Wartburg 1000 Camping: Klassiker des Tages
Ist der Wartburg 1000 Camping das schönste Auto der DDR?
Das sind die Autos der DDR
Bild: AUTO BILD / Matthias Brügge
In der DDR wurden vor allem zweckmäßige Autos nach einfacher Art gebaut. Einmal entwickelt, liefen sie jahrzehntelang vom Band. Das ist eine Sicht auf die ostdeutsche Autoindustrie. Eine andere ist: Es entstanden in der DDR einige betörend schöne Autos!
Eines davon ist mit Sicherheit der Wartburg 1000 Camping. Dieser 50er-Jahre-Kombi ragt auch heute noch heraus. Er kam als Viertürer in der damals modischen Zweifarblackierung, deren Rand mit Chrom eingegrenzt wurde. Und dank großem Faltschiebedach lässt sich das Ladeabteil nach oben öffnen im Camping-Kombi. Die gelben Panoramafenster, die hinter der C-Säule bis weit ins Dach ragen, sind fast schon überkandidelt. Jede Menge Chrom prangt am Auto, und mit gar nicht mal wenig Leistung umgarnte der Wartburg auch Kunden im Westen.
45 Zweitakt-PS aus 992 Kubik
Die langlebige Zweitakt-Technik des Wartburg 311/5 und des 1000 stammt aus dem Zwickauer Motorenregal. Mit 45 Dreizylinder-PS war der im VEB Karosseriewerk Dresden gebaute Kombi recht ordentlich motorisiert – und für eine Spitze von 105 km/h gut. Als Rundheck kamen die Wartburg-Kombis zunächst mit zwei Türen, erst das Eckheck wurde als Viertürer ausgeliefert – und als "Camping".

Schon der Vorgänger Wartburg 311 besaß die elegante Seitenlinie, hatte aber einen kleineren Motor. Der Wartburg 1000 Camping legte noch eine Schippe drauf.
Bild: Christian Bittmann
Später drängte der Wartburg 353 Tourist in die Öko-Nische des Vorgängers Camping, bekam fünf PS mehr Leistung, das Blech wurde geglättet. Doch ihm haftete nie der Glamour des Camping an, dessen 50er-Jahre-Flair blieb unerreicht. Wegen des hohen Nutzwerts wurden viele Wartburg Camping schon zu DDR-Zeiten verschlissen, aber – wenn verfügbar – mit nachgefertigten Rohkarossen wieder auf die Straße gebracht. Weil die verfügbar waren, entstanden auf Basis des zweitürigen 311/9 neue Camping-Modelle.
Dank Luxusausstattung tauglich für den Export
Am meisten sticht der Camping-Wartburg durch die Luxusausstattung hervor. Dazu gehören auch die Liegesitze, die den Innenraum zu einer ebenen Liegefläche machen.

Ein solches Auto lässt man heute sicher ungern am Straßenrand stehen.
Bild: Sascha (Alexander Vasiliev)
Doch nur wenige DDR-Bürger bekamen den eleganten Wagen zugeteilt, der bis zum Erscheinen des Ford Taunus P5 Turnier 1965 und seines eigenen Nachfolgers damals der einzige Viertürer-Kombi war. Der Luxus-Wartburg war vor allem für den Export bestimmt. So ging rund die Hälfte der Produktion von 15.718 Wartburg Camping ins Ausland.
Schließlich brachte der Verkauf im eigenen Land und in die sozialistischen Bruderländer Ungarn, CSSR, Polen, Rumänien und Bulgarien der DDR keine Devisen ein. Die brachte erst der Export nach Nord- und Westeuropa, also Finnland, Niederlande, Belgien, Dänemark und Norwegen. Und auch in der Bundesrepublik, wo der glamouröse Wartburg stolze 7070 D-Mark kostete, fand das schicke Auto Abnehmer. Zum damaligen Preis war er zehn Prozent teurer als ein gleich starker VW 1500 Variant! Und heute? Laut Autoscout24 (Partner von AUTO BILD) kosten gut erhaltene Exemplare jenseits von 15.000 Euro.
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