Test: Audi, Bitter, BMW, Chevrolet, Porsche
Kampf der Konzepte: 200-PS-Sportcoupés im Vergleich

–
Diese Autos waren unsere sportlichen Träume der 1980er-Jahre. Sie haben um die 200 PS. Aber welches Sportcoupé reißt uns vom Hocker? Ein Vergleich!
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wäre hier und heute auf dieser Landebahn ein Maserati Biturbo im Anflug gewesen, wir hätten diesen Text doch glatt mit Markus begonnen: "Mein Maserati fährt 210, schwupp, die Polizei hat's nicht gesehn. Das macht Spaß, ich geb Gas, ich geb Gas." Na, haben Sie ein Lied im Ohr? War Absicht! Hier und heute haben wir Spaß.
Wir beamen uns in eine Zeit, in der Mädels Schulterpolster und Dauerwelle trugen und Jungs Tennissocken in Bömmelchen-Slippern und obenrum Schnurri. Wir legen eine Kassette in den Walkman, mixen uns 'nen KiBa (Kirsche mit Banane) und träumen uns vor die Disco. Da parken sie, unsere automobilen Begierden der 80er. Der fette BMW 635 CSi, der seltene Bitter SC auf Opel-Senator-Basis, der kantige Audi Urquattro mit seinen dicken Backen, der lässige Porsche 911 und, als Stargast aus den USA, die flunderflache Chevrolet Corvette. In Wirklichkeit standen vor der Disse natürlich gebrauchte Käfer, C-Kadett und Escort mit Hundeknochen-Grill, aber das ist jetzt egal. Denn 40 Jahre später werden Träume wahr: Der Kampf der Konzepte ist eröffnet!
Audi Urquattro: Klassiker aus Ingolstadt
Starten wir mit einem kleinen Vorsprung durch Technik. Audi stellt mit dem Urquattro den einzigen Allradler in diesem Vergleich. Als die Ingolstädter im März 1980 auf dem Genfer Salon ihr Sportcoupé mit permanentem Allradantrieb vorstellten, da waren die Reporter-Altväter schier aus dem Häuschen. Heute wissen wir: völlig zu Recht! Der quattro war zwar nicht die Neuerfindung des Autos, aber er war dicht dran, marschierte durch Schnee wie eine Bergziege und fuhr über nasse Pisten wie auf Schienen, war in jeder Sekunde agil, sicher und beherrschbar. Der spätere Legendenstatus hatte natürlich auch mit Walter Röhrls Rallye-Erfolgen zu tun; 1984 gewann er zum dritten Mal hintereinander die "Monte", diesmal mit quattro.
Für Audi und Ferdinand Piëch, den damaligen Technik-Vorstand und späteren Kaiser im VW-Reich, war das quattro-Experiment gleichzeitig der Einstieg in die Oberklasse. Bis zum Produktionsende 1991 verkauften die Ingolstädter 11.452 Urquattro. Die fuhren nicht nur dahin, wo es wehtut, die hatten auch hörbar Spaß dabei. Stichwort Fünfzylinder!
Unser Testwagen ist von 1986, das heißt: Er hat die schwarzen Rückleuchten und das Digi-Cockpit mit grünen Anzeigen, und als besonderer Clou warnt Patrizia Lipp: "Bitte tanken" oder "Bitte Licht ausschalten" oder "Bitte Sicherheitsgurt anlegen". Die Stimme des Bayerischen Rundfunks ist auch die Stimme des Audi-Urquattro-Sprachcomputers.

Wenn er wie dieser hier dicke Backen hat, ist es ein Urquattro. Audi hat mit dem 4,40-Meter-Coupé eine Legende geschaffen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Aber das wollten wir gar nicht sagen, sondern das hier: Unser 86er Urquattro hat den Zehnventiler mit 2,1 Litern. Ein Turbo alter Schule, der Drehzahlen will. Wenn du ihn im fünften Gang mit 120 fährst, ist sogar ein einstelliger Verbrauch drin. Aber das ist nicht artgerecht. Quattro will Power, dann wird er zur Suzi, dann brüllen dich bei über 2500 Touren fünf Zylinder an und geben ein Rockkonzert mitten auf der Straße. Dann geht die Party los, als gäbe es kein Morgen. Bis 222 km/h geht das so, dann ist Schluss. Aber nicht mit lustig: Dieser quattro ist mit gemessenen 1370 Kilogramm der leichteste aller Viersitzer (der 2+2-Sitzer Porsche 911 wiegt 1260 kg), entsprechend agil und leichtfüßig fährt sich das Urviech.
