Karosseriebauer Hebmüller
Ende mit vollen Auftragsbüchern

Exklusive deutsche Karosseriebauer: Hebmüller, Rometsch, Deutsch, Autenrieth. Wo sind sie geblieben, die deutschen Nobelkarossiers? Eine Geschichte über vergangene Karosserie-Kunst aus Deutschland. Teil 1: Hebmüller.
- Dieter Günther
"Großfeuer vernichtet Karosseriewerk", lautete eine der vielen Schlagzeilen. Und noch heute, 60 Jahre später, sind bei Klaus Hebmüller die Bilder dieses 23. Juli 1949 lebendig: "Es war Samstag, und wir luden am Bahnhof Fahrgestelle ab. Da sahen wir den Rauch und rannten los", erinnert sich der damals 15-jährige Enkel des Firmengründers. Als sich Qualm und Rauch verzogen hatten, zog die Familie eine bittere Bilanz: Das Werk II lag in Schutt und Asche – und damit das Herzstück von Karosserie Hebmüller mit Konstruktionsbüro, Pressen, Lackiererei, Rohbau und Endmontage. Trotzdem gab es Hoffnung. Dank voller Auftragsbücher und Deckung des Schadens durch die Versicherung schien die Zukunft des Betriebs und seiner 700 Mitarbeiter gesichert. Logisch, dass in kürzester Zeit neue, hochmoderne Werkhallen hochgezogen wurden. Es ging ja überall bergauf.
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Bild: Aleksander Perkovic
Der Weg zum Erfolg: Cabrio-Umbauten für Hanomag, Ford und Opel
Im Karosserie-Werk Hebmüller aber, jetzt unter Leitung der vier Hebmüller-Söhne Joseph, Paul, Emil und Erich, schaute man weiter voraus. Den Bau von Kleinserien fest im Blick, wurde offensiv in moderne Lackieranlagen und hydraulische Streck-Zieh-Pressen investiert. Mit Erfolg: Seit 1936 entstanden in drei Werken gefällige Cabrios und noble Pullman-Limousinen für Hanomag, Ford und Opel – gefragte Maßkonfektion von der Stange. Den Zweiten Weltkrieg überstand Hebmüller mit Militäraufträgen, baute Gelände-und Werkstattwagen sowie Flugzeugattrappen, die alliierte Bomberpiloten auf die falsche Fährte locken sollten. Nach Kriegsende kam man schnell aus den Startlöchern und fertigte ab 1946 Stabswagen für die britische Militärbehörde sowie Paketautos für die Post. Für die junge deutsche Sportwagen-Firma Veritas entstand eine Reihe von Alukarosserien.
Edles Käfer Cabriolet
Dann der Durchbruch: Im Sommer 1948 buchte VW-Chef Heinrich Nordhoff 2000 Exemplare jenes Edel-Käfers, der im Verkauf satte 7500 Mark kostete und als "Hebmüller-Cabrio" längst unsterblich geworden ist. Tragisch: Wegen des Feuers blieb es bei 696 Fahrzeugen, weitere zwölf bis 14 fertigte Karmann aus Restbeständen. Das Ende kam überraschend. Der Neubau hatte einen gigantischen Schuldenberg aufgehäuft – so hoch, dass Hebmüller im Mai 1952 Konkurs anmelden musste. Ein Managementfehler? "Hinterher ist man immer klüger", sagt Klaus Hebmüller heute, schließt die Tür seines privaten Ford Rheinland mit Hebmüller-Pullman-Karosserie und fährt davon.
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