Ford Escort L Mk III von 1982 im Test
Die Klasse von 1980: Der Ford Escort L Mk III im Test

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Bei den Kompakten gilt der Golf als gesetzt. Doch die Konkurrenz des Wolfsburger war schon früher groß und vielseitig. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ford?
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Der Ford Escort der dritten Generation kommt einem da eher wie ein guter alter Bekannter vor. Früher sah man ihn ständig, seit Langem macht er sich rar. Ford bewarb den Escort Mk III als „Die Antwort“. Worauf? Auf den Golf, natürlich! Für die Kunden war der erste Escort mit Frontantrieb eine Neuheit, für Ford war die Technik ein alter Hut. Taunus P4 und P6 kamen schon in den 60ern mit Frontantrieb, dann folgte 1976 der kleine Fiesta. Wenig überraschend also, wie reibungslos das Ganze funktioniert.
Mit 55 PS starkem Basismotor und 855 Mark teurem L-Paket ist unser mülltütenblauer Escort der absolute Normalfall – nur einer von zehn Käufern griff seinerzeit zum Nullausstatter-Escort. Beim L manifestiert sich optionaler Luxus unter anderem in Form von Intervallschaltung für die Wischer, zusätzlichen Defrosterdüsen, besserer Geräuschdämmung und Zierleisten. In ihrer trotz allem erschütternd kargen Anmutung und der Selbstverständlichkeit in der Bedienung sind sich Escort L und Golf L sehr ähnlich.

Das Cockpit zeigt sich sparsam ausgestattet, der Drehzahlmesser ist nachgerüstet.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Klick, klack macht die Gangschaltung, die Lenkung geht mühelos, und der für den Escort neu entwickelte OHC-Vierzylinder tritt dynamischer an als erwartet. Das alles wirkt im besten Sinne funktional und absolut unaufgeregt. Mittelmaß muss nicht schlecht sein, macht einem der kompakte Ford auf jedem Meter Fahrstrecke klar. Beim Verbrauch, beim Beschleunigen, beim Bremstest – bei allen Wertungen liegt der Escort mittendrin. Die Kunststoffe im Kadett wirken wertiger, die im Golf günstiger. Auch bei Haptik und Qualitätseindruck liegt der blassblau möblierte Escort also irgendwo dazwischen.
Den einzigen Ausreißer leistet er sich beim Styling. Als einziger aus der Klasse von 1980 kommt der Ford mit Stufe am Heckdeckel. Der als "Aeroheck" verbrämte Stummel soll das Einparken erleichtern, ist aber vielleicht auch als Angebot an eine konservative Kundschaft zu werten, die ihren Escort bis dahin mit Stufenheck zu kaufen gewohnt war.
Plus/Minus
Der Escort kann ein großes Modellangebot ins Feld führen. Zur Palette gehören Benzin- und Diesel-Motoren zwischen 54 und 132 PS sowie 1,1 bis 1,8 Liter Hubraum, zwei- und viertürige Schräghecktypen, die Kombi-Version Turnier als Zwei- und Viertürer sowie das Cabrio und die sportlichen RS-Ausführungen. Außerdem gibt es noch, Achtung: Exoten-Alarm, den ab 1983 angebotenen Stufenheck-Ableger Orion.

Beim Escort Mk III markiert ein Vierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum den Einstieg. Wie der Frontantrieb gehört der neue Querstrom-Motor zu den Innovationen der Baureihe.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Da sich eine Restaurierung abseits der RS-Topmodelle nicht lohnt, rechnet sich trotz des einfachen Aufbaus der Konstruktion und günstiger Technik-Teile der Kauf des besseren Autos. Rost betrifft in erster Linie Frontblech und Querträger, Kotflügel und Batterieblech, Radläufe sowie Endspitzen. Autos mit Schiebedach leiden aufgrund blockierter Abläufe häufig an komplett maroden Schwellern; steht Wasser in der Reserveradwanne, liegt es meist an spröde gewordenen Dichtungen der Rücklichter. Der Zustand der hinteren Längsträger sollte kaufentscheidend sein. Eine Instandsetzung ist überaus komplex. Sind sie durch, heißt es den Rückzug antreten. Autos aus französischer und englischer Fertigung gelten als schlechter konserviert als deutsche Fahrzeuge.
Wichtige Frage: original, ja oder nein? Escort-Tuning ist auch heute noch ein Thema. Die serienmäßigen Gummilager des Fahrwerks sind kurzlebige Verschleißteile, besser sind Reproteile. Stellmotoren für die Zentralverriegelung sind schwer zu bekommen, die geschäumten Armaturenbretter neigen unter starker Sonneneinstrahlung zu Rissen, und Hutablagen ohne Löcher gehören längst zu den Raritäten, Michael Henkel aus Dessau, Besitzer unseres Escort L in New Midnight Blue, sucht immer noch ein passendes blaues Ersatzteil. Hat jemand eins? Dann bitte melden! Eine umfangreiche Kaufberatung findet sich im Internet unter www.ford-escort.de
Marktlage
Weil viele Fans eher zu den heckgetriebenen Vorgänger-Typen tendieren, sind beim Escort der dritten Generation noch Schnäppchen möglich, in erster Linie natürlich bei den Standard-Ausführungen mit Schrägheck und kleinen Motoren. Aber selbst Cabrios sind gut verfügbar, die selten gewordenen XR3-Versionen kosten jedoch bereits spürbar mehr. Die kleinen Turnier-Typen liegen beim Preis über den Limousinen, an der Spitze rangieren RS 1600i und dessen aufgeladene Turbo- Version. Ganz oben wird das Escort-Angebot sehr dünn.

Zwei Schieberegler und ein Drehschalter für Heizung und Lüftung rechts vom Lenkrad, simpel und funktional.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Ersatzteile
Wahrscheinlich ist es so, dass sich viele Verschleiß- und Ersatzteile noch im Fachhandel oder Internet finden lassen, aber der Escort Mk III ist auch bereits ein Fall für den Profi. Eine Heckklappe kostet beim Spezialisten 200 und ein Heckspoiler für den XR3i 250 Euro (www.ford-oldtimer.eu). Die Preise sind oft erstaunlich günstig: eine Wasserpumpe gibt es für 27 Euro, einen Querlenker für 20, einen Endtopf für 42 und einen Stoßdämpfer (hinten) für 49 Euro. Die Ersatzteilversorgung gehört zu den starken Seiten des Ford.
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