Huch! Menschen rund um die Welt, deren Welt sich um Marken dreht, sind in heller Aufregung: Der Kofferhersteller Louis Vuitton und der Porsche-Restomod-Tuner Singer präsentieren gemeinsam zwei umgebaute Porsche 911!
Porsche 911 Coupé von Singer Louis Vuitton von schräg hinten, offenen Fahrertür
Das Porsche 911 Coupé von Singer hat nicht nur ein Kofferset von Louis Vuitton, sondern auch ein Surfbrett auf dem neu designten Dachgepäckträger.
Bild: Singer/Louis Vuitton

Porsche 911 von Singer und Louis Vuitton, 2026: zwei Elfer für die Luxusreise

Cockpit des Porsche 911 Coupé von Singer Louis Vuitton
Die Türtafeln und Sitzflächen sind gesteppt, oben in der Frontscheibe spenden Louis-Vuitton-Logos ein wenig Schatten.
Bild: Singer/Louis Vuitton
Das 911 Coupé und das Cabrio sind edelst ausgeschlagen, mitsamt Koffern, Taschen, Kleidung, Helm, Uhr zum Herausnehmen, Surfbrett … doch, wirklich. Auf den Fotos sieht es schwer nach KI aus, aber dieser Traum für Lederstreichler und Markenfetischisten ist wahr. (Die ganze Geschichte des Louis-Vuitton-Singer-Porsche erfahren Sie hier.)
Zündschlüssel des Porsche 911 Coupé von Singer Louis Vuitton
Der Zündschlüssel (natürlich links) hat einen Rohling mit L und V.
Bild: Singer/Louis Vuitton

Auto- und Taschenhersteller arbeiten schon seit über 50 Jahren zusammen

So schön die Idee ist: Neu ist sie nicht. Liegt ja auch auf der Hand. Bei Autos geht es darum, unterwegs zu sein, zu reisen, möglichst auch gut auszusehen dabei. Für Koffer und Taschen gilt das Gleiche. In beiden Welten gibt es Marken mit großer Strahlkraft. Vor allem aber gibt es in beiden Welten Zielgruppen, die bereit sind, mehr als nötig für neue Produkte auszugeben. Auch deutlich mehr.

AMC Hornet Gucci Sportabout, 1972: Luxus im Familienkombi

AMC Hornet Gucci Sportabout stehend schräg von vorn
AMC Hornet Gucci Sportabout, 1972: vielleicht der einzige AMC, der AMG in Sachen Streetwear Credibility schlägt.
Bild: Bring a Trailer
Schon 1972 taten sich die American Motors Corporation und die Guccio Gucci S.p.A. zusammen und gaben den AMC Hornet Gucci Sportabout heraus. Das aus heutiger Sicht Besondere daran: Der kompakte Kombi AMC Hornet Sportabout war kein Luxusauto, sondern eher bodenständig. Dennoch stattete Gucci den Hornet mit Sitzpolstern und Türverkleidungen in Grün und Elfenbein mit orangeroten Akzenten aus. 141,75 US-Dollar Aufpreis soll das Gucci-Paket gekostet haben.
Cockpit des AMC Hornet Gucci Sportabout
Grüner wird's nicht – es sei denn, man würde die Sitzpolster und Türverkleidungen von Gucci tauschen. Wäre aber zu schade. Man beachte den Dachhimmel mit dem Gucci-Doppel-G!
Bild: Bring a Trailer
4835 Exemplare des AMC Hornet Sportabout Gucci verkaufte AMC. Vielleicht hätten mehr solcher Kooperationen dem Autohersteller geholfen: 1987 übernahm Chrysler den Hersteller und ließ den Markennamen AMC verschwinden. Schade, dass Gucci nicht vorher AMC aufgekauft hat.
Gucci-Logo am AMC Hornet Gucci Sportabout
Schon der edle Ritter war in Metall gewandet. Wie später der AMC.
Bild: Bring a Trailer

