Alfa Romeo RZ

Alfa Romeo RZ Alfa Romeo SZ

Alfa Romeo RZ

— 12.07.2010

Das Monster aus Mailand

Er sieht aus, als hätte Picasso ihn gestylt – ein Fall für den etwas anderen Geschmack also. Doch wer sich überwinden kann, dem bietet dieser Zagato das reine Alfa-Vergnügen.

Schön ist etwas anderes. Als ihn Alfa 1989 auf dem Genfer Salon zeigte, hatte die italienische Presse sogleich den passenden Namen parat: Il Mostro, das Monster. Wie wahr. Die meisten Betrachter sahen in dem Klotz ein ästhetisches Desaster. Eine Art Mike Tyson auf Rädern. Tatsächlich hieß das Auto einfach nur SZ, Z wie Zagato, wo es ab Ende des Jahres gebaut wurde. Und wo 1992 auch die hier gezeigte Offenversion namens RZ entstand. Was war passiert? Fiat-Chef Vittorio Ghidella, dessen Idee es war, wollte mit dem Unikum einfach nur etwas Leben in die Alfa-Palette bringen. Für die Grundform zeichnete nicht Zagato, sondern der Franzose Robert Opron verantwortlich, der Mann, der in seinem früheren Leben – unglaublich, aber wahr – so große Würfe wie den Citroën SM oder den CX landete.

Cuore Sportivo seit 1910: die Markengeschichte von Alfa Romeo

RZ und SZ waren keine Bestseller. Die Kaufzurückhaltung lag aber nicht am Mini-Kofferraum, sondern am "Monster"-Design.

Die klobige SZ-Karosse bestand aus warm geformten Kunststoff, darunter die Technik des Alfa 75, aber veredelt von der Sportabteilung Alfa Corsa. Also Heckantrieb und vorn dieser herrliche Dreiliter-V6, dem Alfa-Fans zu Recht nachtrauern, aufgerüstet auf gute 210 PS. Da das Fahrgerät nur 1256 Kilogramm wog (RZ: 1380 kg) und einen cW-Wert von 0,30 vorwies, ging es entsprechend zügig voran. Vor allem aber flitzte es derart rasant um die Kurven, dass ihm kaum einer folgen konnte. Und diesen Trick beherrscht es auch heute noch. Per Knopfdruck lässt sich das Auto mittels Hydraulik fünf Zentimeter tieferlegen, dann tobt das Monster über die Landstraße, dass es seinem Bezwinger ein Permanentgrinsen ins Gesicht pinselt.

Die Sitzposition im erfrischend schlichten Cockpit ist sportlich-bequem, die Lenkung wunderbar gefühlvoll.

Die Sitzposition im erfrischend schlichten Cockpit ist sportlich-bequem, die Lenkung wunderbar gefühlvoll, der Motor grollt, die Schaltung flutscht (viel besser als beim normalen Alfa 75). Über 4000 Touren spielt die Musik, das hinten liegende Fünfganggetriebe (Transaxle-Bauweise) ist eng gestuft und lädt zum Runterschalten mit Zwischengas ein. Dabei eignet sich der SZ noch besser zum Schnellfahren als der weichere RZ, zumal hier die niedrige Frontscheibe groß gewachsene Fahrer erbarmungslos dem Fahrtwind aussetzt. Doch ob offen oder geschlossen: So viel Spaß wie das Monster machte seither kein Alfa mehr (mit Ausnahme des aktuellen 8C) – das ist die traurige Wahrheit.

Monster mit Imageproblem

Hätte es die Alfa-Gemeinde zu Lebzeiten des SZ/RZ geahnt, wäre er wohl mit offenen Armen aufgenommen worden. So aber hatte Alfa Probleme, das mit 120.000 Mark reichlich teure Stück an den Mann zu bringen. Ohne satte Rabatte wollte kaum einer zugreifen. Bis 1991 verließen 1036 SZ das Zagato-Werk, 1992/93 folgten 284 RZ, dann hatte "il Mostro" ausgewütet. Der Trost für Zukurzgekommene: Sie sind ja nicht ausgestorben, diese Monster. Erstaunlich viele finden sich noch im Dickicht der Gebrauchtwagenofferten.

Historie

Zwischen 1969 und 1976 baute Alfa den Junior Zagato mit 89 bis 109 PS.

