Ein VW T1 für die Schiene. Ein VW Beetle mit 224 PS. Ein VW Polo Targa/Cabrio von Treser. Ein VW Golf Country, von dem nur 558 Stück gebaut wurden. Ein VW Käfer als Lok eines Touristenzugs. Das vergessene Sondermodell eines VW Polo 86C. All diese VW-Raritäten steht auf der Bremen Classic Motorshow (bis 1. Februar 2026).
Ein ganz erstaunliches Aufkommen an seltenen VW-Spezialitäten – zumal die Oldtimermesse in der Heimat der Borgward-Gruppe und nur wenige Kilometer von einem Mercedes-Werk entfernt stattfindet. Selbst VW-Auskennern gehen hier die Augen über!

Der gewagte VW Polo 86C als Treser GT

Tuner, die Karosserien umbauen, machen sich normalerweise über teure Modelle her – denn Kunden, die teure Umbauten bezahlen (können), wollen etwas Großzügigeres fahren als zum Beispiel … einen VW Polo.
VW Treser Polo 86c stehend schräg von vorn
AUTO BILD-Reporter Frank B. Meyer staunt: Einen Treser-Polo, nur 290-mal gebaut, sieht man nicht oft. Hier auf der Bremen Classic Motorshow ist dieses rote Exemplar zu verkaufen.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Was mag Walter Treser geritten haben, trotzdem auf Basis des Polo 86C dieses Cabrio mit Targa-Verdeck zu bauen?
So falsch war die Idee offenbar nicht, denn trotz des Umbaupreises von 16.000 Mark baute er Anfang der 90er-Jahre 290 Stück davon.
Auf der Bremen Classic Motorshow 2026 ist wieder ein VW Polo GT Treser Coupé zu verkaufen: Baujahr 1993, laut Verkäufer mit 75.000 Kilometern auf der Uhr, 75 PS. Im Jahr 2025 soll der Wagen neue Domlager vorn bekommen haben, die komplette Zündung sei neu und der Auspuff hinterm Kat.
VW Treser Polo 86c stehend vin der Seite
Unter dem breiten Targa-Bügel verbergen sich zwei Notsitze. Die originalen dreispeichigen Alu-Räder von Treser sind noch am Polo.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Welchen Preis kann man für so eine Rarität im Oldtimer-Alter aufrufen? Der Verkäufer hat 6100 Euro drangeschrieben.
Clou des Treser-Polo 86C ist natürlich das Dach. Was im Winter auf dem kalten Parkdeck aussieht wie ein knappes Coupé-Dach, ist tatsächlich eine raffinierte Konstruktion aus zwei Teilen: Man kann entweder nur das Dachteil über den Köpfen abnehmen, im Kofferraum verstauen und im Targa-Modus unterwegs sein – oder auch den Bügel abbauen, dann fährt man den Polo als Cabrio.
VW Treser Polo 86c stehend schräg von hinten
Auch die langen Seitenteile und der Kofferraumdeckel am VW Polo sind Treser-Konstruktionen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Wer glaubt, dass der Treser-Polo nun ein reiner Zweisitzer ist, irrt: Hinter den Vordersitzen hat er noch zwei Notsitze. Die HU-Plakette gilt bis Juli 2027.

