Wer glaubt, den VW Käfer und seine Varianten zu kennen, wird immer wieder überrascht. Dieses Wochenende zum Beispiel (31. Juli bis 2. August 2026) gibt es auf dem Grand Meeting am Rittergut Birkhof eine bezaubernde Rarität zu sehen: den Dünen-Express. Einer der ungewöhnlichsten Käfer-Umbauten der 50er-Jahre. (Zum Grand Meeting am Rittergut Birkhof weiter unten mehr.)
VW Käfer Dünen-Express mit einem Waggon stehend schräg von oben
Nur mit dem ersten der beiden Anhänger ist der Dünen-Express noch vergleichsweise handlich.
Bild: Christian Grundmann

Vorn Käfer, hinten Touristenzug

Vorn fängt der Dünen-Express an wie ein normaler VW Käfer, von der Frontscheibe an aber verwandelt er sich in eine Touristen-Bimmelbahn mit zwei Reisezugwagen.

Die wichtigsten Fragen zum Dünen-Express

Die wichtigsten Fragen zum Dünen-Express
Was ist der Dünen-Express?
Der Dünen-Express ist ein historischer Touristenzug mit einer umgebauten VW-Käfer-Zugmaschine und Personenanhängern.
Wo und wann fuhr der Dünen-Express?
Der Zug beförderte in den 1950er- und 1960er-Jahren Badegäste auf der Nordseeinsel Norderney.
Welchen Motor hat der Dünen-Express?
Die Käfer-Zugmaschine soll ursprünglich einen 1,2-Liter-Boxermotor mit 30 PS besessen haben.
Was geschah nach dem Einsatz als Touristenzug?
Die Zugmaschine kam zur Feuerwehr des Norderneyer Flugplatzes und transportierte dort bis 2004 Löschmittel.
Wer restaurierte den Dünen-Express?
Der historische Touristenzug wurde für die Sammlung des VW-Sammlers Christian Grundmann wiederaufgebaut, von seinem Team und externen Werkstätten.

Wer baute den Dünen-Express?

Der Käfer wurde laut mehreren Quellen bei Karosserie Friedrich Rometsch in Berlin umgebaut, andere Quellen nennen die Firma Harmening in Bückeburg als Umbauer. Als sicher gilt, dass die Anhänger von Harmening hergestellt wurden.
historisches Schwarzweißfoto: VW Käfer Dünen-Express mit zwei Waggons stehend schräg von vorn in den Dünen
Zwischen den Dünen von Norderney pendelte der Dünen-Express mit zwei Anhängern, hier mit drei großen Fenstern vorn.
Bild: Archiv Christian Grundmann

Mit 30 PS über die Insel Norderney

Das Gespann wurde als "Dünen-Express" auf der Nordseeinsel Norderney eingesetzt. In den 50er- und 60er-Jahren brachte er vor allem Badegäste an die Strände im Osten von Norderney.
historisches Schwarzweißfoto: VW Käfer Dünen-Express mit zwei Waggons an einem Passagierflugzeug
Die Ringstrecke führte auch zum Flugplatz auf Norderney.
Bild: Archiv Christian Grundmann
Der 1200er Käfer hat nur 30 PS, aber dank kurzer Achsübersetzung konnte er 42 Personen ziehen – so viele jedenfalls erlaubt die Zulassung.
historisches Schwarzweißfoto: VW Käfer Dünen-Express von vorn
Dieses Exemplar hat ein anderes Nummernschild – offenbar gab es mehr als einen Dünen-Express.
Bild: Archiv Christian Grundmann
Als Höchstgeschwindigkeit sind 35 km/h eingetragen. Damalige Fahrer haben allerdings von bis zu 100 Fahrgästen und bis zu 70 km/h erzählt! Ob Wahrheit oder Seemannsgarn: Hoffentlich passierte das nicht bei ein und derselben Fahrt.
Heck des Anhängers beim Dünen-Express
Rund wie ein VW Käfer endet der Dünen-Express. Von 35 km/h ist am Heck keine Rede mehr.
Bild: Christian Grundmann

Vom Touristenzug zur Flugplatzfeuerwehr

1967 musterte die Kurverwaltung Norderney die Touristenzüge der ersten Generation aus. Diese Zugmaschine ging zur Flugplatzfeuerwehr Norderney.

