VW Golf 4 R32: Fahrbericht
Der VW Golf R32 ist ein Mythos mit brabbelnder Maschine

Kostet heute fast so viel wie damals: Der VW Golf R32 ist längst eine Legende, Gebrauchtwagenpreise gehen durch die Decke. Ist dieser Boom berechtigt? Fahrbericht!
Bild: Volkswagen
- Wolfgang Gomoll
Auf den ersten, flüchtigen Blick ist der blaue Golf mit dem üblichen Schlafzimmerblick der vierten Generation nichts Besonderes. Doch das Heck mit den beiden Endrohren, dem R, der 32 und der stilisierten Zielflagge signalisieren die sportlichen Ambitionen dieses Über-Golfs, dem R32. Auch innen zeigen die Pedale und der Schalthebel aus gebürstetem Aluminium, dass dieser Golf etwas Spezielles ist. Wir lassen uns in die ausladenden Sitze fallen und blicken auf einen Tacho, der bis 300 km/h geht. Ist das nicht vielleicht ein bisschen übertrieben für einen Golf?
Der Spagat zwischen Sport und Komfort gelingt dem R32 gut

Straff, aber nicht zu hart: Das Fahrwerk des R32 hat VW absolut alltagstauglich abgestimmt.
Bild: Volkswagen
Die Vorderachse mit McPherson-Federbeinen und unteren Dreieckslenkern sowie die Mehrlenkerachse hinten mit geschmiedeten Doppel- und Querlenkern versprechen ein dynamisches Fahrverhalten. Also den Fuß aufs Gas. Der Sechszylinder erhebt sonor brabbelnd seine Stimme, angenehm, ohne akustisches Rowdytum aber fordernd genug, dass die Mundwinkel des Fahrers nach oben wandern.
Man sieht dem Topmodell sein Potenzial nicht an

Wolf im Schafspelz: Das Topmodell der vierten Golf-Generation ist unspektakulär schnell.
Bild: Volkswagen
Der VW Golf R32 ist unspektakulär schnell, ziemlich schnell sogar und gibt dabei dem Fahrer wenig Rätsel auf. Auch so ein Wesenszug, der das Kompaktmodell aus Wolfsburg so erfolgreich macht. Geschaltet wurde zunächst mit einer knackigen Sechsgangschaltung, ehe im Jahr 2003 erstmals ein Doppelkupplungsgetriebe seine sechs Fahrstufen ohne Zugkraftunterbrechung hineinschnalzte. Wir haben diese Version um die Kurven gescheucht und sind begeistert.

Die Ledersitze mit R-Logo bieten viel Seitenhalt.
Bild: Bring a Trailer
Der gut ausgestattete Golf R32 hatte einen stolzen Preis

Kein Schnäppchen: Der Golf R32 kostete ab 31.950 Euro. Gute Exemplare sind heute eher selten.
Bild: Volkswagen
Der 3,2 Liter großen Sechszylindermotor, der auch im Luxusliner VW Phaeton seinen Dienst verrichtete und zwei verstellbare Nockenwellen sowie 24 Ventile hatte – das war Anfang der 2000er-Jahre Motortechnik vom Allerfeinsten. Vom R32 sollten ursprünglich nur 5000 Exemplare gebaut werden, doch der kompakte Athlet fand vor allem in den USA viele Fans, sodass 7000 zusätzliche Einheiten vom Band liefen.
Billig war das Vergnügen nicht: Der Grundpreis lag bei 31.950 Euro, hatte dafür aber auch aber eine reichhaltige Serienausstattung mit Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik, Regensensor und Xenonlicht. Heute ist es gar nicht mehr so leicht, einen Golf R32 in gutem Originalzustand zu finden. Einen guten VW Golf R32 bekommt man aktuell auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht unter 20.000 Euro. Bei einigen Insidern sind die Viertürer begehrter als die mit zwei Pforten – vor allem mit DSG. Gerüchte halten sich hartnäckig, dass es von dieser Kombination in Deutschland nur zwei Modelle gab. Eines fuhr Frau Piëch und das andere war ein Testwagen.

Legendärer Sechszylinder mit 241 PS.
Bild: Bring a Trailer
Technische Daten: Sechszylinder-V-Motor • Hubraum: 3189 cm3 • Leistung: 177 kW (241 PS) bei 6250/min • maximales Drehmoment: 320 Nm bei 2800/min • Allradantrieb • Sechsgang • Einzelradaufhängung • Kofferraum: 245/1099 Liter • Tank: 62 Liter • Länge/Breite/Höhe: 4149/1735/1444 mm • Radstand: 2518 mm • Reifen: 225/40 R 18 W • Leergewicht: 1477 kg • Zuladung: 523 kg • Spitze: 247 km/h • 0–100 km/h in 6,6 s • Verbrauch (EU-Mix): 11,5 l/100 km Super plus • Preis (2002): 31.950 Euro
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