Mitten in der Stadt

Zeitkapsel im Zentrum von Passau Zeitkapsel im Zentrum von Passau Zeitkapsel im Zentrum von Passau

Vergessenes Autohaus Hausmann

— 19.02.2015

Die Zeitkapsel im Zentrum von Passau

Vier Jahrzehnte lang dämmerte im Zentrum von Passau ein vergessenes Autohaus vor sich hin. Beim Öffnen der Türen tauchten ein Dutzend Oldtimer auf.

Theresienstraße 27: Jahrzehntelang blieb das Autohaus in der Passauer Innenstadt unberührt.

Vor vier Jahrzehnten fiel das Autohaus Hausmann, Ford-Vertragswerkstatt und Händler für Neu- und Gebrauchtwagen im Zentrum von Passau in einen Dornröschenschlaf. Die Menschen gewöhnten sich an die verschlossenen Türen in der Theresienstraße 27, aßen in der Pizzeria gegenüber oder ließen sich nebenan im Hutstudio beraten. Niemand schaute hinter die dunklen Schaufenster – wo 40 Jahre lang unberührt ein großes Autohaus mit einem Dutzend Oldtimer und einer kompletten Werkstatt vor sich hin dämmerte. Bis jetzt, als die Witwe des einstigen Besitzers starb, und einer ihrer Erben in einer Hauruck-Aktion die Türen öffnete und die Oldtimer davon schaffte. Zu den Prachtstücken zählten ein Triumph 2000 und ein Peugeot 404, einige alte Ford, auch ein MGB fand sich an.

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Video aus Regionalsender-Archiv: Besuch beim Autohaus Hausmann 1986

Zeitkapsel: Im Jahr 1955 war dieses Haus noch ultramodern.

Wie kam es dazu? Im Jahr 1975 räumte Inhaber Otto Hausmann (1905–1987), Mechaniker, Lebemann und irgendwann auch Millionär, zum letzten Mal sein Werkzeug auf, hängte den Arbeitskittel weg und schloss das Tor zu. Er war 70 Jahre alt geworden und ging in Rente. Geld war reichlich da. Verdient hatte er es mit dem Handel und der Reparatur von Ford, aber auch Marken wie Simca oder Austin. Was fehlte, war ein Nachfolger. So schloss das 1928 gegründete Unternehmen, das in den 1950er- und 60er-Jahren eines der größten Autohäuser der Region war, für immer die Pforten.

Jahrzehnte der Stille

Der Adoptivsohn interessierte sich nicht fürs Geschäft, nur für das Vermögen. Jahrzehntelange Stille legte sich über das Haus in der Theresienstraße. Dann ging alles ganz schnell. Mitte Februar wurde auf dem Passauer Innstadtfriedhof Auguste Hausmann (83) beerdigt, die Witwe des Adoptivsohns.

Die Zukunft des vergessenen Autohauses

Auszug aus dem Dornröschenschloss: ein seltener Ford Buckeltaunus Kastenkombi rollt davon.

Noch während der Trauerfeier rollten Autotransporter durch das große Tor von Nr. 27 und luden einen Oldtimer nach dem anderen auf: Peugeot und Triumph, zwei englische Roadster, einige der alten Ford sind sehr selten. Die Ruhe fand ein jähes Ende, weil ein weiterer Nachkomme des Gründers Erbauseinandersetzungen zuvorkommen wollte. Otto Hausmann hatte zwar ein aufgeräumtes Haus hinterlassen, familiär aber ein ziemliches Durcheinander.

Porsche 911 aus der Scheune zerlegt

Porsche 911 aus der Scheune Porsche 911 aus der Scheune Porsche 911 aus der Scheune

Furcht vor juristischen Verwicklungen

Und genau deshalb fürchtete Heinz R. (60), Sohn eines unehelichen Kindes von Otto Hausmann, Verwicklungen. Er erbte nämlich nur das Inventar von Nr. 27, nicht aber die Immobilie selbst. So entschloss er sich, sein Eigentum zu sichern, bevor möglicherweise ein mühsamer Rechtsstreit beginnt. Alles wollte R. in gute Hände geben: das reichhaltige Ford-Material, Ersatzteile zumeist, einem Markenclub, den umfangreichen Rest (Prospekte, Zeitschriften und mehr) an örtliche Oldtimerfreunde. Die Autos wollte er selbst behalten.

Zeitkapsel im Zentrum von Passau

Zeitkapsel im Zentrum von Passau Zeitkapsel im Zentrum von Passau Zeitkapsel im Zentrum von Passau
Es sollte eine Rettungsaktion werden, aber natürlich sprach sich schnell herum, dass das Märchenschloss nun plötzlich offen stand. So lief nicht alles ab, wie R. es gern wollte. Manche Anwohner zeigten sich enttäuscht. Sie hatten gehofft, in dem Haus werde ein Museum eingerichtet. Entsprechende Initiativen hatte es bereits gegeben. Ihr Unmut richtete sich gegen Heinz R. – zu Unrecht, wie der meint. Sein wichtigstes Anliegen war, für die Schätze seines Großvaters eine neue Heimat zu finden. In der Nr. 27 hätten sie nicht bleiben können. Nun kam das jähe Ende. Ungewiss bleibt die Zukunft des vergessenen Hauses in der Theresienstraße.

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Autor:

Till Schauen

Fazit

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Besitz durch streitlustige Erben zerrissen wird. So traurig es auch klingt: Die Hoffnung, dass Haus und Inventar einen gemeinsamen Besitzer mit Gespür für den historischen Wert finden werden, schwindet. Leider gibt es nicht immer ein Happy End.

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