Luxus-Sondermodelle: Gucci, Hermès & Co veredeln Autos
Die Autos der Koffer- und Taschenmarken

Louis Vuitton, Gucci, MCM, Etienne Aigner, Hermès: Immer wieder veredeln Modemarken mehr oder minder edle Serienautos – AUTO BILD zeigt die schicksten!
Bild: Singer/Louis Vuitton, Hans-Joachim Mau / AUTO BILD und Fiat
Huch! Menschen rund um die Welt, deren Welt sich um Marken dreht, sind in heller Aufregung: Der Kofferhersteller Louis Vuitton und der Porsche-Restomod-Tuner Singer präsentieren gemeinsam zwei umgebaute Porsche 911!

Das Porsche 911 Coupé von Singer hat nicht nur ein Kofferset von Louis Vuitton, sondern auch ein Surfbrett auf dem neu designten Dachgepäckträger.
Bild: Singer/Louis Vuitton
Porsche 911 von Singer und Louis Vuitton, 2026: zwei Elfer für die Luxusreise

Die Türtafeln und Sitzflächen sind gesteppt, oben in der Frontscheibe spenden Louis-Vuitton-Logos ein wenig Schatten.
Bild: Singer/Louis Vuitton
Das 911 Coupé und das Cabrio sind edelst ausgeschlagen, mitsamt Koffern, Taschen, Kleidung, Helm, Uhr zum Herausnehmen, Surfbrett … doch, wirklich. Auf den Fotos sieht es schwer nach KI aus, aber dieser Traum für Lederstreichler und Markenfetischisten ist wahr. (Die ganze Geschichte des Louis-Vuitton-Singer-Porsche erfahren Sie hier.)

Der Zündschlüssel (natürlich links) hat einen Rohling mit L und V.
Bild: Singer/Louis Vuitton
Auto- und Taschenhersteller arbeiten schon seit über 50 Jahren zusammen
So schön die Idee ist: Neu ist sie nicht. Liegt ja auch auf der Hand. Bei Autos geht es darum, unterwegs zu sein, zu reisen, möglichst auch gut auszusehen dabei. Für Koffer und Taschen gilt das Gleiche. In beiden Welten gibt es Marken mit großer Strahlkraft. Vor allem aber gibt es in beiden Welten Zielgruppen, die bereit sind, mehr als nötig für neue Produkte auszugeben. Auch deutlich mehr.
AMC Hornet Gucci Sportabout, 1972: Luxus im Familienkombi

AMC Hornet Gucci Sportabout, 1972: vielleicht der einzige AMC, der AMG in Sachen Streetwear Credibility schlägt.
Bild: Bring a Trailer
Schon 1972 taten sich die American Motors Corporation und die Guccio Gucci S.p.A. zusammen und gaben den AMC Hornet Gucci Sportabout heraus. Das aus heutiger Sicht Besondere daran: Der kompakte Kombi AMC Hornet Sportabout war kein Luxusauto, sondern eher bodenständig. Dennoch stattete Gucci den Hornet mit Sitzpolstern und Türverkleidungen in Grün und Elfenbein mit orangeroten Akzenten aus. 141,75 US-Dollar Aufpreis soll das Gucci-Paket gekostet haben.

Grüner wird's nicht – es sei denn, man würde die Sitzpolster und Türverkleidungen von Gucci tauschen. Wäre aber zu schade. Man beachte den Dachhimmel mit dem Gucci-Doppel-G!
Bild: Bring a Trailer
4835 Exemplare des AMC Hornet Sportabout Gucci verkaufte AMC. Vielleicht hätten mehr solcher Kooperationen dem Autohersteller geholfen: 1987 übernahm Chrysler den Hersteller und ließ den Markennamen AMC verschwinden. Schade, dass Gucci nicht vorher AMC aufgekauft hat.

Bild: Bring a Trailer
Cadillac Seville Gucci Edition, 1979: Welcome to Miami
Irgendwer muss den Gucci-Leuten gesteckt haben, dass die Marke AMC auf dem amerikanischen Markt nicht als der Gipfel des Luxus galt. Mehr Glamour versprach Cadillac. Dass das abgeschrägte Heck des Cadillac Seville I den Spott vieler Auto-Fans auf sich zog, ahnten Gucci wohl nicht.

Bild: Gucci
Anders als bei den anderen Modellen kooperierte die Koffermarke hier nicht mit dem Autohersteller, sondern der Umbau entstand als Kooperation von Aldo Gucci und International Automotive Design Inc. Die Gucci-Seville wurden nicht bei Cadillac in Detroit umgebaut, sondern in Miami und über Braman Cadillac in Miami verkauft.

Bild: Gucci
Dr. Aldo Gucci höchstselbst, ein Sohn des Firmengründers, soll die Dekoration über den Cadillac gestreut haben. "Ich habe starke Gefühle für dieses Automobil, denn es unterscheidet sich grundlegend von allem, was ich in meinem Leben entworfen habe", wird er in einer Zeitschrift zitiert.
Braman Cadillac in Miami verkaufte den Guccilac in "Sable Black", "Colton White" und "Post Road Brown".

