Karosseriebauer Rometsch

VW Rometsch Cabriolet Beeskow VW Rometsch Cabriolet Beeskow

Karosseriebauer Rometsch

— 30.07.2009

Blech-Bananen aus West-Berlin

Exklusive deutsche Karosseriebauer: Hebmüller, Rometsch, Deutsch, Autenrieth. Wo sind sie geblieben, die deutschen Nobelkarossiers? Eine Geschichte über vergangene Karosserie-Kunst aus Deutschland. Teil 2: Friedrich Rometsch.

Auto-Ausstellung Berlin, Frühjahr 1950. Ist dahinten ein UFO gelan­det? Das Publikum reagiert ähn­lich aufgeregt. Denn zwischen auf­gebrezelten Vorkriegsmodellen sonnt sich ein modernes Sportcabrio. Mit seinen Karosserielinien – bogenförmig von der vor­deren zur hinteren Stoßstange – wirkt es mindestens so sexy wie die junge Hildegard Knef. Es trägt die umständliche Bezeichnung VW Rometsch Cabriolet, Modell Bee­skow, ist also vom renommierten Auto-Architekten Johannes Bee­skow modelliert worden – einem Mann, der vor dem Krieg bei Edel­firmen wie Josef Neuss oder Erdmann & Rossi ge­arbeitet hatte. Beeskow ist es auch, der gleich zu Beginn der Ausstellung ein Auto an den Film­schauspieler Victor de Kowa verkauft: kein Cabrio, ein Coupé – die Ehefrau des Mimen bangte um ihre Frisur.

Hier geht es zu den Karossiers Autenrieth, Deutsch und Hebmüller

Bären-Marke: der Rometsch-Stand 1952 auf dem Autosalon in Berlin mit dem Beeskow, dem Käfer-Taxi und Goliath GP 700 Coupé.

Beim Film wurde offenbar gut ver­dient, denn die "Rometsch-Banane", wie der Berliner Volksmund witzelte, kostete als Coupé 8900 und als Cabrio 9500 D-Mark. Das war viel Geld für ei­nen schicken, aber lahmen Flachmann mit Alu-Haut, der auf einem Käfer-Fahrgestell basierte und 24,5 PS (spä­ter 30) leistete. Rasch stieg Karosserie Friedrich Ro­metsch in den 50ern zur Edelschmiede mit Glamour-Faktor auf: Neben Zü­rich und Stockholm unterhielt Rometsch sogar in Hollywood einen Showroom. Audrey Hepburn und Gre­gory Peck gehörten zu den Kunden. Dabei waren die Anfänge gutbürger­lich. 1924 hatte Friedrich Rometsch seine kleine Werkstatt in Berlin-Halensee eröffnet – Spezialität: Taxi-Aufbauten. Die Geschäfte gingen so gut, dass die Firma bald mit rund 50 Mitarbeitern – darunter Sohn Fritz – Karosserien für Opel- und Ley-Drosch­ken fertigte und reparierte.

Der Großserien-Karmann-Ghia bedeutete das Ende für Rometsch

Der Krieg legte das Firmengebäude in Trümmer, aber bald darauf zogen Vater und Sohn mit der "Rometsch-Banane" das große Los. Gleichzeitig ließen sie Johannes Beeskow ein viertüriges, um 18 Zentimeter verlängertes VW-Käfer-Taxi entwickeln. So viel Initiative schätzte VW-Chef Nordhoff gar nicht. Die Wolfsburger weigerten sich, neben Karmann und Hebmüller weitere Karosseriebauer mit Fahrgestellen zu beliefern. Bei Rometsch jagten sie Unfallwagen hin­terher. Und: Mit Erscheinen des Kar­mann-Ghia erlahmte das Interesse am Modell Beeskow. Handarbeit hatte verloren gegen die Großserie aus Osnabrück.

So war der von Bert Lawrence 1957 gezeichnete Nachfol­ger der Banane – mit Panorama-Schei­be und extravaganter Zweifarben-Lackierung – zwar gut gemeint, die Verkaufszahlen beflügelte er nicht. Was blieb, waren Einzelstücke, etwa einige Fiat-Coupés; 1961 wurde der Karosseriebau eingestellt. Die Firma, die danach von Unfallreparaturen lebte, machte 1986 Schlagzeilen, als sie einen Range Rover für Erich Hone­cker zum Jagdwagen umbaute. Aber 2001 war Schluss. Traugott Grund­mann, seit Jahrzehnten Rometsch-Sammler, rettete den Nachlass. Und verkaufte kürzlich eines seiner Ro­metsch Cabriolets nach Wolfsburg. VW wollte es unbedingt im Zeithaus der Autostadt zeigen – schau an!

Autor: Dieter Günther

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