Cadillac Seville Gucci Edition, 1979: Welcome to Miami

Irgendwer muss den Gucci-Leuten gesteckt haben, dass die Marke AMC auf dem amerikanischen Markt nicht als der Gipfel des Luxus galt. Mehr Glamour versprach Cadillac. Dass das abgeschrägte Heck des Cadillac Seville I den Spott vieler Auto-Fans auf sich zog, ahnten Gucci wohl nicht.
Cadillac Seville Gucci Edition, stehend schräg von vorn, Studiofoto
Das Vinyldach über den Rücksitzen enthält wahrscheinlich eine vierstellige Anzahl an Gucci-Logos, weitere Gucci-Logos drehen sich auf den Radkappen. Die rot-grünen Streifen waren typisch für Gucci.
Bild: Gucci
Anders als bei den anderen Modellen kooperierte die Koffermarke hier nicht mit dem Autohersteller, sondern der Umbau entstand als Kooperation von Aldo Gucci und International Automotive Design Inc. Die Gucci-Seville wurden nicht bei Cadillac in Detroit umgebaut, sondern in Miami und über Braman Cadillac in Miami verkauft.
Kühlerfigur des Cadillac Seville Gucci Edition
Wie die Flagge eines Eroberers steht das Gucci-Logo im Wind über dem tempelartigen Kühlergrill.
Bild: Gucci
Dr. Aldo Gucci höchstselbst, ein Sohn des Firmengründers, soll die Dekoration über den Cadillac gestreut haben. "Ich habe starke Gefühle für dieses Automobil, denn es unterscheidet sich grundlegend von allem, was ich in meinem Leben entworfen habe", wird er in einer Zeitschrift zitiert.
Braman Cadillac in Miami verkaufte den Guccilac in "Sable Black", "Colton White" und "Post Road Brown".
Cockpit des Cadillac Seville Gucci Edition
Die Koffer-Optik vom Vinyldach setzt sich in den Türen fort. Und in den Kedern der Ledersessel, die gepolstert waren wie wahrscheinlich auch die Bürotüren der erfolgreichen Käufer.
Bild: Gucci
Samt Kofferset kostete der Cadillac by Gucci laut einer Quelle 19.900 US-Dollar – gut die Hälfte mehr als das guccilose Modell.

Range Rover MCM, 1986 oder 1987: mehr Achtziger passen in kein Auto

Range Rover MCM stehend schräg von vorn
Dies ist die dezenteste Darreichungsform des MCM-Range Rover. Es gab auch Varianten mit den Scheinwerfern hinter Lamellen und mit Hub-Fanfaren auf dem Dach.
Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Achtziger wird's heute nicht mehr: Allein der Beiname "Vogue" hatte den Range Rover schon aus der Sphäre des Lodenmantels herausgerissen und an den feinen Einkaufsstraßen der Welt eingeführt. 1986 oder 1987 aber machte sich Michael Cromer aus München (MCM), Deutschlands Louis Vuitton, über den Range Rover Vogue her.
Cockpit des Range Rover Classic MCM
Sollte jemand im Range Rover MCM sitzen und vergessen haben, welche Marke …
Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Logo "designed by MCM" im Cockpit des Range Rover Classic MCM
… den Innenraum aufgepimpt hat: Dann muss er nur die Augen öffnen.
Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Michael Cromer verteilte großzügig Leder mit seinem MCM-Logo im Innenraum, vom Schaltsack des Reduktionsgetriebes bis zum Dachhimmel. Umgebaut wurde der modische Vogue bei Auto Becker in Düsseldorf.
Dazu gab es – wen überrascht es – ein maßgeschneidertes Kofferset, das den Platz unter der belederten Hutablage ausnutzte.

VW Golf 1 Cabrio Etienne Aigner, 1990: Leder-Label, aber Stoffpolster

VW Golf 1 Cabriolet Etienne Aigner stehend schräg von vorn
Das VW Golf 1 Cabriolet Etienne Aigner gab es 1990 in "Midnight Blue Perleffekt" (Foto), "Bordeaux Perleffekt" und "Mangrovengrün metallic". Räder und Außenspiegel waren farblich abgestimmt. Colorglas? Ehrensache.
Bild: Hans-Joachim Mau / AUTO BILD
Ein bisschen paradox ist dieses Sondermodell: Die Firma von Etienne Aigner in München stellt hauptsächlich Lederwaren her – das Sondermodell "Etienne Aigner" des VW Golf 1 Cabriolet trägt innen aber Stoff, Pardon: Jacquard-Gewebe. Nur die Keder der Sitze, Lenkrad, Schaltung und Türgriffe innen sind beledert.
Cockpit des VW Golf 1 Cabriolet Etienne Aigner
Nur Lenkrad, Türgriffe, Schaltknauf und Schaltsack tragen Leder. Auf Sitzen und Türverkleidungen prangt das hufeisenförmige Etienne-Aigner-Logo. Bringt bestimmt Glück.
Bild: VW
Vielleicht liegt es auch daran, dass nicht Aigner, sondern VW-Hausdesignerin Gunhild Liljequist das Golf-Cabrio-Sondermodell gestaltete. Sie hatte freie Hand, Aigner steuerte nicht viel mehr als seine Marke samt Emblem dazu bei. Okay, die Firma lud VW-Mitarbeiter auch noch zu einer "Inspirationsreise" nach München ein. Liljequist: "Die haben sich bis zur Präsentation komplett rausgehalten und dann das Endergebnis abgesegnet."
Mit 1,8 Litern und 98 PS eignete sich das Aigner-Cabrio zur entspannten Parkplatzsuche vor den besten Modeläden. Sofern nach dem Autokauf (für 35.890 Mark) noch Geld übrig war.

Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès, 2008: 1001 PS mit Pariser Leder

Sitze beziehen? Schaltsäcke nähen? Das war Hermès nicht genug, als sie mit Bugatti ihr Sondermodell Veyron 16.4 Fbg par Hermès planten. Selbst der Kühlergrill trägt ein aus vielen H gebildetes Gitter.
Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès stehend schräg von vorn
Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2008. Die Räder aus poliertem Alu mit Zentralverschluss sollen an den Bugatti Typ 35 von 1924 erinnern, die Lüftungsöffnungen am Felgenrand an die Nähte von Hermès-Taschen.
Bild: dpa / picture-alliance
Den Innenraum des Veyron vernähten sie mit Kalbsleder in zwei Farben fast komplett neu. Als Farbkombinationen konnten die betuchten Kunden zwischen "Ebenholz/Hanf" und "Ebenholz/Ziegelrot" wählen.
Cockpit des Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès
Wie viele ziegelrote Kälber für dieses Interieur sterben mussten, haben Bugatti und Hermès nie kommuniziert.
Bild: Bugatti/Hermès
Das "Fbg" in "Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès" ist übrigens kein Tippfehler, sondern die Abkürzung für Faubourg – denn der Stammsitz von Hermès ist am Faubourg Saint-Honoré, im 8. Pariser Arrondissement.
Türzuziehgriff im Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès
Sehr hübsch: die Türgriffe innen im Stil der ledernen Tragegriffe von Hermès-Koffern, hier in der Farbkombination "Ebenholz/Hanf".
Bild: Bugatti/Hermès
Der Preis für das Hermès-Modell lag etwas über dem bekannten Veyron-Grundpreis von einer Million Euro plus Mehrwertsteuer: Der Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès kostete nach zeitgenössischen Berichten 1,55 Millionen Euro plus Steuer. Man ahnt, dass die beiden Firmen nicht nur aus künstlerischem Interesse kooperierten.
Mit dem Sondermodell griffen beide Marken eine alte Geschichte auf: Ettore Bugatti hatte in den 1920er-Jahren bei Hermès einen maßgefertigten Koffer für einen Bugatti Royale anfertigen lassen.
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Fiat 500 by Gucci, 2011: Schwarz, Weiß und Grün-Rot-Grün

"Lasst uns doch gemeinsam Geburtstag feiern!" So etwa dürfte die Idee hinter dem Fiat 500 by Gucci gewesen sein. Denn 2011 wurde das vereinte Italien gerade 150 Jahre alt und Gucci 90.
Er war viel Gras über den AMC Hornet Gucci Sportabout und den Cadillac Seville designed by Gucci gewachsen. Also traute Gucci aus Florenz sich noch einmal in die Nähe eines Autoherstellers: Fiat, 400 Kilometer nordwestlich in Turin.
Fiat 500 by Gucci, ein Exemplar in Weiß, eines in Schwarz
Doppelpack: Den Fiat 500 by Gucci gab es nur in Weiß oder Schwarz. Vorgestellt wurde er 2011 auf der Fashion Week in Mailand.
Bild: picture alliance / dpa
Gucci-Kreativdirektorin Frida Giannini und das Centro Stile Fiat entwarfen ein Träumchen in Schwarz-Weiß: Der Fiat 500 (und später der Fiat 500 C, die Cabriolimousine mit Faltdach) waren nur in Weiß oder Schwarz erhältlich. Auch der Innenraum präsentierte sich in Schwarz-Weiß, die Sitze waren mit Leder der Firma Poltrona Frau bezogen.
Fiat 500 by Gucci von der Seite, vorn im Bild die Designerin
Designerin Frida Giannini: "Stilvolles Reisen stand im Mittelpunkt der Arbeit von Guccio Gucci, der 1921 ein Unternehmen zur Fertigung von Reisegepäck aus Leder und Handtaschen gründete." Die Gucci-Farben Grün-Rot-Grün laufen wie ein Gürtel ums Auto.
Bild: picture alliance / dpa
Gucci-typische Ausnahme: die üblichen Streifen in Grün-Rot-Grün. Die fanden sich auch auf den Sitzen, dem Schaltknauf, den Fußmatten, den Gurten und am Zündschlüssel wieder.
Vorderrad des Fiat 500 by Gucci
Die verschlungenen Gucci-G zieren die 16-Zoll-Alu-Räder, Heckklappe und B-Säulen. Der 100-PS-Benziner hat Bremssättel in Gucci-Grün.
Bild: picture alliance / dpa
Auch zu den Fiat 500 gab es – selbstverständlich – eine Kollektion mit Lederwaren, Sportanzügen, Jacken, Fahrerhandschuhen, Sonnenbrillen und Uhren.
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Man möchte ja seine Fans glücklich machen (und damit erklecklich verdienen). Beides dürfte in jedem dieser Fälle geklappt haben.