Wer hätte nicht gern einen Oldimer-Bus? Ganz vorn steht natürlich der VW T1 Samba, der Liebling der Spekulanten, dessen Preis sich im vergangenen Jahrzehnt ins Sechsstellige hochschraubte. Auch Kastenbus, LT, Transit oder Barkas. Doch ist es wirklich der Himmel auf Erden, in einem historischen Transporter oder Bulli durch die Lande zu knattern? Oder verzweifelt man am Ende an der anfälligen Technik?

Henning Hinze: "Es kommt auf die eigene Einstellung an, denn Fahrfreude hat jede Menge Facetten"

Henning Hinze Porträt
Henning Hinze liebt das Schweben auf der Vorderachse.
Es ist dieses Schweben. Etwas eigentümlich Entkoppeltes, das mich auf dem Fahrersitz mei­nes VW T3 jedes Mal zum Schmunzeln bringt. Ich fühle mich, an dem großen dünnen Lenkradkranz drehend, dann immer ein wenig größer, erinnere mich ans riesige Volant des Mercedes 2644 der Baureihe SK, mit dem ich einst als Student nebenbei Sand und Schotter umherfuhr. Und an dessen Schwingsitz. Denn in meinem Bus sitze ich ja direkt über der Vorderachsfederung – gerade auf langen Bodenwellen swingt das herrlich! Ich blicke durch die steil im Wind stehende Frontscheibe, erfreue mich an den kleinen Ausstellfensterchen – und über­haupt an den großen Glasflächen, die beste Über­sicht und, am Übernachtungsplatz angekommen, auch beste Aussicht bieten.
Ach ja, das sollte ich vielleicht erwähnen: Meinen T3 habe ich zum Cam­per umgebaut. Schon vor 20 Jahren, als ich ihn für 3800 Mark kaufte. Und mittlerweile, nach der um­fassenden Sanierung vor vier Jahren, ein weiteres Mal. Etwas minimalistischer dann, aber mittlerweile ist mir das Übernachten im Bus tatsächlich doch ein wenig zu unkomfortabel geworden. Umso wichtiger ist mir die Fahrfreude, die er bringt. Klar, er könnte schneller sein. Noch lieber wäre mir allerdings: leiser. Der Turbodiesel ist im Heck zwar schön weit weg, aber für den Krach, den er dort verbreitet, immer noch nicht weit genug. Einmal durfte ich einen T3 mit dem großen flüssigkeitsgekühlten Boxer fahren. Es war ein Multivan aus der Hannover Edition. Man munkelt, das seien die am besten geräusch­ gedämmten Heckmotorbusse von VW. So geht das mit dem Schweben noch viel besser, dachte ich mir damals. Fahrfreude hat eben ziemlich viele Facetten. Aber die, die mir mein Bus bietet, sind ein paar Entbeh­rungen allemal wert.

Lars Busemann: "Sie sind lahm und laut, häufig verbastelt. Und sie fressen jede Menge Lebenszeit"

Mercedes 200 D
Lars Busemann ist es leid, immerzu am Bus zu basteln.
Ja, ich zeige heute noch stolz die Fotos meines selbst lackierten und ausgebauten Mercedes L 319 herum, ein ehemaliger Postbus mit Schiebetüren aus dem Jahr 1966. Oder die von meinem 406 D, Baujahr 1970, der mich trotz 1,2 Millionen Kilometern und nur 60 PS als Student quer durch Europa brachte. Dann war da noch mein 77er 207 D, mit dem ich auf un­zähligen Festivals war. Ja, ein schönes Lebensgefühl von Freiheit. Aber zu welchem Preis? Ich sag es Ihnen: Sie bezahlen das kurze Vergnügen vor allem mit Lebenszeit. Bei meinem 319er konnte ich die Dauer seiner Instandsetzung wunderbar an den Semes­tern meines Studiums abzählen. Da der 319 in den Jahren 2002/03 wichtiger war als alles andere (und das sollte ein grottiger Bus sein, denn sonst wird die Höhle nie fer­tig!), habe ich mehr geschweißt, geschraubt, gespachtelt und lackiert als in Vorlesungen gesessen. Allerdings nur, um bei den darauf­ folgenden Touren fast jedes Mal liegen zu bleiben, Gehörschäden davonzutragen oder mit einem funktionierenden Auto quer durchs Land zu eiern, um teure Ersatzteile zu organisieren.
Meine Erfahrung ist: Bastel­-Busse fressen un­endlich viel Lebenszeit. Nicht nur, weil sie wie eine Weinbergschnecke in Eisenketten beschleunigen, sondern weil stän­dig irgendwas ist, um das man sich kümmern muss. Wenn Sie sich selbst in Ihrer Freizeit etwas Gutes tun wollen und bei Reisen entspannen möchten: Fahren Sie mit einem zuverlässi­gen Fahrzeug, das schneller ist als 82 km/h, und in dem Sie Ihren Beifahrer nicht ständig anbrüllen oder permanent schweigen müssen. Übernachten Sie in einem netten Hotel, in dem weder Wasser auf die Matratze tropft noch die Heizung stinkt. Und am Morgen danach frühstücken Sie in Ruhe, anstatt zum siebten Mal das Getriebe auszubauen.