Mehr als 2000 Arbeitsstunden und viel Geld hat das Land-Rover-Werk investiert in die Restaurierung und ins Aufhübschen dieses Range Rover Classic. Das Ergebnis: ein Auto, das nach deutschen Regeln kein H-Kennzeichen bekommen darf!
"Restaurierung" – da denken die meisten an Arbeiten, die einen Oldtimer in einen Zustand versetzen ungefähr wie bei der Auslieferung. Bleche sanieren, Technik überholen, fehlende Teile ersetzen, so etwas. Und ja, das alles hat die Firma Jaguar Land Rover hier getan.
Range Rover Classic Baujahr 1993 Restomod, Studiofoto, stehend von der Seite
Auf den ersten Blick sieht der Range Rover aus wie ein ganz normaler 3.9i von 1993 – also ein Oldtimer. Aber wo sind die Stoßleisten an der Seite? Weg, der Optik wegen.
Bild: Jaguar Land Rover

Restaurierung oder Restomod?

Aber sie haben noch mehr getan: nicht nur restauriert, sondern auch modifiziert. Daher das amerikanische Wort "Restomod" (das die feinen Briten bei Jaguar Land Rover aber nicht offiziell benutzen).
Range Rover Classic Restomod, Studiofoto, geteilte Heckklappe
Die geteilte Heckklappe ist trotz Werksmodifikation offenbar nicht elektrisch angetrieben. Schon von außen fallen die weißen Sicherheitsgurte und die weiße Reserveradhülle auf.
Bild: Jaguar Land Rover

Der neue Range Rover SV Ultra: Was ist das Besondere daran?

Der Grund: Jaguar Land Rover bietet als Neuwagen den Range Rover SV Ultra an. Das Sondermodell hat eine neuartige HiFi-Anlage ("SV Electrostatic Sound System") mit 21 Lautsprechern, dazu Massagesitze und Fußmatten, durch die man die Musik spüren soll.
Studiofoto: Range Rover SV Ultra stehend von der Seite
Hier das aktuelle Modell, der Range Rover SV Ultra mit langem Radstand. Sehr wahrscheinlich wird dieses Auto versteigert.
Bild: Jaguar Land Rover
Der Innenraum ist neu gestaltet, die Oberflächen in Weiß und Grau sind teils aus lederfreiem Material ("Ultrafabrics"). Statt braunem Holz gibt es offenporiges Rattan in Hellgrau, statt Knöpfen mit Plastik oder Leder weiße Keramik.
Von außen erkennt man den neuen Range Rover SV Ultra am speziell für das Modell entwickelten Lack. Bei flüchtigem Hinsehen sieht er silber aus – der Hersteller schwärmt aber: Das "Titan Silver vereint feine Aluminium-Flakes mit fortschrittlicher Pigmenttechnologie für ein tiefes, schimmerndes Finish in der Anmutung von flüssigem Metall – ergänzt durch Akzente in Satin Platinum Atlas und Silver Chrome".

Warum hat der Hersteller den Range-Rover-Oldtimer umgebaut?

Studiofoto: Range Rover Classic Baujahr 1993 Restomod und Range Rover SV Ultra, beide stehend schräg von vorn
Dieses Duo wird versteigert: Range Rover SV Ultra Baujahr 2026 (rechts) und der nach seinem Vorbild veränderte Range Rover Classic Baujahr 1993.
Bild: Jaguar Land Rover
Was hat das mit dem klassischen Range Rover zu tun? Nun, vom 7. bis zum 16. August 2026 findet in der Nähe von San Francisco (Kalifornien) die Monterey Car Week statt – eine Woche voller eleganter Oldtimerveranstaltungen. Da einfach zu Werbezwecken einen Neuwagen hinzustellen, wäre doch zu plump, gerade für Jaguar Land Rover.

Versteigerung bei RM Sotheby's in Monterey

Also haben sie diesen Range Rover Baujahr 1993 restaur… restomodifiziert und werden ihn zusammen mit einem neuen Range Rover SV Ultra versteigern. Das Auktionshaus RM Sotheby's wird die Auktion am 14. August 2026 dort vornehmen. So erreicht Jaguar Land Rover bei der reichen Zielgruppe auch Aufmerksamkeit für den Neuwagen.
Range Rover Classic Restomod, Studiofoto, stehend von hinten
Weitgehend originale Optik mit außen verschraubten Scharnieren, klassischen Glühlampen in den Rückleuchten und hohen Reifen (205/80 R 16). Nur die Buchstaben "RANGE ROVER" sehen ein bisschen anders aus als 1993, oder?
Bild: Jaguar Land Rover
Detail: Buchstaben des "Range Rover"-Schriftzugs am Bug des Range Rover Classic Restomod
Richtig: Die gewölbten Lettern stammen vorn und hinten vom aktuellen Range Rover. Hier sind sie zweifarbig.
Bild: Jaguar Land Rover

Wie viel ist ein guter Range Rover Classic wert?

