Der MAG Magnum ist die Blaue Mauritius unter den VW Corrado: ein Umbau zum Kombi oder Shooting Brake, von dem nur zwei Exemplare hergestellt wurden. Eins davon ist aktuell in den USA – das andere war auch mal dort, schlummert inzwischen aber bei seinem diskreten Besitzer in Deutschland.
Der MAG Magnum entstand von 1989 bis 1990 aus dem VW Corrado.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Weder hinten noch vorn ein VW-Zeichen, sondern ein M-Logo – wie Magnum oder wie MAG, Marold Automobil- und Anlagentechnik GmbH. G60 steht für den VW-Motor mit 60 Millimeter großem Spirallader, genannt G-Lader.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Corrado-Kombi ist bis 12. April 2026 auf der Messe Essen
Corrado-Fans waren entsprechend aufgeregt: Denn auf der Oldtimermesse Retro Classics Essen (8. bis 12. April 2026) wurde dieses Beinahe-Einzelstück in Halle 2 öffentlich ausgestellt! (Hier geht es zu unserer Kaufberatung VW Corrado.)
AUTO BILD hat den ultraseltenen Kombi-Umbau des VW Corrado schon vorher exklusiv in einem Studio fotografiert und seine Geschichte recherchiert.
Dachreling von einem anderen Serienauto, Dachhaut vom VW Passat 32b.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Ladekante ist niedriger als beim Serien-Corrado.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Väter des Corrado-Umbaus MAG Magnum
Die Idee zum Magnum hatte Josef A. Marold, Ex-Karmann-Ingenieur und inzwischen Chef der "pgam advanced technologies AG" und "MAG Marold Automobil- und Anlagentechnik GmbH".
Mit dem Bau beauftragte er Ende der 80er-Jahre einen alten Bekannten: Chris Hahn, Chef der SGS Styling Garage, einst in Schenefeld.
Die geteilten Heckleuchten des MAG Magnum stammen vom Audi 80, Baureihe B3.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
So wurde aus dem VW Corrado der MAG Magnum
Marold fräste mit CAD-Technik die Holzformen für die C-Säulen aus, und Hahns Karosseriebauer dengelten darauf das Blech in Form. Die Dachhaut stammt vom VW Passat, die Heckklappenscharniere vom Polo, die Heckleuchten vom Audi 80 B3. "Wir haben immer aus der Kiste gegriffen", plaudert Chris Hahn und grinst.
Die ersten Designskizzen waren noch grob, gaben aber die Richtung vor.
Bild: MAG
Studenten der Fachschule Technik in Hamburg 1989 mit 1:5-Modell des MAG Magnum.
Bild: MAG
Von den verstärkten B-Säulen bis zu den steilen C-Säulen ist die Karosserie neu. Das Ergebnis ist kein reines Show-Auto, sondern ein praxistauglicher Sportkombi mit niedriger Ladekante und geteilt klappbaren Rücksitzlehnen. (Hier geht es zu unserem Vergleichstest zwischen VW Scirocco I, Scirocco II und Corrado.)
Die Fachschule Technik brachte diese 1:1-Zeichnung an die Wand.
Bild: MAG
Der Prototyp (auf 7½ Zoll breiten Borbet-Rädern) wurde auf einer 100.000 Mark teuren Messbank vermessen.
Bild: MAG
Das erste umgebaute Exemplar hatte anfangs noch schmalere B-Säulen.
Bild: MAG
Die Außenstelle des TÜV Nord in Lüneburg prüfte 1990 die Konstruktion anhand des Prototyps. Die etwas verringerte Verwindungssteifigkeit bezeichnete der TÜV als "unbedenklich" und schrieb am 12. März in seinen Abschlussbericht: "Vergleichende Fahrversuche mit je einem Fahrzeug als Sport-Kombi und in Serienausführung wurden auf Schlechtwegstrecken und auf dem BAB durchgeführt. Dabei konnten beim Sport-Kombi keine negativen Eigenschaften festgestellt werden."
Für Chris Hahn war dieses Gutachten "der Ritterschlag!"
Auch das Cockpit entspricht dem Serien-Corrado.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein VW Corrado mit 490 Liter Laderaum
Bei der Präsentation des MAG Magnum auf einer Messe gab Chris Hahn den cw-Wert mit 0,308 an und versprach 490 Liter maximalen Stauraum. "Geplant ist eine Sonderserie von 100 Sportkombi", schrieb Chris Hahn.
Großer, variabler Kofferraum dank Verbundlenkerachse. Sogar die geteilt umklappbaren Rücksitzlehnen wurde erhalten. Verbandkasten und Warndreieck sind wie beim Serien-Corrado in der Mitte der Rücksitzlehne.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Warum die geplanten 100 Corrado-Kombis nicht gebaut wurden
So weit kam es nicht. In einer Zeit, in der Ford Escort Turnier zum gleichen Preis anbot wie die fünftürige Limousine, gab es kaum Kunden, die den Gegenwert eines Escort Turnier hinblättern wollten, um einen praktischeren und exklusiveren VW zu haben.
Zweitürige Sportkombis (Shooting Brakes) waren schon in den 1960er-Jahren nicht die großen Renner, in den 90er-Jahren fragte kaum noch jemand danach. Und wenn, dann sollte schon das Basisfahrzeug mehr Prestige bieten als ein VW.
Mit dem steilen Heck und der Scheibe bis hinab zu den Audi-Leuchten sieht der MAG Magnum völlig anders aus als das Basis-Coupé, der VW Corrado (oben).
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die B-Säule ist beim MAG Magnum deutlich breiter als beim VW Corrado, die C-Säule schmaler, der Aufschwung der Gürtellinie flacher.
Der G-Lader sitzt auf der Beifahrerseite vorn in der Ecke. Am Motor hat die Firma MAG nichts verändert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Motor Vierzylinder (PG), vorn quer, mechanischer Spirallader, Ladeluftkühler, eine oben liegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung (Digifant)
Hubraum 1781 cm3, Bohrung x Hub 81 x 86,4 mm
Leistung 118 kW (160 PS) bei 5600/min
max. Drehmoment 225 Nm bei 3800/min
Höchstgeschwindigkeit k. A.
Antrieb Fünfgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
Reifen 205/45 R 16 83 V
Testwagenbereifung Uniroyal Rain Sport 3
Verbrauch k. A.
Tankinhalt 55 Liter
Leergewicht/Zuladung 1155 (AUTO BILD-Messwert)/350 kg
AUTO BILD hat das Exemplar auf diesen Fotos auch innen ausgemessen – hier die Ergebnisse.
Bild: Natalia Parutkina / AUTO BILD
Länge/Breite/Höhe 4050/1675/1320 mm
Spurweite v./h. 1435/1448 mm
Innenbreite v./h. 1405/1330 mm (AUTO BILD-Messwerte)
Neupreis 42.500 Mark (Basisfahrzeug) plus ca. 22.000 Mark für den Umbau