Vans spielen bei den Autoverkäufen heutzutage kaum noch eine Rolle. Der Siegeszug der SUVs aller Klassen scheint unaufhaltsam und die Verlierer sind die Vans. Noch vor einigen Jahren war das anders: Vans waren die erste Wahl für größere Familien und Pragmatiker. Dabei überzeugen Vans heute wie damals in erster Linie mit dem Nutzwert: Laderaum statt Leistung lautet die Devise. Dass das eine das andere nicht ausschließt, beweist der De La Chapelle Parcours – ein ganz besonderes Projekt aus den 90er-Jahren!
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1988 wurde die französische Marke De La Chapelle, die bis dato vor allem für Bugatti-Nachbauten (Grand Prix und Atalante 57 S) bekannt war, damit beauftragt, einen ganz besonderen Van zu konzipieren. Dieser Auftrag stammte von einem ausländischen Kunden, dessen Wunsch es war luxuriös und schnell von A nach B zu reisen. 1990 präsentierte De La Chapelle den ersten Prototypen – den Parcours PC 12. Der Parcours basiert auf einem Rohrrahmen-Chassis mit einem Aluminium-Wabenboden und ist ein ganz schöner Brocken: 5,35 Meter lang, 2,01 Meter breit und 1,73 Meter hoch. Der Radstand beträgt 3,12 Meter. Erstaunlich ist der Fakt, dass die von Barré Design unter der Führung von Robert Chouler gezeichnete Karosserie einen bemerkenswerten cW-Wert von 0,28 erzielen konnte.
De La Chapelle Parcours PC8
Bei diesem Parcours PC 8 handelt es sich um das zweitgebaute Fahrzeug, das heute noch existiert und fahrbereit ist.

Die Optik des De La Chapelle Parcours ist ungewohnt. Die Front ist extrem weit heruntergezogen und mündet in einem dezenten Frontspoiler. Der schmale Kühlergrill erinnert an ältere Ford-Modelle und wird von den vergleichsweise kleinen länglichen Scheinwerfern flankiert. Die Seitenansicht wird von zwei durchgehenden Sicken dominiert, das Greenhouse ist klar abgesetzt und die 16-Zoll-Felgen wirken aus heutiger Sicht hoffnungslos unterdimensioniert. Am Heck trägt der Parcours vier eckige Auspuffrohre, was alles andere als typisch für einen Minivan ist. Erwähnenswert sind auch die Rückleuchten, die von einem deutschen Großserien-Modell stammen: dem Audi 80. Hätten Sie es erkannt?
Richtig interessant wird es jedoch im luxuriösen Innenraum. Je nach Ausstattung sollte der Parcours mit Mehrzonen-Klimaautomatik, Autotelefon, Bordcomputer und sogar einem TV ausgerüstet werden können. Doch das eigentliche Highlight ist das Sitzkonzept, denn es war geplant den Parcours in unterschiedlichen Konfigurationen mit vier bis acht Sitzplätzen anzubieten. Im sogenannten 2-2-2-Layout war es möglich die beiden elektrisch verstellbaren Einzelsitze der zweiten Reihe entgegen der Fahrtrichtung auszurichten, sodass sich die Mitfahrer gegenüber sitzen.

Damit kommen wir zum Antrieb des Parcours. Im 1990 vorgestellten Prototypen PC 12 war ein 5,3-Liter-V12 mit zwei obenliegenden Nockenwellen von Jaguar verbaut. Ja, richtig gelesen: Ein Van mit V12! Dank 273 PS und 404 Nm sollte der rund 2200 Kilo schwere, hinterradangetrieben PC 12 bis zu 230 km/h schnell sein. Doch die Erbauer wollten noch mehr und so änderte die Marke nur ein Jahr später ihre Pläne und setzte für den zweiten Parcours auf den Fünfliter-V8 aus dem Mercedes 500 E (M 119). Der zum PC 8 umgetaufte Van hatte ab sofort 326 PS und 441 Nm maximales Drehmoment. So soll der PC 8 beeindruckende 240 km/h Topspeed erreicht haben. Die Kraftübertragung übernahm sowohl beim V8 wie auch beim V12 eine Viergangautomatik. Hinterradantrieb war Serie, wobei die Firma WTI angeblich damit beauftragt wurde einen optionalen Allradantrieb für den Parcours zu entwickeln – doch soweit sollte es nicht kommen.
De La Chapelle Parcours PC8
Das Cockpit des Parcours: Aufgeräumt und luxuriös. Armaturen und Schaltkulisse dürften Mercedes-Fahrern bekannt vorkommen.

Ursprünglich sah der Plan vor, jährlich maximal 100 PC 8 für wohlbetuchte Kunden oder Firmen wie beispielsweise Luxus-Hotels zu bauen. Und wohlbetucht mussten die Kunden angesichts des Basispreises von rund einer Million Franc, umgerechnet rund 300.000 DM, auch sein. Schlussendlich kam es jedoch anders als gedacht – 1992 musste das Projekt aus Kostengründen eingestellt werden. Bis dahin wurden genau drei De La Chapelle Parcours gebaut. Der erste war der PC 12: ein Prototyp mit Jaguar-V12 und nur einer funktionierenden Tür. Der zweite war ein voll funktionsfähiger PC 8 in einem hellen Lilaton. Die Besonderheit waren die zwei gegenüberliegenden Einzelsitze im Fond, allerdings hatte dieser Parcours keine Straßenzulassung. Das dritte Fahrzeug war ein weitere PC 8, allerdings mit vier Einzelsitzen in Fahrtrichtung, der sogar eine Zulassung besitzen soll. Noch heute sollen alle drei Fahrzeuge existieren.