Die Organisation Classic Data taxiert einen wirklich guten Range Rover 3.9i EFI Vogue Viertürer von 1993 auf ca. 33.000 Euro, als 3.9i Vogue SE auf ca. 40.000 Euro (Zustand 2). Ein wirklich exzellent bis in den letzten Winkel restauriertes und seitdem nicht gefahrenes Auto, also in Zustand 1, sieht Classic Data im Fall des EFI-Modells bei rund 56.000 Euro. Abweichungen vom Originalzustand bedeuten normalerweise Wertminderung.
Ecke vorn links des Range Rover Classic Restomod
Deutlicher sind die Änderungen vorn: LED-Scheinwerfer statt Halogen, weiße statt orangefarbene Blinkergläser. Dann wieder subtil: Alu-Räder im originalen Muster, aber mit "diamantgeschliffenen Kontrastfelgen", betont der Autohersteller.
Bild: Jaguar Land Rover
AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt
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Wie viel kostet ein neuer Range Rover SV Ultra?

Im Juli 2026 wird der Range Rover SV Ultra ab 284.823 angeboten. Das Exemplar, das versteigert wird, hat langen Radstand – dieses Modell startet in Deutschland bei 321.023 Euro.
Jedes Aktionsergebnis für beide Autos zusammen unter 400.000 Euro wäre also eine Enttäuschung für Jaguar Land Rover. Ob es einen Mindestpreis geben wird, wissen wir noch nicht: Am 21. Juli 2026 war das Inserat noch nicht auf der Website von RM Sotheby's.
Cockpit des Range Rover Classic Restomod
Im Cockpit sind Sitze, Türen, Lenkrad und große Kunststoffflächen mit dem Leder-Ersatz "Ultrafabrics" bezogen. Die Tasten im Lenkrad gab es 1993 schon. Vorm Automatik-Wahlhebel: Schalter fürs Reduktionsgetriebe.
Bild: Jaguar Land Rover

Restaurierung oder Restomod?

Zurück zum Classic-Range von 1993: Der Hersteller hat also einen Oldtimer aus der eigenen Geschichte genommen – und ihn so umgebaut, dass Spuren der Geschichte getilgt wurden und dass er sich vom Original deutlich unterscheidet (siehe dazu auch den Kommentar unten).
Das könnte potenzielle Käufer aus Nordamerika, Japan oder dem arabischen Raum stören oder auch nicht stören – ein Sammelobjekt ist so ein ab Werk umgebautes und beinahe berühmtes Auto auf jeden Fall.
Vordersitze im Range Rover Classic Restomod
Wie im modernen Range Rover SV Ultra Baujahr 2026 steht auch im Range Rover Classic von 1993 Sitze mit lasergefertigtem Muster oben und performierter Oberfläche weiter unten.
Bild: Jaguar Land Rover

Welche Kriterien muss ein Oldtimer für ein H-Kennzeichen erfüllen?

Aus deutscher Sicht stellt sich aber die Frage: Gäbe es dafür ein H-Kennzeichen? Falls nicht, könnte man den Range Rover trotzdem zulassen, müsste allerdings 989 Euro Kfz-Steuer pro Jahr bezahlen.

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Ein H-Kennzeichen gibt es nicht automatisch für Autos ab 30 Jahren. Sondern laut §23 StVZO muss erst mal ein amtlich anerkannter Sachverständiger, ein Prüfer oder Prüfingenieur ein Gutachten über das individuelle Auto anfertigen. Was er dafür prüft, regelt die "Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern nach § 23 StVZO". Darin stehen die Kriterien für ein H-Kennzeichen. Grundsätzlich sind das diese:
  • Guter Pflege- und Erhaltungszustand (Abgrenzung zu "normalen alten" Fahrzeugen).
  • Die Hauptbaugruppen müssen angelehnt an den damaligen Originalzustand oder zeitgenössisch ersetzt sein.
  • Durch eine zusätzliche Ausrüstung und Ausstattung darf der Originaleindruck des Fahrzeugs nicht beeinträchtigt werden.