Bild: Gucci
Samt Kofferset kostete der Cadillac by Gucci laut einer Quelle 19.900 US-Dollar – gut die Hälfte mehr als das guccilose Modell.
Range Rover MCM, 1986 oder 1987: mehr Achtziger passen in kein Auto

Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Achtziger wird's heute nicht mehr: Allein der Beiname "Vogue" hatte den Range Rover schon aus der Sphäre des Lodenmantels herausgerissen und an den feinen Einkaufsstraßen der Welt eingeführt. 1986 oder 1987 aber machte sich Michael Cromer aus München (MCM), Deutschlands Louis Vuitton, über den Range Rover Vogue her.

Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD

Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Michael Cromer verteilte großzügig Leder mit seinem MCM-Logo im Innenraum, vom Schaltsack des Reduktionsgetriebes bis zum Dachhimmel. Umgebaut wurde der modische Vogue bei Auto Becker in Düsseldorf.
Dazu gab es – wen überrascht es – ein maßgeschneidertes Kofferset, das den Platz unter der belederten Hutablage ausnutzte.
VW Golf 1 Cabrio Etienne Aigner, 1990: Leder-Label, aber Stoffpolster

Bild: Hans-Joachim Mau / AUTO BILD
Ein bisschen paradox ist dieses Sondermodell: Die Firma von Etienne Aigner in München stellt hauptsächlich Lederwaren her – das Sondermodell "Etienne Aigner" des VW Golf 1 Cabriolet trägt innen aber Stoff, Pardon: Jacquard-Gewebe. Nur die Keder der Sitze, Lenkrad, Schaltung und Türgriffe innen sind beledert.

Bild: VW
Vielleicht liegt es auch daran, dass nicht Aigner, sondern VW-Hausdesignerin Gunhild Liljequist das Golf-Cabrio-Sondermodell gestaltete. Sie hatte freie Hand, Aigner steuerte nicht viel mehr als seine Marke samt Emblem dazu bei. Okay, die Firma lud VW-Mitarbeiter auch noch zu einer "Inspirationsreise" nach München ein. Liljequist: "Die haben sich bis zur Präsentation komplett rausgehalten und dann das Endergebnis abgesegnet."
Mit 1,8 Litern und 98 PS eignete sich das Aigner-Cabrio zur entspannten Parkplatzsuche vor den besten Modeläden. Sofern nach dem Autokauf (für 35.890 Mark) noch Geld übrig war.
Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès, 2008: 1001 PS mit Pariser Leder
Sitze beziehen? Schaltsäcke nähen? Das war Hermès nicht genug, als sie mit Bugatti ihr Sondermodell Veyron 16.4 Fbg par Hermès planten. Selbst der Kühlergrill trägt ein aus vielen H gebildetes Gitter.

Bild: dpa / picture-alliance
Den Innenraum des Veyron vernähten sie mit Kalbsleder in zwei Farben fast komplett neu. Als Farbkombinationen konnten die betuchten Kunden zwischen "Ebenholz/Hanf" und "Ebenholz/Ziegelrot" wählen.

Bild: Bugatti/Hermès
Das "Fbg" in "Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès" ist übrigens kein Tippfehler, sondern die Abkürzung für Faubourg – denn der Stammsitz von Hermès ist am Faubourg Saint-Honoré, im 8. Pariser Arrondissement.

Bild: Bugatti/Hermès
Der Preis für das Hermès-Modell lag etwas über dem bekannten Veyron-Grundpreis von einer Million Euro plus Mehrwertsteuer: Der Bugatti Veyron 16.4 Fbg par Hermès kostete nach zeitgenössischen Berichten 1,55 Millionen Euro plus Steuer. Man ahnt, dass die beiden Firmen nicht nur aus künstlerischem Interesse kooperierten.
Mit dem Sondermodell griffen beide Marken eine alte Geschichte auf: Ettore Bugatti hatte in den 1920er-Jahren bei Hermès einen maßgefertigten Koffer für einen Bugatti Royale anfertigen lassen.
Fiat 500 by Gucci, 2011: Schwarz, Weiß und Grün-Rot-Grün
"Lasst uns doch gemeinsam Geburtstag feiern!" So etwa dürfte die Idee hinter dem Fiat 500 by Gucci gewesen sein. Denn 2011 wurde das vereinte Italien gerade 150 Jahre alt und Gucci 90.
Er war viel Gras über den AMC Hornet Gucci Sportabout und den Cadillac Seville designed by Gucci gewachsen. Also traute Gucci aus Florenz sich noch einmal in die Nähe eines Autoherstellers: Fiat, 400 Kilometer nordwestlich in Turin.

Bild: picture alliance / dpa
Gucci-Kreativdirektorin Frida Giannini und das Centro Stile Fiat entwarfen ein Träumchen in Schwarz-Weiß: Der Fiat 500 (und später der Fiat 500 C, die Cabriolimousine mit Faltdach) waren nur in Weiß oder Schwarz erhältlich. Auch der Innenraum präsentierte sich in Schwarz-Weiß, die Sitze waren mit Leder der Firma Poltrona Frau bezogen.

Bild: picture alliance / dpa
Gucci-typische Ausnahme: die üblichen Streifen in Grün-Rot-Grün. Die fanden sich auch auf den Sitzen, dem Schaltknauf, den Fußmatten, den Gurten und am Zündschlüssel wieder.

Bild: picture alliance / dpa
Auch zu den Fiat 500 gab es – selbstverständlich – eine Kollektion mit Lederwaren, Sportanzügen, Jacken, Fahrerhandschuhen, Sonnenbrillen und Uhren.
Man möchte ja seine Fans glücklich machen (und damit erklecklich verdienen). Beides dürfte in jedem dieser Fälle geklappt haben.
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