Drei Designteams buhlten mit Vorschlägen um den Zuschlag für den SZ: Zagato, wo schon früher Alfa-Derivate entstanden, Alfa selbst unter Walter de’Silva und Fiat Centro Stile mit Robert Opron. Letzterer lieferte schließlich den Grundentwurf. Zusammengebaut wurden die Autos indessen bei Zagato, die Kunststoffkarosserien lieferte Carplast in Italien. Ende 1989 begann die Produktion, bis Ende 1991 verließen 1036 SZ die Fabrik, alle in "Rosso Alfa" lackiert. 1992 legte Zagato dann den in Eigenregie gestylten RZ auf. 350 Exemplare waren geplant, aber die Offenversion verkaufte sich noch schleppender als das Coupé. Nur 284 RZ, lieferbar in Rot, Gelb und Schwarz, fanden den Weg zu den Kunden, bis Ende 1993 endgültig der Vorhang fiel.

Technische Daten

Alfa Romeo RZ
V6 (60 Grad) • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 2959 ccm • Leistung 155 kW (210 PS) bei 6200 min • max. Drehmoment 245 Nm bei 4500/min • Hinterradantrieb • Sperrdifferenzial • Fünfgangschaltgetriebe, Transaxle-Anordnung • vorn Doppelquerlenker und Schraubenfedern, hinten De-Dion-Achse mit Schubstreben und Watt-Gestänge, Schraubenfedern • innenbelüftete Scheibenbremsen vorn/hinten • Reifen 205/55 ZR 16 vorn, 225/50 ZR 16 hinten (Pirelli Zero) • Länge/Breite/Höhe 4060/1730/1300 mm • Radstand 2510 mm • Leergewicht 1380 kg • Spitze 245 km/h • 0–100 km/h in 7,5 s • Verbrauch 11 bis 12 Liter Super/100 km • Neupreis 1993: 140.000 Mark

Plus/Minus

Dem herrlichen Dreiliter-V6 trauern Alfa-Fans zu Recht nach. Er dreht und klingt, das es eine wahre Wonne ist.

Er ist ausgefallen, er ist exklusiv, und er ist ein Fahrerauto reinsten Wassers. Dass so ein Alfa obendrein auch mit dem Autoalltag ganz gut umgeht, macht die Sache noch erfreulicher. Er ist leicht zu fahren, der Komfort kommt bei aller Sportlichkeit nicht zu kurz, und auch längere Strecken werden nicht zur Qual. Kofferraum steht allerdings so gut wie gar nicht zur Verfügung, aber im Coupé kann wenigstens hinter den Sitzen etwas Gepäck verstaut werden. Beim Roadster reicht es nur für das Nötigste, aber der ist mit seinem rudimentären Verdeck ohnehin eher ein Sonntagsauto. Klar auch: Wer von einem Zagato eine gediegene Verarbeitung erwartet, muss umlernen.

Marktlage

Sie sind gemessen an der geringen Produktionszahl nicht allzu schwer zu finden, speziell der SZ. Geringe Laufleistung ist bei den Angeboten eher die Regel als die Ausnahme. Gepflegte Coupés mit weniger als 50.000 Kilometer auf dem Tacho gibt es für weniger als 40.000 Euro, Roadster liegen ein paar Tausender darüber.

Ersatzteile

Die Technik und viele Ausstattungsdetails des SZ/RZ stammen aus den zeitgenössischen Großserien-Alfa. Da gibt es folglich kaum Engpässe, und die Preise liegen im Rahmen des Üblichen. Schwierig wird es freilich bei den Bestandteilen der Karosserie, die aus sogenanntem MODAR-Kunststoff bei Carplast in Italien gefertigt wurden. Die Bestände sind extrem knapp, da helfen meist nur Nachfertigungen.

Empfehlung

Beim Kauf auf jeden Fall einen Wartungsnachweis einfordern und nur garantiert unfallfreie Angebote wählen. Motor, Fahrwerk, Reifen und die Karosserie sollten der originalen Spezifikation entsprechen – wer sich da nicht genau auskennt, sollte das Auto vor dem Zuschlag von einem Experten untersuchen zu lassen. Wichtig: Auch ein Zagato kann rosten, denn unter der Plastikhaut steckt ein Stahlchassis. Also Teppiche hoch und auch sonst untenherum alles genau abchecken.

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