Der VW Golf Country als seltene Chrom-Edition

Ähnlich selten wie der Treser-Polo ist dieses Auto. Nein, nicht der VW Golf 2 Country an sich, von dem baute VW 7735 Stück. Aber das hier ist ein extrem gesuchtes Luxus-Sondermodell: die Golf Country Chrom-Edition.
VW Golf Country Chrome Edition stehend schräg von vorn
Sechs Augen und Vierradantrieb: Beim Sondermodell VW Golf Country Chrom-Edition war der Schutzbügel mit Zusatzleuchten inklusive.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
558 Stück wurden von der Chrom-Edition gebaut. Das Sondermodell hatte einen verchromten Kuhfänger mit vier Zusatzscheinwerfern und (im Original auch verchromten) Schutzgittern vor den Hauptscheinwerfern, Chromräder und ein großes elektrisches Faltschiebedach.
Rad des VW Golf Country Chrome Edition
Auf Werbefotos glänzen die verchromten Räder deutlich stärker. Doch, über den Rädern muss so viel Luft im Radhaus sein.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Lieferbar war das Chrom-Sondermodell nur in Schwarz. Da kommen die Chromteile besonders gut zur Geltung.
Im Innenraum empfängt der eigentlich rustikale Golf Country den Landmann mit cremefarbenen Ledersitzen.
Faltdach des VW Golf Country Chrome Edition
Auch das Faltschiebedach war Standard in der Chrom-Edition des Golf Country.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Der Golf Country Chrom-Edition war empfindlich teuer: weit über 40.000 Mark rief Volkswagen dafür auf.
Am Freitagmorgen, 30. Januar 2026, fanden wir den Chrom-Country auf der Verkaufsfläche der Bremen Classic Motorshow im Messe-Parkhaus – ohne Verkaufsschild. Vielleicht hatte sich da schon ein Käufer gefunden.

Der VW Käfer als Lok des Dünen-Express

Es gibt in Deutschland wahrscheinlich keinen beliebten Touristen-Ort mehr, durch den nicht ein Lastzug in niedlicher Eisenbahn-Optik dieselt. Schuld daran ist ursächlich Arthur Franke, Schausteller und Messebus-Konstrukteur aus Berlin. Er entwickelte Anfang der 50er-Jahre die ersten schienenlosen Touristenzüge. Als Lok diente standardmäßig ein VW Käfer.
VW Käfer Dünen-Express stehend schräg von vorn
Die Front ist vom Käfer; von der A-Säule und Windschutzscheibe an hatte Rometsch die ganze Karosserie neu entworfen und gebaut.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Dieser VW Käfer wurde laut den meisten Quellen bei Rometsch Karosseriebau in Berlin umgebaut, dann wurde er ab Mitte der 50er-Jahre als "Dünen-Express" auf der Nordseeinsel Norderney eingesetzt.
historisches Schwarzweißfoto: VW Käfer Dünen-Express
Das historische Foto zeigt den VW Käfer im "Ringverkehr Weiße Düne – Stadt" auf Norderney, mit rechtem Außenspiegel am langen Arm.
Bild: Archiv Grundmann
Der 1200er Käfer hat nur 30 PS, aber dank Portalachse mit kurzer Übersetzung durfte er 42 Personen ziehen. Der ganze Zug mit den Anhängern von der Firma Harmening maß 19 Meter.
Als Höchstgeschwindigkeit sind 35 km/h eingetragen. Damalige Fahrer haben aber von bis zu 100 Fahrgästen und bis zu 70 km/h berichtet.
Cockpit des VW Käfer Dünen-Express
Eine Fahrertür gibt es nicht, der Lokführer stieg in der zweiten Reihe ein. Eckiger Scheibenrahmen, zwei feste Seitenfenster.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
1967 musterte die Kurverwaltung Norderney die Touristenzüge der ersten Generation aus. Diese Zugmaschine ging zur Flugplatzfeuerwehr Norderney und wurde zu einem Löschfahrzeug umgebaut.
Christian Grundmann, szenebekannter VW-Sammler aus Hessisch Oldendorf, kaufte den Käfer 2007, um ihn zum Touristenzug zurückzurestaurieren. Aber: Wie genau der VW im Original aussah, war nicht mehr bekannt, und die Anhänger fehlten. So übernahm zunächst das Automuseum Prototyp in Hamburg den Käfer.
Rücksitzbank des VW Käfer Dünen-Express
Auch im Zugfahrzeug wurden Fahrgäste befördert, auf dieser Sitzbank.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Deren Chefs, Thomas König und Oliver Schmidt, fanden einen zweiten Dünen-Express und ließen ihn restaurieren.
Christian Grundmann kaufte 2025 seinen Käfer zurück, dazu den zweiten Anhänger des Hamburger Zugs. Die Restaurierung wurde jetzt, auf der Bremen Classic Motorshow 2026, weitgehend vollendet. Zwischen salzigen Sanddünen hindurch dürfte der Dünen-Express aber so bald nicht wieder rollen.

