTO BILD ist ihn gefahren.
Auf den ersten Blick könnte man denken, VW legt den Kübelwagen neu auf. Das H-Kennzeichen verrät aber: Das ist kein neues Modell, sondern ein ziemlich gut restaurierter Oldtimer. Und es ist auch kein VW im eigentlichen Sinne. Der hier steht zwar auf einer Käferplattform, trägt aber den Markennamen Gurgel. Nie gehört? Das könnte daran liegen, dass dieser kleine Geländewagen aus Brasilien kommt. Die Idee von Markengründer João do Amaral Gurgel war es, den Brasilianern günstige und leicht reparierbare Autos zu bauen. Ab Ende 1968 ging es los, 1995 endete die Autoproduktion bei Gurgel.
Optisch erstaunlich modern
Das Exemplar der Autostadt, das AUTO BILD unter die Lupe genommen hat, ist Baujahr 1978, frisch restauriert, hört auf den Namen Gurgel Xavante X12 und ist optisch erstaunlich modern. Das rustikale Design von Autos wie dem Hummer H1 oder dem Jeep Wrangler, greift der Geländewagen voraus. Elemente wie der Markenname, der in Großbuchstaben auf der Stoßstange steht, könnten auch aus den 90ern stammen. Die Seilwinde an der Front und der Ersatzkanister auf dem Heck würden auch heutigen Geländewagen stehen. Nur der freistehende Luftfilter, der sich ebenfalls am Heck befindet, würde heute wohl nicht mehr zum Einsatz kommen.
Innenraum ohne viel Technik

Zwei Knöpfe, zwei Rundanzeigen und ein Zündschloss – fertig ist das Xavante-Cockpit.
Dämmung braucht er nicht
Schon nach den ersten gefahrenen Metern fällt die gewöhnungsbedürftige Sitzposition auf. Die Sitze sind Offroad-mäßig weit Richtung Tür gerückt, der Rest des Cockpits ist darauf allerdings nicht eingestellt. Die Pedalerie, das Lenkrad und die Käfer-Viergangschaltung scheinen für eine mittigere Sitzposition gedacht, sodass man sich beim Fahren wie ein Fragezeichen verdrehen muss: Während die Hüfte an der Tür klebt, müssen Füße und Hände sich in die Mitte strecken. Aber das ist tatsächlich einer der wenigen Kritikpunkte an diesem Puristen. Der Käfer-Motor im Heck dröhnt laut ins Innere – Dämmung? Hat er nicht, braucht er aber auch gar nicht. Das würde nur aufs Gewicht gehen und so den Fahrspaß mildern. Denn der Gurgel wiegt lediglich 850 Kilo und holt süße 46 PS aus dem 1,4-Liter-Boxer. Damit ist er zwar wahrlich nicht übermotorisiert, spaßig ist das Fahren jedoch allemal. Die recht direkte Lenkung, das brettharte Fahrwerk, das Knarzen der Sitze, die Wind-, Abroll- und Motorgeräusche machen unseren Ausflug zum Erlebnis, das man mit allen Sinnen "erfährt".
Der Gurgel ist ein Cruiser

Der brasilianische Geländewagen wurde ab 1976 auch in die Niederlande importiert.
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