Drei Cabriolets, drei Kapitel: Spaß-, Kuschel- und Neidfaktor. Und es ist an dieser Stelle sicher nicht zu viel ver­raten: Jedes Auto beherrscht ein Fach be­sonders gut. Der Spaßfaktor: Ein Triumph für den Tri­umph. Allein der satte Sound, der nach viel Kraft und großem Motor klingt, bringt ihn weit in Führung. Dabei rumoren nur 71 PS unter der vorderen Riesenhaube. Genug für flotte Sprints und viel Fahrspaß – zu­mindest wenn man ein Bruder Leichtfuß wie der Spitfire ist. Da hat es der Peugeot schon schwerer, sei­ne 75 Pferdchen in Wallung zu bringen. Ein Blick auf die Fahrleistungen zeigt: Gar nicht mal so übel – aber unter ordentlichem Getöse erreicht. Er ist nicht sport­lich, obwohl sein Fahrwerk hohe Sicher­heitsreserven bietet, fühlt sich aber auch nicht nach Uralt-Auto an.
Peugeot 304 S Cabrio (1970-1975) Triumph Spitfire MK IV (1970-1980) VW Käfer 1302 Cabrio (1970-1972)
Ein echtes Schlusslicht unter den drei Cabrios gibt es nicht. Jedes Auto hat seinen ureigenen Charakter.
Bild: Christian Bittmann
Der Käfer dagegen ist ein Oldtimer, der auch genau so fährt. Mit seinem 50-PS-Motor erboxt er sich hier bestenfalls den Wander-Pokal. Immerhin: Der Vierzylinder im Heck klingt nach wie vor un­verwechselbar bullig. Weniger schön: das hecklastige Fahrverhalten und die knorrige Schaltung, die sich dann und wann gegen das Einlegen des ersten Gangs wehrt. Der Kuschelfaktor: Wer ein modernes Au­to aus Frankreich fährt, fragt sich manch­mal: Woher kommt eigentlich der Ruf des unbeschreiblich guten Komforts? Ant­wort: Von Typen wie dem Peugeot 304. Sitze und Federung ergeben in ihrer Weich­heit eine komfortable Melange. Da fühlt man sich einfach wohl – auch auf langen Reisen. Kleine Einschränkung: Der Fahrer­sitz lässt sich für lange Kerls über 1,85 Me­ter nicht weit genug zurückschieben.
Echter Platzmangel regiert im Triumph. Er ist schmal wie ein eleganter Damen­handschuh. Der Fahrer sitzt eingekeilt zwi­schen linker Tür und seinem Kopiloten. Gut so. Denn die dünn gepolsterten Sitze bringen nicht genug Seitenführung mit. Es gelingt ihnen übrigens auch nicht, die harten Stöße der Federung zu absorbie­ren, das muss die verwindungsfreudige Karosserie erledigen. Der Käfer ist kein Weichei, seine Hülle überraschend fest. Die Federung reagiert auf Unebenheiten allerdings knochig, fast staksig, wenig elegant. Seine größten Pluspunkte: Er bietet Raum für vier und darüber hinaus gleich zwei Kofferräume fürs Wochenendgepäck.
Der Neidfaktor: Volle Punktzahl für den Käfer. Weil er erzsolide ist, Sympathien sammelt und Bienen anzieht wie die Kirsch­blüte im Alten Land. Leider hat sich das auch auf den Preis für makellose Cabrios ausgewirkt: Volkstümlich ist anders. Hübsche, charaktervolle Autos sind Peu­geot und Triumph auch. Nur mit der Ver­arbeitungsqualität ist es bei beiden nicht weit her. Sie sollten damals halt möglichst günstig sein – um mithalten zu können mit dem Käfer, der bis heute Jedermanns Lieb­ling ist.

Fazit

von

Andreas Borchmann
Der Sieg geht nach Frankreich. Peugeot baute in den 70er-Jahren überraschend gute Autos, der 304 S ist eines davon. Komfortabel und fahrsicher sammelt er die meisten Punkte. Der Käfer rettet sich mit seiner soliden Machart und dem guten Platzangebot auf den zweiten Rang. Wer vom Autofahren dagegen nur drei Dinge verlangt – Fun, Fun, Fun –, der kommt am Triumph nicht vorbei. Ein nettes Spielzeug für erwachsene Jungs.