Der VW New Beetle als Sportmodell RSi

Davon konnten die Lokführer im 30-PS-Käfer nicht mal träumen: von einem Volkswagen im Käfer-Stil, der 224 PS haben würde! Genau das ging aber 2001 in Serie – der VW Beetle RSi.
Selbst 2001 galt das Auto als kurios. Schließlich war der normale VW New Beetle ein niedliches Auto für alle, die eben NICHT mit PS protzen wollten. Für den Beetle Cup 1999 aber baute das Werk rund 40 Beetle mit dem 2,8-Liter-Motor aus Golf 4 VR6 und Passat VR6 ein. 204 PS – passte das zu dem kugeligen Kuschel-Auto?
Es passte. VW-Chef Ferdinand Piëch, dessen Ehrgeiz auch Lamborghini und Bugatti in den VW-Konzern holte, setzte noch eins drauf und ließ diese Sonderserie auflegen: den VW Beetle RSi mit 3,2 Litern, 224 PS und Allradantrieb.
VW New Beetle RSi stehend schräg von hinten
Die Blende oben an der Frontscheibe (siehe Aufmacherfoto ganz oben) findet ihr optisches Gegengewicht hinten im Dachspoiler. Den bemerkt aber kaum jemand, weil alle …
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Heckspoiler des VW New Beetle RSi
… auf den riesigen Heckflügel starren.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Die Kraft übertrugen breite 18-Zoll-Räder auf die 40er-Reifen, die bauchigen Kotflügel, die Schwellerverkleidungen und Stoßfänger schwollen an.
Innen richtete VW den Beetle RSi fast komplett neu ein – bis hin zum Radio im Alcantara-Dachhimmel.
Innenraum des VW New Beetle RSi
Sehr aufwendig gestaltete VW den Innenraum des VW Beetle RSi aus: Karbon-Türverkleidungen, Schalensitze mit Leder, Tacho und Drehzahlmesser in zwei Tüten anstatt des üblichen Zentraltachos, überall Ringe im Stil des Audi TT.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
250 dieser Beetle RSi baute Volkswagen; neu kostete jeder 135.950 Mark.
Verkäufer heute verlangen oft 50.000 bis 80.000 für gute VW Beetle RSi. Wer so viel Geld für einen sportlichen Youngtimer ausgeben mag, wünscht sich aber in der Regel ein Auto, das schneller als 225 km/h fährt und, anders als der 1,5 Tonnen schwere VW Beetle RSi, für die Beschleunigung von null auf Tempo 100 weniger als 6,8 Sekunden braucht.
Er ist halt eher ein Sammlerauto als eins fürs Fahren auf der letzten Rille.

