Der Audi 80 B4 kam 1991 auf den Markt, basierte auf dem Vorgänger B und wurde doch schon nach vier Jahren eingestellt. Im Dezember 1994 fiel der Hammer für die Limousine, der letzte Avant verließ ein Jahr später die Fabrik. Mit diesem Modell ging also die Ägide der Audi 80 zu Ende, die 19 Jahre vorher begonnen hatte, danach trugen die Ingolstädter Mittelklasse-Fahrzeuge den Namen A4.

Die letzte Audi 80-Generation war eher ein umfangreiches Facelift

Audi 80 Advant 1.9 TDI (B4)
Lademeister: Beim Audi 80 B4 gab es erstmals eine Kombi-Version, den Avant.
Wenn man es genau nimmt, war der letzte Audi 80 eine umfangreiche Modellpflege des Vorgängers. Statt einer Torsionskurbelachse verbauten die Ingenieure bei den frontangetriebenen Varianten hinten eine Verbundlenkerachse. Die quattro-Versionen hatten eine Doppelquerlenker-Radführung mit geschmiedeten Radträgern. Diese technische Umrüstung des Fahrwerks führte zu einem Domino-Effekt. Auch der Tank wurde umgestaltet und jetzt liegend montiert, was zu einem ebenen und geräumigeren Kofferraum führte. Die asymmetrisch umlegbaren Lehnen der Rücksitze erhöhten den Komfort. Der Radstand wuchs um 66 beziehungsweise 60 Millimeter (quattro) und das gesamte Auto wurde rund acht Zentimeter länger. Die Spur vorne legte um 38 Millimeter auf 1.449 Meter zu. Damit wirkte der Audi 80 B4 deutlich wuchtiger als der Vorgänger, auch wenn sich die Technik in einigen Punkten überschnitt. Die Karosserie wurde unter anderem an der Bodengruppe und den hinteren Radläufen verstärkt und wies damit eine deutliche größere Torsionssteifigkeit auf, als die der Baureihe B3. Bei der Sicherheit legten die Ingolstädter ebenfalls nach: Seit dem Januar hatte jeder Audi 80 ABS. Ab dem Modelljahr 1994 war ein Fahrerairbag serienmäßig, ein Jahr später der Beifahrer-Airbag.

Motor: 1.9 TDI als Sparwunder

Audi 80 1.9 TDI Cabrio
Der Motor des Audi 80 B4 1.9 TDI erwies sich als Spritsparmeister.
"Neun Modelle, sechs Motoren" verkündete die Pressemappe freudestrahlend. Allerdings legte der Audi 80 B4 zunächst mit fünf Motoren los, deren Spannbreite von einem Vierzylinder-Diesel mit 55 kW/75 PS über Reihenvier- und Fünfzylinder-Ottomotoren bis hin zu einem V6-Benziner mit 128 kW/174 PS reichte. Später im Erscheinungsjahr kam der Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 66 kW/90 PS dazu, der zwei Jahre zuvor im Audi 100 seine Premiere gefeiert hatte. Dieser Vierzylinder-Selbstzünder unterschritt die strengen Abgasnormen der US-Behörden um 40 Prozent, genauso wie den in Deutschland angelegten Partikel-Grenzwert von 0,08 g/km (also die nach dem damaligen Umweltminister Klaus Töpfer benannte "Töpfer-Norm"). Verschiedene Testfahrten bewiesen das Sparpotential des Triebwerks. Bei einer 1079 Kilometer langen Testfahrt von Wien nach Genf begnügte sich ein Audi 80 1.9 TDI 1994 im Schnitt mit 2,77 Litern pro 100 Kilometer. Bei den Benzinern freuten sich die vor allem die Sechszylinderkunden über die Option, ein strafferes Sportfahrwerk zu ordern, das die Karosserie um 15 Millimeter tieferlegte.

Audi RS2 als Krönung der Baureihe

Audi RS2 Avant
Der Audi RS2 Avant wurde zusammen mir Porsche entwickelt.
1993 legte Audi den S2, auf dem dann der Über-Audi 80 RS2 basierte, auf Kiel, verpasste ihm einen 169 kW/230 PS starken Fünfzylinder 2,2-Liter-20-Ventil-Turbobenziner und schleuderte so den Fehdehandschuh nach Stuttgart, Zuffenhausen und München. Heute sind die Sportler gesuchte Modelle. Der RS2 kam 1994 auf den Markt, rund ein Jahr, bevor die Produktion des Audi 80 der Baureihe B4 eingestellt wurde. Der Kraftprotz mit seinen 232 kW/315 PS war in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Zum einen krönte er die B4 Baureihe, bei der es im Gegensatz zum Vorgänger erstmals eine Kombi-Version gab, die im Audi Jargon als Avant um die Ecke kam. Außerdem legte der Ingolstädter Autobauer mit diesem Vorzeige-Dynamiker endgültig das Image der Hut-auf-der-Ablage-Marke ab. Der Preis war mit 98.900 DM alles andere als ein Schnäppchen, aber die Tatsache, dass bis zur Einstellung des Power-Kombis im Jahr 1996 genau 2891 Exemplare statt der ursprünglich geplanten 2200 Modelle gebaut wurden, zeigt den Erfolg des Understatement-Sportlers, der bis zu 262 km/h schnell war. Entgegen der landläufigen Meinung produzierte Audi neben dem Sportkombi noch vier RS2-Limousinen.
Der Marktwert eines Audi 80 (B4) 2.0 E mit 115 PS beträgt laut Classic Data 2500 Euro im Zustand 2 und 1200 Euro im Zustand 3. Der Marktwert eines Audi 80 Avant RS2 mit 315 PS beträgt 55.900 Euro im Zustand 2 und 31.200 Euro im Zustand 3. Versicherung (zum Kfz-Versicherungsvergleich) und Spritkosten sind bei so einem Sportler natürlich nicht gerade günstig.

Von

Wolfgang Gomoll