Hätte der 1993er Range Rover trotz der Veränderungen eine Chance aufs H-Kennzeichen?

Die Richtlinie erläutert recht genau, was das im Einzelnen heißt. Die Erfahrung von AUTO BILD zeigt, dass Prüfingenieure die Regeln teils sehr streng, teils sehr großzügig auslegen (und sich teils gar nicht daran halten).
Sehen wir uns die Details des Range Rover Classic im Stil des SV Ultra mal an und erörtern, welche mit einem H-Kennzeichen vereinbar wären und welche nicht:
  • Lack in "Titan Silver": Den gab es 1993 nicht, aber den Fotos nach zu urteilen ist er wahrscheinlich nicht so auffällig andersartig als das originale Silber, dass ein H-Kennzeichen daran scheitern sollte.
  • Fehlende Stoßleisten an den Seiten: Es daran scheitern zu lassen, wäre sehr streng. Aber streng genommen entfernen sie das Auto sichtbar vom damaligen Serienzustand.
  • Moderne "Range Rover"-Schriftzüge vorn und hinten: dito.
  • Zweifarbige Alu-Räder: Ach, da sind Prüfer deutlich Schlimmeres gewohnt.
  • Weiße Blinkergläser: auffällig anders. Wenn baugleiche Gläser innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Erstzulassung erhältlich waren, dann ließe sich die Umrüstung wahrscheinlich als zeitgenössisch belegen.
Originaler Range Rover 3.9i im Gelände schräg von vorn
Zum Vergleich: originaler Range Rover 3.9i mit orangefarbenen Blinkergläsern. Hier demonstriert er die große Achsverschränkung – Vorteil: auch in heftigem Gelände Traktion an allen vier Rädern.
Bild: Alfred Harder / AUTO BILD
  • LED-Scheinwerfer: Ja, daran dürfte es scheitern. So etwas gab es weder 1993 ab Werk noch in den ersten zehn Jahren danach als Umrüstung. Die Lösung wäre einfach: zurückrüsten auf originale Halogenscheinwerfer.
  • Neu bezogenes Armaturenbrett: grenzwertig. Ein Kunde von 1993 hätte es ganz ähnlich beziehen lassen können – das spricht für ein H-Kennzeichen, garantiert es aber nicht. Besser wäre eine belegbar ähnliche Umrüstung aus der Zeit. Gut: Die Form ist die gleiche geblieben, die Instrumente sind zeitgenössisch, das Radio ließe sich leicht austauschen.
Originaler Range Rover 3.9i, Cockpit
Unser AUTO BILD-Dia vom Januar 1989 zeigt das originale Cockpit, hier noch ohne Lenkradtasten und mit Instrumenten, die später abgelöst wurden.
Bild: Alfred Harder / AUTO BILD
  • Innenraum und Sitze: mindestens grenzwertig. Die Sitzgestelle scheinen original zu sein, aber die Polster sind über die Maßen neuartig – halt wie beim aktuellen Range Rover SV Ultra. Hinzu kommt, dass selbst der Dachhimmel mit dem neuen weißen Material bezogen ist, die Türverriegelungsknöpfe scheinen aus silbrigem Metall zu sein, die Gurte sind hell.
Rücksitze im originalen Range Rover 3.9i
Noch ein Dia von 1989 – es zeigt plüschige Sitzbezüge und wie knapp die Kopffreiheit in diesem hohen Auto ist. Mit der niedrigen Gürtellinie sitzt man nach heutigen Maßstäben fast im Freien.
Bild: Alfred Harder / AUTO BILD
Rücksitze im Range Rover Classic Restomod
Im Restomod-Range sind wie die Vordersitze auch die Rücksitze nach modernem Vorbild bezogen. Bis hin zum Dachhimmel und den (konventionellen) Lautsprecherabdeckungen ist fast alles hell. Nicht der ideale Range Rover, um den Hund zum Waldspaziergang mitzunehmen.
Bild: Jaguar Land Rover
Die Richtlinie schreibt vor, dass "das Erscheinungsbild des Fahrzeugs dem bei der Auslieferung des Werks oder der dokumentierten Modifikation in der anfänglichen Betriebszeit entspricht".
Also: Ein H-Kennzeichen wäre eigentlich in Reichweite – aber mit den LED-Scheinwerfern und den Sitzbezügen ist dieser Range Rover nach unserem Urteil in Summe zu viel "Pimp My Ride" für den Anspruch eines originalgetreuen Oldtimers. Und der Hersteller selbst schreibt ja sogar öffentlich, dass ein originalgetreues Erscheinungsbild eben nicht sein Anspruch war, im Gegenteil.

