Alfa Romeo 2600 Sprint
Alfa Romeo und Julia

Udo Klein schenkte seiner Angebeteten einst keine Rosen, sondern Radmuttern. Denn Sabine fuhr damals einen US-GTV mit Einspritzung, der nicht immer ansprang. Heute führen die beiden eine Spezialwerkstatt für Alfa Romeo-Klassiker.
- Christian Steiger
"Tja, was ist Alfa?" Schwere Frage. Udo Klein bläst den Zigarettenrauch in die eiskalte Werkstatt. "Eine spannende Marke zwischen Kult und Katastrophe." Und dann erzählt er von zwei Schlüsselerlebnissen seiner Lehr- und Gesellenzeit bei einem pfälzischen Alfa-Händler. Udo war 14, ein Kunde kam in den Laden und hielt das herausgerostete Türblatt seines Alfasud in der Hand. "Der hatte nur etwas fester als sonst am Türgriff gezogen." Aber da ist auch die Erinnerung an den BMW 520, der damals als Gebrauchter auf dem Hof stand. "Ich war die Zweiliter-Alfa gewöhnt, und der BMW zog keine Wurst vom Teller. Okay, dachte ich, Kerzenstecker lose oder so. Also Haube auf und nachgesehen. War aber alles okay. Der ging einfach nicht besser."
Zur Markengeschichte: 100 Jahre Alfa Romeo

Bild: Götz von Sternenfels
In einem 2000 GTV fanden Udo und Sabine zueinander

Bild: Götz von Sternenfels
Radmuttern statt Rosen
Nur lief er nicht rund, der GTV, "wie sollte er auch, war ja eine US-Version mit Einspritzung", grinst Udo. Weshalb Sabines Vater immer wieder zur nahen Alfa-Werkstatt kam. Und entnervt einen Mechaniker zu sich nach Hause bestellte, als das Coupé seiner Tochter wieder nicht anspringen wollte. Es war Udo, der half. Und beim zweiten Treffen keine Rosen mitbrachte, sondern einen Satz neuer Radmuttern, "die alten waren ja wirklich nicht mehr schön". Seinen Drehmomentschlüssel ließ er leihweise da, ein guter Grund zum Wiederkommen. Da glaubte Sabine noch an ganz besonderen Kundendienst.
Eine Giulia mit 150 PS zerschmettert das Weltbild der GTI-Szene
"Als Udo mir dann im Urlaub bis nach Tirol nachreiste, habe ich gemerkt, was wirklich los ist", sagt sie. Auch schon über 30 Jahre her. So lange, dass sie ihre gemeinsamen Alltags-Alfa nicht gezählt haben. Den Montreal, den Udo sich mit 19 als Unfallwagen kaufte. Die Giulia Super, die irgendwann 150 PS hatte und das Weltbild der lokalen Golf-GTI-Szene verwüstete. Oder den Alfa 6, den Sabine liebevoll "Herrenbeschleuniger" nannte. Zu schade für den Werkstatt-Alltag. Längst hat ihn ein Passat Variant abgelöst. Aber das verraten Udo und Sabine nur, wenn sie einer mit besonderer Hartnäckigkeit danach fragt.
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