Bitter SC: der verkleidete Opel
Wie, Sie stehen gar nicht so auf "Bruder Leichtfuß", weil Sie eher Typ "Tom Cruiser" sind, und Ihnen geht ohnehin nix über Hubraum? Bitte, ähm, Bitter.
Erich Bitter (1933 bis 2023) war Auto-Designer, Auto-Rennfahrer und Auto-Hersteller. Sein Typ SC hat ganz viel Opel, bis auf das Design, das hat ganz viel Bella Italia. Basis ist ein weiterentwickelter Rekord E, die Motoren des Bitter liefen auch in Senator und Monza der 80er-Jahre. Unser Testwagen hat nicht den schnöden Dreiliter-Reihensechser mit 180 PS, sondern den 3.9er mit langhubiger Kurbelwelle und 210 PS (hier 200 wegen Kat). Motoren-Spezi und Opel-Tuner Dieter Mantzel implantierte dem Bitter SC den berühmten Reihensechszylinder Mantzel M4000, bei dessen Sound die Opel-Gang auch heute noch Gänsehaut kriegt. Wir könnten jetzt reimen: Jeder Popel fährt 'nen Opel? Bist du fitter, fährst du Bitter. Aber das würde nur die Tatsachen beschönigen.

Erich Bitter baute seine Autos auf Opel-Basis und mit Opel-Technik, ließ sie aber italienisch aussehen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Denn erstens ist der Bitter SC mit 4,91 Metern das längste Auto in diesem Vergleich und zweitens mit 1560 Kilogramm Lebendgewicht auch das schwerste. Können wir uns darauf einigen, dass Bitter den "Kampf der Konzepte" mit möglichst viel Platz und Luxus angeht? Weil das Auge mitfährt, geht er als italienischer Gran Turismo durch. Seine Karosserie stammt aus Italien, die ersten 79 von insgesamt 461 Exemplaren wurden eher luschig zusammengeschustert, danach übernahm Steyr-Puch die Endmontage, ab da wurde die Qualität besser, ab da ist der Bitter ein Opel in edel.
Mit 2,69 Metern hat der Bitter den größten Radstand
Und das sieht in unserem Testwagen so aus: Das Opel-Armaturenbrett haben sie mit Leder bespannt, die Kanten doppelt genäht, auch die Sitze haben sie mit Leder bezogen, an den Türtafeln ist es sogar kunstvoll in Falten gerafft. Während sich die Passagiere auf den hinteren Plätzen in Audi und BMW am liebsten die Beine abschrauben würden und in Chevy und Porsche gar nicht erst einsteigen, haben sie, wenn sie erst mal drin sind, im Bitter am meisten Platz. Mit 2,69 Metern hat er den größten Radstand, ist nach Messwerten und Gefühl am luftigsten im Fond, mit 540 Litern hat er noch mehr Kofferraum als der BMW. Braucht er auch: als Reise-GT für vier Toms, die ganz entspannt in den Urlaub cruisen.
BMW 635 CSi: bayerisches Urgestein
Wenn wir schon beim "Cruisen" sind, dann Sie mal hier: BMW 635 CSi, Dreiliter-Reihensechser, Hinterradantrieb. Klingt nach Freude am Fahren. Ist aber ganz nah dran am Cruiser-Thema unseres Edel-Opel von Bitter. Oder anders: Überlegen Sie mal, wer so einen 6er fuhr! Der "Bulle von Tölz"! Ottfried Fischer hätte niemals die nächste Kurve so geschnippelt, als wär's die letzte.

Vorn Frontspoiler, hinten Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel und Doppelrohr fast in der Mitte. Mit diesem Outfit war der 6er lange Zeit King of Kotelett.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Also drehen wir im 635 CSi ganz entspannt unsere Bahnen. Und müssen feststellen: mit 4,76 Meter 15 Zentimeter kürzer als der Bitter SC, aber innen fast genauso viel Platz für vier plus Gepäck, dazu mit 1430 Kilogramm noch 160 kg leichter, also einen ganzen "Bullen von Tölz". Wir wollen Sie nicht mit BMW-Begeisterung nerven, deshalb sagen wir: Es war nicht alles gut. Unser Testwagen von Juni 1982 hat das, was BMW als "Automatic mit drei Wählbereichen" für 1430 Mark zusätzlich anbot: die müde Dreistufenautomatik. Vier Fahrstufen gab es erst ab August 1982. Es ist ja, wie's ist, und so tut es der 6er wie der Bitter, nur eben viel geschliffener.