Range Rover Classic Restomod SV Ultra: Die wichtigsten Fragen

Range Rover Classic Restomod SV Ultra: Die wichtigsten Fragen
Was ist der Range Rover Classic im Stil des SV Ultra?
Ein 1993er Range Rover Classic, der von Range Rover Classic Works optisch an den neuen Range Rover SV Ultra angepasst wurde.
Ist das Auto ein Restomod?
Ja. Es wurde restauriert und gleichzeitig in mehreren Details modernisiert.
Welchen Motor hat der Range Rover Classic?
Einen 3,9-Liter-V8-Benziner mit Viergang-Automatik.
Warum ist das H-Kennzeichen fraglich?
Weil zahlreiche sichtbare Änderungen vom Originalzustand vorgenommen wurden. Ob sie zulässig sind, hängt von der Bewertung nach den deutschen H-Kennzeichen-Regeln ab.
Wo wird das Auto versteigert?
Bei RM Sotheby's während der Monterey Car Week 2026.
Wird der Oldtimer allein verkauft?
Nein. Er wird zusammen mit einem neuen Range Rover SV Ultra versteigert.

Technische Daten Range Rover 3.9i im Originalzustand

  • Motor V8, vorn längs, zentrale Nockenwelle, angetrieben über Steuerkette, elektrische Benzineinspritzung
  • Hubraum 3947 cm3
  • Leistung 134 kW (182 PS) bei 4750/min
  • max. Drehmoment 313 Nm bei 3500/min
  • Antrieb Vierstufenautomatik, permanenter Allradantrieb, sperrbares Mittendifferenzial, Reduktions- und Verteilergetriebe
  • Fahrwerk Kastenrahmen mit Traversen, vorn Starrachse mit Längslenkern, Schraubenfedern, Panhardstab, Stabilisator; hinten Starrachse an Längslenkern, oben liegenden Dreiecklenkern, Schraubenfedern und Stabilisator
  • Bremsen Scheibenbremsen vorn und hinten
  • Reifen 205/80 R 16
  • Länge/Breite/Höhe 4450/1815/1790 mm
  • Radstand 2540 mm
  • Leergewicht ca. 1925 kg
  • Beschleunigung 0–100 km/h 10,5 s
  • Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
  • Verbrauch ca. 15 Liter Super/100 km
  • Neupreis 79.850 Mark (1990)

Kommentar

Ich bin immer ein Freund davon, historische Originalsubstanz zu erhalten. Was einmal angegriffen oder gar vernichtet wurde, lässt sich nie wieder herstellen. Deshalb tropft Super Plus aus meinem Herzen, wenn ich sehe, wie Autobesitzer und Werkstätten erhaltenswerte Oldtimer entweder überrestaurieren oder zu fragwürdigen Fantasieautos ummodeln.
Über diesen umgemodelten Range Rover bin ich weder entrüstet, noch begeistert er mich – ich kann gut damit leben. Mehrere Faktoren helfen mir, nachsichtig zu sein:
  • Range Rover der ersten Serie (1970 bis 1996) sind nicht gerade selten. Wenn mal einer so umgestaltet wird, kann ich das verschmerzen.
  • Ich hoffe, dass Jaguar Land Rover für dieses Projekt kein taschentuchgepflegtes Ersthand-Exemplar mit komplett dokumentierter Geschichte missbraucht hat.
  • Ich habe schon deutlich geschmacklosere Restomods gesehen. Jaguar Land Rover hätte das Auto auch mit 22-Zoll-Rädern, Versenk-Türgriffen, E-Antrieb und Riesenbildschirmen verschandeln können. Bis auf die Scheinwerfer und die Sitze sieht der Wagen ganz stimmig aus, finde ich.
  • Durch die öffentlichkeitswirksame Auktion fügt dieses Exemplar der Geschichte des Range Rover Classic sogar noch eine interessante Fußnote hinzu.
Jetzt muss der Wagen nur noch die nächsten 30 Jahre gut behandelt werden – und wenn es dann noch H-Kennzeichen gibt, hat er sich das für den inzwischen historischen Umbau redlich verdient.