Ein VW T1 als Eisenbahn-Draisine

"Der fährt wie auf Schienen" – Opel behauptete das vom Omega A, VW behauptete das nie von seinem Ur-Bulli, dem VW Typ 2 T1. Wäre auch gelogen gewesen.
Außer bei diesem hier: dem "Kleinwagen mit Verbrennungsmotor" oder Klv-20, wie der gar nicht so kleine Wagen im Jargon der Deutschen Bundesbahn hieß. Eine – schon wieder Bahnjargon – "Bahnamt-Draisine". (Das spricht man übrigens, nach dem Erfinder Karl Freiherr von Drais aus Karlsruhe, mit "ai" aus, nicht französisch "Dräsine".)
VW T1 Bahnamtdraisine stehend schräg von vorn
In die Schranken gewiesen: VW T1 Bahnamt-Draisine auf der Bremen Classic Motorshow. Die Scheinwerfer sind mit Blechplatten abgedeckt, stattdessen sitzen Leuchten oben an den A-Säulen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Das Strickmuster: Karosserie und Antrieb mit dem 28 PS schwachen 1,2-Liter-Boxermotor kamen vom VW-Transporter T1, das Fahrgestell von einem Schienenfahrzeug. Zusammengefügt wurde beides mal bei der Firma Waggon- und Maschinenbau Donauwörth, mal bei Beilhack in Rosenheim.
VW T1 Bahnamtdraisine stehend schräg von hinten
Nur eine Heckleuchte. Kurbel zum Anwerfen des Heckmotors. Auf die großen glatten Stahlräder ist mancher Tuning-Fan neidisch.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
1955 kaufte die Bundesbahn diese T1 Bahnamtdraisine. Wozu? Für Wartung und Reparaturen an Gleisanlagen. Bis zu sieben Bahnbeamte und -angestellte passten hinein.
Schild an der VW T1 Bahnamtdraisine
1520 Kilogramm wog diese fertige Draisine. Auf Schienen durfte sie höchstens 70 km/h fahren.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
In den 70er-Jahren wurden die T1 ausgemustert. 30 Stück plus der Prototyp wurden produziert. "Heute sind noch sieben Klv-20 bekannt", berichtet VW; "eine parkt bei Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer in Hannover."
Auf der Bremen Classic Motorshow steht dieser restaurierte Schienenbulli – schön auf einem mitgebrachten Gleisbett drapiert – auf dem VW-Stand.

Ein VW Polo als vergessenes Sondermodell SP

Gefühlt fuhr in den 90er-Jahren jeder zweite Student, Lehrling oder Zivi einen gebrauchten VW Polo aus der zweiten Generation 86C. Was macht so ein Massenauto in diesem Artikel über super-seltene und spezielle VW?
VW Polo SP 86C stehend schräg von vorn
Der VW Polo SP hat Doppelscheinwerfer. Serie beim SP waren zwei in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel (von innen verstellbar).
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Es geht um das feine Sondermodell VW Polo SP. So super-selten war der Polo SP nicht – angeblich wurden 9000 Stück gebaut und in viele Länder verteilt. Aber in Deutschland hat ihn kaum noch jemand auf dem Schirm.
VW Polo SP 86C stehend schräg von vorn
Dieser Polo SP ist diamantsilber metallic (Farbcode 4046).
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Ein paar Details aus der Ausstattungsliste: Grüne Wärmeschutzverglasung hatte der VW Polo SP, Drehzahlmesser, Tageskilometerzähler, Quarz-Zeituhr und Bremskraftverstärker. "Viele kleine und große Finessen, die sofort erkennen lassen: hier sind exklusiver Chic und freche Sportlichkeit angesagt", dichtete der Werbelyriker im Prospekt.
VW Polo SP 86C stehend schräg von vorn, Heckscheibe und SP-Logo
Rund um die Heckscheibe wickelt sich der Heckspoiler. Darunter: "Polo SP"-Schriftzug.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Dieses Exemplar, Baujahr 1983 mit 75 PS (Motorcode GK), das wir auf der Verkaufsfläche der Bremen Classic Motorshow entdeckt haben, wurde vom Werk direkt nach Frankreich ausgeliefert. Das bestätigt das Zertifikat aus dem VW-Werk. Selbst die schwarzen Nummernschilder mit silberner Schrift sind noch dran.
Alu-Rad des VW Polo SP 86C stehend schräg von vorn
Serie im Polo SP waren "breitere Reifen" im Format 155/70 SR 13. Diese Alu-Räder sind selten geworden.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Der Wagen sei in erster Hand, betont der Verkäufer, außerdem "100 % original rostfrei und ungeschweißt". Und das bei einer Laufleistung von mehr als 207.000 Kilometer.
Cockpit des VW Polo SP 86C stehend schräg von vorn
Noch auffälliger als das Drei-Speichen-Lenkrad sind die Chintz-Stoffbezüge der Sportsitze. Der Fahrersitz lässt sich in der Höhe einstellen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
7600 möchte der Verkäufer für den Wagen haben. Verglichen mit dem Treser-Polo sehr, sehr viel. Aber wir haben uns jedenfalls gefreut, dieses vergessene Sondermodell und all die anderen Wolfsburger Spezialitäten wieder- oder neu zu entdecken.