So einen fein gewebten Velours-Teppichboden habe ich nicht mal zu Hause. Weich und flauschig, am liebsten möchte man die Auslegeware im T-Modell streicheln. Selbst Jahre harter Beanspruchung oder Horden haarender Hunde können dieses Edeltextil nicht zerstören – der feine Flausch sieht noch nach 20 Jahren aus wie frisch verlegt. Behüteter kann Gepäck nicht reisen. Dafür sorgt auch das legendäre Mercedes-Doppelrollo, das Fans der Marke zärtlich "Doro" nennen – aufrollbarer Sichtschutz und patentes Sicherheits-Trennnetz in einem. Die Passagiere – zumindest wenn sie im Fond sitzen – blicken ein wenig neidisch nach hinten auf die Koffer. Ihre Bank lässt sich zwar spielerisch leicht umklappen, bleibt verwöhnten Fahrgästen aber wegen ihrer Härte unvergesslich. Nur in der Kirche sitzt sich es noch weniger komfortabel.

Test $(LB552376:Opel Omega A Caravan)$ und Volvo 240 Kombi

Mercedes E 200 TE T-Modell
Bild: Markus Heimbach
Dafür ist es vorn bequemer. Kritikpunkt: Sitzriesen thronen trotz Höhenverstellung zu hoch über dem Geschehen. Schlecht für Lange, aber auch ein gutes Zeichen: Die festen Sitze bürgen für Qualität. Die rosshaargepolsterten Federkerne scheinen einfach nicht zu ermüden. Überhaupt ist das 124er T-Modell ein Benz der alten Art. Liebevoll eingepasste Schalter, stimmige Spaltmaße, die Türen schließen mit einem leisen Plopp. Beeindruckend. So stellen wir uns einen Mercedes vor: eine feste Burg auf Rädern. Da darf der Innenraum ruhig etwas karg wirken – wie in unserem Testwagen, der auf fast alle Extras der langen Liste verzichtet. Das stört aber nicht. Dieser etwas unterkühlte Charme passt gut zu einem konservativen Typ wie ihm.

Hier geht es zum Testergebnis des Kombi-Vergleichs

Mercedes E 200 TE T-Modell
Bild: Markus Heimbach
Der Basis-Vierzylinder ist da verhaltensauffälliger. Seine Aussprache ist so heiser wie die Stimme von Marianne Faithfull, die Kraftentfaltung so begeisternd wie ein schlaffer Händedruck. 13,5 Sekunden auf 100 – noch behäbiger ist nur der Volvo. Und dann die Automatik. Einst hochgelobt, legt das Vierstufen-Schaltwerk beim Gangwechsel jedes Mal zwei Gedenksekunden ein – gefühlt zumindest. Damals normal, heute eine Antiquität im Vergleich zu den superschnellen Schaltautomaten unserer modernen Autos. Immerhin gibt’s schon zwei Fahrprogramme, aber das nützt wenig, weil die Economy-Stellung mit aufreizend frühem Hochschalten nervt.
Beim Fahrwerkt wirkt er immer noch jugendfrisch, der 200 TE. Selbst stark wellige Fahrbahnen plättet er mit Gelassenheit, allenfalls Querfugen oder Gullydeckel poltern schon mal ungefiltert in den Innenraum. Unerwartet handlich und schnell schlängelt der T-Wagen um die Hütchen des Elchtests. Aber Vorsicht: Sein Fahrverhalten wechselt im Grenzbereich so hektisch vom Unter- ins Übersteuern, dass sogar unser Profi am Steuer ins Schwitzen kam. Was auch an der Lenkung liegt: Die servounterstützte Kugelumlauflenkung arbeitet leichtgängiger, aber ungenauer als eine Zahnstangenlenkung. Der Mercedes-Benz 200 TE (S124) war einst teuer im Unterhalt, heute ist er preiswert. Vor allem, weil kaum noch Wertverlust zu erwarten ist.

Fazit

von

Andreas Borchmann
Der deutsche Kombi an sich: Praktisch, solide und sicher wie ein Safe – das ist der 200 TE. Ein typischer Mercedes eben, einer, der noch zum Weitervererben taugt. Eitelkeiten sind diesem Erfolgstyp fremd, manche Details seines Innenraums verströmen den Chic einer Berliner Straßenbahn. Und vor allem im Fond zeigt er – genau wie die Tram – einen Hang zu übertriebener Härte.