Jaguar E-Type

Umweltzonen: Fahrverbot für Oldtimer?

— 14.03.2013

Angriff auf alte Autos

Dürfen in deutschen Großstädten künftig nur noch Autos ab Baujahr 2004 fahren? Eine Studie empfiehlt, Oldtimer aus Umweltzonen zu verbannen.

Als Umweltkommissar der Europäischen Union wird Janez Potocnik in Luxuslimousinen zu Terminen chauffiert. Gut möglich, dass dem Slowenen auf dem Rücksitz sein Realitätssinn abhanden kam. Sein Plan: Autos, die älter als zehn Jahre sind, sollen nicht mehr in deutschen Großstädten fahren dürfen. Grund: An Messstationen in der Nähe von Verkehrsadern wurden Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Vergangenheit überschritten.
Aktuell: Statement von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik
EU-Umweltkommissar Janez Potocnik bezeichnete "Gerüchte in der deutschen Presse" über Innenstadt-Fahrverbote für ältere Autos am 14. März 2013 als "kompletten Unsinn". Es liege "allein in der Hand der EU-Mitgliedstaaten, welche Maßnahmen sie ergreifen, um das Problem der Stickstoffdioxid-Emissionen in ihren Städten und Gemeinden anzugehen", sagte Potocnik in Brüssel.
Setzt der EU-Plan sich durch, hätte knapp die Hälfte der deutschen Autos Stadtverbot. Millionen Autofahrer wären gezwungen, Bus und Bahn zu nutzen oder sich nach einem neuen Gefährt umzusehen – ein deutscher Pkw ist im Schnitt 8,5 Jahre alt. Eine diffuse Altmetall-Angst greift um sich, angejahrte Autos stehen im Fadenkreuz von Politik und Wissenschaft. Sobald Schadstoffwerte ansteigen oder Umweltzonen nicht den gewünschten Erfolg bringen, sind sie gefragte Sündenböcke. Frankreichs Hauptstadt Paris plant ab September nächsten Jahres ein Einreiseverbot bis Baujahr 1997, ganz Frankreich eine Abwrackprämie für Dieselautos.

Paris? Bald nicht mehr im Oldtimer

Ein aktuelles Gutachten der Forschungsstelle für Umweltrecht der Uni Bremen gipfelt in der Empfehlung, dass Autos mit H-Kennzeichen nicht mehr in Umweltzonen fahren dürfen. Begründung: Es sei "zu erwarten, dass in den nächsten Jahren der Bestand an entsprechenden Oldtimer-Fahrzeugen deutlich ansteigen wird, wenn die im Verkehrsbild nach wie vor präsenten Massenmodelle der 1980er-Jahre diesen Status erlangen." Aussagekräftiger als das zitierte Straßenbild ist die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts. 415.760 Autos waren Ende 2011 demnach älter als 30 Jahre. Nur 231.064 davon hatten ein H-Kennzeichen – also gut die Hälfte. Dass diese Handvoll Autos die Luftqualität entscheidend beeinflussen kann, ist unwahrscheinlich. Der Autorin der Expertise geht es vor allem um eines: "Oldtimer dürfen nicht zu reinen Alltagsfahrzeugen werden", sagt Prof. Sabine Schlacke.

Übersicht: Alle Umweltzonen 2013

Umweltzone Plakette Augsburg Plakette Berlin
Dass Autos mit H-Kennzeichen in der Umweltzone fahren dürfen, müsse die Ausnahme bleiben und dürfe nicht zur Regel werden. Die Bundesregierung weist derartige Vorhaben zurück. Oldtimer mit H-Kennzeichen seien selten und würden kaum gefahren. Zudem seien sie kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut. "Eine Änderung der Ausnahmeregel ist nicht beabsichtigt", sagt ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Ohnehin sind vermeintliche Rostlauben umweltfreundlicher als allgemein angenommen. Die Produktion eines neuen Autos verschlingt große Mengen an Energie. Walter Stahel vom Institut für Produktdauer-Forschung in Genf hat ausgerechnet, dass ein um einen Liter sparsamerer Neuwagen rund 300.000 Kilometer fahren müsste, um die für seine Fertigung benötigte Energie wieder reinzuholen.

Hannover: Umweltzone adé?

Autor: Claudius Maintz

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