Automatik mit dem Charakter von Professor Hastig aus der Sesamstraße
Der "Bayern-Express" der Baureihe E24 kam 1978 und somit zwei Jahre nach den Basismodellen 630 CS und 633 CSi. Zu erkennen ist der 3,5 Liter große Einspritzer an Front- und Heckspoiler, was in Verbindung mit dem fast mittig angeordneten Doppelrohr-Auspuff schon im Stand ziemlich verwegen aussieht. Die Fahrleistungen des 635 CSi würden für sich sprechen, hätte er nicht diese Automatik mit dem Charakter von Professor Hastig aus der Sesamstraße: statt 7,6 Sekunden nur 9,1 bis Tempo 100.
Sehen wir den Gran Turismo lieber so, wie er es verdient hat: als luxuriöses Reiseauto mit dem Technik-Know-how der frühen 80er. Da wäre das Mäusekino zwischen Tacho und Drehzahlmesser: Leuchtdioden von Grün bis Rot zeigen an, wann die Inspektion fällig wird. Und unterscheiden zwischen zurückhaltendem und intensivem Einsatz. "Ein neuer Schritt, über kontrolliertes Fahren die Service-Intervalle selbst zu bestimmen", sagt BMW. Unser Testwagen hat den serienmäßigen Bordcomputer des 635 CSi mit zehn Funktionen der Fahrdaten-Ermittlung von Verbrauch bis Reichweite. Und weil unser 6er-Eigner ein pfiffiges Kerlchen ist, hat sein Wagen all den Luxus, der ihm bei der Neuwagen-Bestellung verwehrt blieb.
Zum Beispiel Soundsystem an die hinteren Kopfstützen angedockt, in Reihe eins elektrisch verstellbare Recaros mit Bedientasten rechts und links der Sitzflächen. Die Alpina-Konsole mit den Zusatzinstrumenten für Batteriespannung, Öldruck, Kühlwasser-und Getriebeöl-Temperatur kriegt man eigentlich gar nicht für dieses Auto, vermittelt aber so wunderbar den Zeitgeist der 80er wie der gesamte CSi: ein Coupé der Vollfettstufe für alle, denen ein Elfer zu eng und ein Mercedes SEC zu spießig war. Der Erfolg gab BMW recht. Von 1978 bis 1989 haben sie 45.215 CSi verkauft, vom 6er der Baureihe E24 insgesamt 86.216.
Chevrolet Corvette C3: stattliches Coupé aus den Staaten
Sie sagen: Das ist mir jetzt zu viel, ich mag's exklusiver? Dann sollten Sie sich mal dieses Auto hier anschauen: Chevrolet Corvette C3, Sondermodell "Collector Edition". Wir schreiben das Jahr 1982, Chevy baut seit 14 Jahren die C3-Corvette, da hauen sie zum Abschied noch mal einen raus. Es entstehen 6759 Modelle mit gläsernem Targadach inklusive zweier herausnehmbarer Hälften, die werkseitig montierte Glaskuppel haben sie zu einer echten Heckklappe modifiziert, die nach oben schwenkt.
Besser als Hubraum ist nur noch mehr Hubraum
Also letzte Ausbaustufe vor der C4, die im Jahr darauf auf den Markt kam. Und deren Technik unser Testwagen schon vorwegnimmt. Der 5,7 Liter große V8-Einspritzer samt Vierstufenautomatik ist bereits der Antriebsstrang der C4-Corvette. Und wer jemals in einer C3 saß und sie pilotieren durfte, der weiß: Eine Corvette dieser Jahre lässt sich erstaunlich präzise bewegen, ihre Servolenkung ist gut abgestimmt, das Fahrwerk bleibt, wenn man es nicht übertreibt, gutmütig und beherrschbar.

Corvette C3 mit Klappscheinwerfern und Doppellicht. Von 1968 bis 1982 hat Chevrolet seinen Sportwagen so gebaut, eine ganz schön lange Zeit. Das Sondermodell Collector Edition war 1982 der krönende Abschluss.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und dass besser als Hubraum nur noch mehr Hubraum ist, das beweist die Corvette eindrucksvoll. Schon im Drehzahlkeller legt sie kräftig los, holt aus dem 5.7er-V8 zwar "nur" 200 PS, aber wenn 386 Newtonmeter bei 2800/min anliegen, die Vette also loslegt, als würde es um die Wette gehen, dann spürst du dieses Magengrummeln, das süchtig macht. Ach ja, falls Greta mitliest: Dank Overdrive sind mit dem 5.7er-V8 elf bis zwölf Liter Super im Schnitt drin.