Christian Grundmann holt den Käfer zurück

Christian Grundmann, szenebekannter VW-Sammler aus Hessisch Oldendorf, kaufte den Käfer 2007, um ihn zum Touristenzug zurückzurestaurieren. Aber: Wie genau der VW im Original aussah, war nicht mehr bekannt, und die Anhänger fehlten. So übernahm zunächst das Automuseum Prototyp in Hamburg den Käfer.
Historisches Fabbild: Lokführer des Dünen-Express am Zugfahrzeug
Der Schriftzug des Staatsbads Norderney ...
Bild: Archiv Christian Grundmann
Schriftzug des Staatsbads Norderney am Zugfahrzeug des Dünen-Express
... wurde fein säuberlich rekonstruiert.
Bild: Christian Grundmann
Die Chefs des Museums, Thomas König und Oliver Schmidt, fanden einen ähnlichen Zug mit Porsche-Zugmaschinen und den gleichen Anhängern und ließen ihn restaurieren.
Christian Grundmann kaufte 2024 seinen Käfer zurück, dazu einen Anhänger des Hamburger Zugs: ein weitgehend baugleiches Exemplar, das nicht auf Norderney eingesetzt worden war, aber ebenfalls 1957 bei der Firma Harmening in Bückeburg gebaut worden war. Einen „Glücksfund“ nennt ihn Christian Grundmann: "Normalerweise wurden die Anhänger immer vernichtet."
Detail mit "Harmening"-Schild am Anhänger des Dünen-Express
Personenwagen vom Karosseriebetrieb Harmening in Bückeburg.
Bild: Christian Grundmann

2026 fährt der Dünen-Express wieder

Die Zugmaschine vom Dünen-Express wurde schon Anfang 2026 auf der Bremen Classic Motorshow ausgestellt, allerdings noch ohne Motor und nicht komplett restauriert. (Der Dünen-Express und weitere wilde VW-Oldtimer auf der Bremen Classic Motorshow 2026.))
Cockpit des VW Käfer Dünen-Express
Eine Fahrertür gibt es nicht, der Lokführer stieg in der zweiten Reihe ein. Eckiger Scheibenrahmen, zwei feste Seitenfenster.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
In Bewegung war der restaurierte Dünen-Express anschließend beim HO26 in Hessisch Oldendorf zu erleben – dem großen VW-Treffen im Heimatort der Grundmanns.
Rücksitzbank des VW Käfer Dünen-Express
Schon im Zugfahrzeug ist Platz für Passagiere.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Tacho des VW Käfer Dünen-Express
Bei der Restaurierung wurde der Kilometerzähler auf Null zurückgesetzt.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD

Grand Meeting 2026: Termin, Tickets und Programm

Vom 31. Juli bis 2. August 2026 steigt auf dem Rittergut Birkhof in Korschenbroich bei Düsseldorf die nächste Auflage des Grand Meeting, des Nachfolgers der früheren Classic Days auf Schloss Dyck. Die Veranstaltung gehört zu den bekanntesten deutschen Oldtimer-Events und verbindet Fahrzeugschau, historische Rennwagen und Clubtreffen mit einem vergleichsweise breiten Lifestyle-Rahmenprogramm.
Die wichtigsten Eckdaten:
  • Termin: 31. Juli bis 2. August 2026.
  • Ort: Rittergut Birkhof in Korschenbroich (Rhein-Kreis Neuss) nahe Düsseldorf.
  • Eintritt: Die Preise für Tageskarten an der Tageskasse (sofern noch verfügbar) variieren je nach Veranstaltungstag zwischen 36 und 59 Euro, ermäßigt 27 bis 38 Euro, Junior-Tickets (11 bis 16 Jahre) zehn Euro. Für Kinder bis zehn ist der Eintritt frei.
  • Dresscode: Zeitgenössische, zu Oldtimern passende Kleidung ist nicht Bedingung, wird aber gern gesehen. Sandalen, Flip-Flops, Jogginganzüge und kurze Hosen bei Männern wären unpassend.
  • Rundstrecke: Herzstück ist eine rund 2,5 Kilometer lange Demonstrationsstrecke für historische Renn- und Sportwagen.
  • Motorsport: Geplant sind Vorführungen mit historischen Rennwagen im Bereich "Racing Legends" sowie klassische Formelrennwagen unter dem Titel "Formula Monoposto".
  • Concours d'Élégance: Unter dem Motto "Jewels in the Park" werden ausgewählte Klassiker präsentiert.
  • Themenwelten: Dazu kommen unter anderem Treffen für Land Rover und VW Bulli, Motorrad-Ausstellungen, historische Camper sowie Bereiche für US-Cars und deutsche Automobilgeschichte.
  • Prominenter Gast: Als Ehrengast haben die Veranstalter für 2026 unter anderem Rennfahrer Hans-Joachim Stuck angekündigt.
Jaguar E-Type Coupé mit offener Heckklappe bei den Classic Days oder dem Grand Meeting
Beim Grand Meeting geht es teils ums Rasen, teils auf den Rasen – zum fröhlichen Picknick und zum Bewundern von Autos wie diesem Jaguar E-Type Coupé.
Bild: Anna Koester-Nowaczyk
Anders als bei vielen reinen Oldtimer-Treffen steht beim Grand Meeting nicht nur das einzelne Fahrzeug im Vordergrund. Die Veranstalter setzen auf eine Mischung aus Automobilgeschichte, Demonstrationsfahrten, offenen Fahrerlagern und Oldtimer-Kultur.