Der Ford Escort der dritten Ge­neration kommt einem da eher wie ein guter alter Bekannter vor. Früher sah man ihn ständig, seit Langem macht er sich rar. Ford bewarb den Escort Mk III als „Die Antwort“. Worauf? Auf den Golf, natürlich! Für die Kunden war der erste Escort mit Frontantrieb eine Neu­heit, für Ford war die Technik ein alter Hut. Taunus P4 und P6 ka­men schon in den 60ern mit Front­antrieb, dann folgte 1976 der klei­ne Fiesta. Wenig überraschend also, wie reibungslos das Ganze funktioniert.
Mit 55 PS starkem Basismotor und 855 Mark teurem L-Paket ist unser mülltütenblauer Escort der absolute Normalfall – nur einer von zehn Käufern griff seinerzeit zum Nullausstatter-Escort. Beim L manifestiert sich optionaler Lu­xus unter anderem in Form von Intervallschaltung für die Wischer, zusätzlichen Defrosterdüsen, bes­serer Geräuschdämmung und Zierleisten. In ihrer trotz allem er­schütternd kargen Anmutung und der Selbstverständlichkeit in der Bedienung sind sich Escort L und Golf L sehr ähnlich.
Ford Escort
Das Cockpit zeigt sich sparsam ausgestattet, der Drehzahlmesser ist nachgerüstet.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Klick, klack macht die Gang­schaltung, die Lenkung geht mü­helos, und der für den Escort neu entwickelte OHC-Vierzylinder tritt dynamischer an als erwartet. Das alles wirkt im besten Sinne funk­tional und absolut unaufgeregt. Mittelmaß muss nicht schlecht sein, macht einem der kompakte Ford auf jedem Meter Fahrstrecke klar. Beim Verbrauch, beim Be­schleunigen, beim Bremstest – bei allen Wertungen liegt der Escort mittendrin. Die Kunststoffe im Kadett wirken wertiger, die im Golf günstiger. Auch bei Haptik und Qualitätseindruck liegt der blass­blau möblierte Escort also irgend­wo dazwischen.
Den einzigen Ausreißer leistet er sich beim Styling. Als einziger aus der Klasse von 1980 kommt der Ford mit Stufe am Heckdeckel. Der als "Aeroheck" verbrämte Stum­mel soll das Einparken erleichtern, ist aber vielleicht auch als Angebot an eine konservative Kundschaft zu werten, die ihren Escort bis da­hin mit Stufenheck zu kaufen ge­wohnt war.

Plus/Minus

Der Escort kann ein großes Modellangebot ins Feld führen. Zur Palette gehören Benzin- und Diesel-Motoren zwischen 54 und 132 PS sowie 1,1 bis 1,8 Liter Hubraum, zwei- und viertürige Schräghecktypen, die Kombi-Version Turnier als Zwei- und Viertürer so­wie das Cabrio und die sportlichen RS-Ausführungen. Außerdem gibt es noch, Achtung: Exoten-Alarm, den ab 1983 ange­botenen Stufenheck-Ableger Orion.
Ford Escort
Beim Escort Mk III markiert ein Vierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum den Einstieg. Wie der Frontantrieb gehört der neue Querstrom-Motor zu den Innovationen der Baureihe.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Da sich eine Restaurierung abseits der RS-Topmodelle nicht lohnt, rechnet sich trotz des einfachen Aufbaus der Konstruktion und günstiger Technik-Teile der Kauf des besseren Autos. Rost betrifft in erster Linie Frontblech und Quer­träger, Kotflügel und Batterieblech, Radläufe sowie Endspitzen. Autos mit Schiebedach leiden aufgrund blockierter Abläufe häufig an kom­plett maroden Schwellern; steht Wasser in der Reserveradwanne, liegt es meist an spröde geworde­nen Dichtungen der Rücklichter. Der Zustand der hinteren Längsträger sollte kaufentscheidend sein. Eine Instandsetzung ist überaus komplex. Sind sie durch, heißt es den Rückzug antreten. Autos aus französischer und englischer Ferti­gung gelten als schlechter konser­viert als deutsche Fahrzeuge.
Wichtige Frage: original, ja oder nein? Escort-Tuning ist auch heute noch ein Thema. Die serienmäßigen Gummilager des Fahrwerks sind kurzlebige Verschleißteile, besser sind Reproteile. Stellmotoren für die Zentralverriegelung sind schwer zu bekommen, die geschäumten Armaturenbretter neigen unter starker Sonneneinstrahlung zu Rissen, und Hutablagen ohne Lö­cher gehören längst zu den Raritä­ten, Michael Henkel aus Dessau, Besitzer unseres Escort L in New Midnight Blue, sucht immer noch ein passendes blaues Ersatzteil. Hat jemand eins? Dann bitte mel­den! Eine umfangreiche Kaufberatung findet sich im Internet unter www.ford-escort.de

Marktlage

Weil viele Fans eher zu den heckge­triebenen Vorgän­ger-Typen tendieren, sind beim Escort der dritten Generation noch Schnäppchen möglich, in erster Linie natürlich bei den Standard-Aus­führungen mit Schrägheck und kleinen Motoren. Aber selbst Cabrios sind gut verfügbar, die selten geworde­nen XR3-Versionen kosten jedoch bereits spürbar mehr. Die kleinen Turnier-Typen liegen beim Preis über den Limousinen, an der Spitze rangieren RS 1600i und dessen aufgeladene Turbo- Version. Ganz oben wird das Escort-Angebot sehr dünn.
Ford Escort
Zwei Schieberegler und ein Drehschalter für Heizung und Lüftung rechts vom Lenkrad, simpel und funktional.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD

Ersatzteile

Wahrscheinlich ist es so, dass sich viele Verschleiß- und Ersatzteile noch im Fachhandel oder Internet finden lassen, aber der Escort Mk III ist auch bereits ein Fall für den Profi. Eine Heck­klappe kostet beim Spezialisten 200 und ein Heckspoiler für den XR3i 250 Euro (www.ford-oldtimer.eu). Die Preise sind oft erstaunlich günstig: eine Wasserpumpe gibt es für 27 Euro, einen Querlenker für 20, einen Endtopf für 42 und einen Stoßdämpfer (hinten) für 49 Euro. Die Ersatzteilversorgung gehört zu den starken Seiten des Ford.