VW Öko-Polo

Pro & Kontra: Wie gut sind Öko-Autos?

Wie sinnvoll waren die Öko-Neuerungen bei Autos?

Mit Autos wie dem Öko-Polo lotete VW schon in den 80er-Jahren die Grenzen des Spritsparens aus. Ein Jahrzehnt später folgte bei Mercedes der Wasserlack. Zwei Redakteure diskutieren, was sie von Öko-Neuerungen halten.
VW lotete schon in den 80er-Jahren die Grenzen des Spritsparens aus und entwickelte in Zusammenarbeit mit der Berliner Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) den Öko-Polo. Nur 3,2 Liter verbraucht dieser Sparzwerg, der optisch dem Polo 2 (86C) entspricht. Im Lastenheft stehen Dinge, die sich noch heute richtig anhören: "umweltfreundlich, weil energiesparend, abgas- und geräuscharm". Doch wie sinnvoll waren solche auf Ökologie getrimmten Autos wirklich? Hier diskutieren zwei Redakteure:

Henning Hinze: "Was früher normal erschien, würde heute zu Recht niemand mehr akzeptieren"

Henning Hinze ist vom technischen Fortschritt bei Autos überzeugt.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Als die Autos, die wir mögen, auf den Markt kamen, waren gefährliche Stoffe normal, die wir heute nicht mehr akzeptieren: Asbest und PCB, Stickoxide und Kohlenwasserstoffe; die Liste ist so lang wie die Zahl der durch sie ausgelösten Erkrankungen. Ein Grund für unsere immer weiter gestiegene Lebenserwartung ist, dass wir uns weniger selbst vergiften als früher, zum Beispiel bei Bau und Benutzung von Autos. Man muss sich immer wieder klarmachen, wo wir vor 40, 50 Jahren standen, wenn man heute die Kinderkrankheiten und Wehwehchen auf dem Weg dorthin anschaut. Klar gab es krasse Fehler: Dass Mercedes eine verlorene Auto-Generation produzierte, bevor Bakterien im Tauchbad als Ursache für die Rostprobleme bei den ab 1993 auf Wasserbasis lackierten Autos festgestellt wurden, ist eines der Desaster. Aber nie war das Durchschnittsalter der Fahrzeugflotte so hoch wie heute, nie war sie so schadstoffarm. Schon die unkaputtbaren Autos der 80er wie der Golf 2 oder der Mercedes 190 waren Beiträge zum ökologischen Autobau. Porsches FLA-Langzeitauto wies zur ersten Ölkrise und den "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome 1973 den Weg. Es folgten Aerodynamik und Abgasreinigung, Gewichtsreduktion, umweltfreundliche Produktion und elektronische Optimierung (zunächst auf Kosten der Lebensdauer). Alle starteten in Zukunftsautos mit Öko-Touch von Mercedes’ "Auto 2000" bis zu VWs Chico. Auch wenn die Technik-Trends Kinderkrankheiten hatten: Zusammen waren sie ein Segen. Man muss sich nur vorstellen, was los wäre, wenn unsere 49 Millionen Autos auf dem ökologischen Stand der 14 Millionen wären, die 1970 zugelassen waren.
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Lars Busemann: "Öko-Gimmicks helfen dem Neuwagen-Absatz, stehen aber dem Langzeitauto entgegen"

Lars Busemann setzt auf Reparaturfreundlichkeit und hohe Lebensdauer.

©Stephanie Gehrt

Ausgerechnet ein gescholtenes automobiles Mammut war auf der IAA 1991 das Serienauto mit der größten Anzahl an Umwelttechnik-Innovationen: Die S-Klasse W 140 kam unter anderem mit FCKW-freier Klimaanlage, Motoren mit Sekundärlufteinblasung und beheizten Kats für schnelle Abgasreinigung. 1993 folgten Abgasrückführung und Wasserbasislack. Hat Öko-Technik unsere Autos seitdem umweltfreundlicher gemacht? Ich bezweifle dies. Oft entpuppt sich hinter einer grünen Fassade Greenwashing mit kurzlebigen Effekten. Beispiel Wasserbasislack: Wasser statt chemischer Lösungsmittel versprach weniger Schadstoffe. Einige Wasserbasislack-Autos waren in den 90ern extrem rostanfällig. Bis heute greift die Industrie bei Klarlacken auf chemische Lösemittel zurück – die äußere Lackschicht soll schließlich witterungs- und verschleißfest sein. Wo ist der Fortschritt gegenüber den alten Acryllacken? Ähnlich sieht es aus mit der Abgasrückführung. Ein Diesel, dem im Kurzstreckenbetrieb ständig sein eigenes Abgas zugeführt wird, neigt zum Verkoken. Bei manchen Autos tauschen Werkstätten AGR-Ventile bei jedem zweiten Ölwechsel. Ist das im Sinn der Umwelt? Technik, die die Lebensdauer eines Autos verkürzt oder dessen Reparatur erschwert, ist aus meiner Sicht nicht grün. Um beurteilen zu können, wie umweltfreundlich ein Auto ist, müsste man seine ökologische Gesamtbilanz inklusive des Produktionsaufwandes berücksichtigen. Letzteren kennt aber nur der Hersteller. Ich kann deswegen nicht sicher sein, dass mein selten genutzter 83er 200 D mit knapp 400.000 Kilometern Laufleistung und 6,5 Liter Verbrauch ein überdurchschnittlich umweltfreundliches Auto ist. Aber es ist ein nachhaltiges: Es hält sehr lang, ist reparaturfreundlich und verbraucht für seine Größe wenig Diesel – oder, zumindest theoretisch, Pflanzenöl.

Fotos: Christian Bittmann

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