Porsche 911: Dauerbrenner aus Zuffenhausen
Vom Ami-Sportler zum German Dream Car. Obwohl: Der hier war in seinem früheren Leben auch ein Ami, wir sehen es an den herumgezogenen Blinkern, dem Meilentacho (bis 160) mit kleinen Zahlen für the German Autobahn (bis 260 km/h). So schnell fährt er natürlich nicht, denn den Elfer haben sie kastriert. Statt der üblichen 204 PS leistet der Dreiliter-Sechszylinder-Boxer im Testwagen "nur" 180. Das liegt an einer 3-Wege-Abgasregelung per Lambdasonde und Kat für die damals schon strengen Umweltvorschriften in Nordamerika. Und so beschreiben wir unser German Dream Car lieber aus der Erinnerung an das wahrhaftige Idol eines reduzierten und reinrassigen Sportwagens. Das G-Modell.

So ein Porsche 911 SC kostete 1982 in Deutschland 53.600 Mark. Das war aber nur die halbe Wahrheit. Metallic-Lack kostete 1190 Mark, elektrisches Schiebedach 1825 und größere Fuchs-Räder mit 205/55 R16 vorn und 225/50 R16 hinten 2690 Mark.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Porsche baute diese Serie des 911 von 1973 bis 1989, also von Willy Brandt über Helmut Schmidt bis Helmut Kohl. Und Porsche hat ihn mit den Jahren immer weiter verfeinert, 1974 einen 260-PS-Turbo angeboten, der alle anderen in Grund und Boden fuhr, 1976 die Karosserien feuerverzinkt und somit den Rost besiegt, 1981 und 16 Jahre nach dem letzten offenen 356 wieder ein Cabrio vorgestellt. Unser Testwagen ist von 1982, und es ist ein SC, was für "Super" und "Carrera" steht. Wobei 180 PS in unserem "Alle um die 200 PS"-Vergleich gar nicht so super sind.
Was bleibt hängen beim Elfer mit dem G? Es ist die Leichtigkeit des Seins. Mit gemessenen 1260 Kilo ist die Schwaben-Ikone das Leichtgewicht im Vergleich, mit 4,29 Metern ist er der kürzeste Vertreter der Spaßfraktion, und natürlich ist es auch ein Spaß, sich auf den beiden hinteren Plätzen chauffieren zu lassen. Aber nur für Dackel oder Sporttaschen, was anderes willst du da nicht platzieren.
Im 911er willst du nur vorne links sitzen
Du willst ohnehin vorne links sitzen, das Dreispeichen-Lenkrad in den Händen halten, auf den riesigen Drehzahlmesser in der Mitte blicken, du willst den Hebel der leicht hakeligen Fünfgang-Schaltung durch die Gassen führen, du willst den Motor im Heck brabbeln und heiser krakeelen hören. Dann fühlst du dich, als hätten sie das Auto um dich herum gebaut, so eng verbunden bist du mit diesem Turnschuh. Schade eigentlich, dass sie dem Motor nicht mehr Leistung gegönnt haben, das Fahrwerk könnte es vertragen.
Am Ende des Tages wachst du auf aus deinem Traum, nimmst die Kopfhörer deines Walkmans runter, reibst dir die Augen und fragst dich, was du damals gekauft hättest. Also, wenn du dir mehr hättest leisten können als Käfer, C-Kadett und Hundeknochen-Escort vor der Disco. Fetter BMW 635 CSi, seltener Bitter SC, kantiger Audi Urquattro, lässiger Porsche 911, flunderflache Vette? Welchen nehmen? Keine Ahnung, ich (52) fuhr damals BMX-Rad. Aber jetzt waren die Achtziger wieder da. Und wie. Vielleicht sollten wir erst mal KiBa trinken und alle etwas runterfahren.
Fazit
Das Herz sagt Audi – und der Verstand auch. Verzeihen Sie mir diese Liebe zu vier Ringen und fünf Zylindern, mein Urteil ist zu großen Teilen subjektiv. Den BMW hätte ich mir mit Schaltung gewünscht, den Elfer mit mehr Power. Ihren ganz eigenen Charme haben Corvette und Bitter. Alles feine Autos. Aber Andi will Audi.
Service-Links











































