Beinahe hätten sie bei Ford alles verschlafen. Den Trend zum Fronttriebler genauso wie den zum Kompaktauto. Der Escort sollte es richten, dachten sie in Dearborn. Der ist klein genug, und notfalls schneiden wir den Kofferraum ab. Zum Glück kam es anders. Ford ließ ein Design beim kurz zuvor eingekauften Ghia-Studio entwerfen. Dort hatte Tom Tjaarda das Sagen, ein Amerikaner, der aber wusste, wie die Europäer tickten. Sein erster Entwurf sah dem späteren Serien-Fiesta schon sehr ähnlich. Der Prototyp war zudem sehr deutlich vom erfolgreichen Fiat 127 inspiriert. Das Konzept verfeinerten die europäischen Ford-Ingenieure und ließen das Endprodukt von 1976 an in Valencia (Spanien) vom Band laufen. Der Motor sitzt quer unter der Haube wie bei Fiat und Audi, er ist allerdings etwas größer und kräftiger.
Ford Fiesta 1.1
Die Fahreigenschaften des Ford Fiesta sind brav, die Federungsqualitäten beachtlich.
Er lässt die beiden Konkurrenten nicht nur auf dem Papier hinter sich, gefühlt hat der Fiesta mindestens zehn PS mehr unter der Haube. Ein mager motorisiertes aktuelles Kompaktauto fühlt sich schlapper an als der Ford mit seinen 53 PS. Leider ist der Motor ein Raubein, brummt und vibriert etwas mehr als vergleichbare Vierzylinder, dreht ein wenig zäh. Und ein Gewohnheitstrinker ist er ebenfalls, sein Testverbrauch gipfelt in 9,4 Litern auf 100 Kilometer. Seine großen Stärken zeigt der Fiesta auf anderem Terrain. Das Raumangebot fällt sehr ordentlich aus, die Sitze ebenso, und das Interieur ist um einiges wohnlicher eingerichtet als bei den etwas schlichteren Konkurrenten. Hier spielt der Ford den Vorteil der späten Geburt aus.

Bissiger Biedermann: Ford Sierra RS Cosworth

Die Fahreigenschaften des Ford Fiesta lassen sich schnell umschreiben: gut, aber nicht herausragend. Die Federung geriet etwas stößig, die Lenkung geht schwerer als bei den Klassenkameraden, verhärtet sich zudem bei schnellen Richtungswechseln. Und die Bremsen? Ein ebenso trauriges Kapitel wie bei Audi 50 und Fiat 127. Wo sie dann bleibt, die Fahrfreude? Die habe, so schrieb einmal ein sehr weiser Kollege, vor allem eine Voraussetzung: Man müsse bereit sein, sie auch zu empfinden. Sie stellt sich ein, wenn du mit dem Fiesta durch die Stadt bummelst, den brummigen Vierzylinder bei Laune hältst und dich freust, dass sie es damals nicht verschlafen haben bei Ford.

Fazit

von

Heinrich Lingner
Als Alltagsauto bereitet der Ford Fiesta am meisten Freude. Er hat viel Platz, einen kräftigen Motor und sichere Fahreigenschaften. Vielleicht waren sie bei Ford ein wenig zu ernst bei der Sache, als sie den Fiesta entwarfen. Ein Schuss mehr Leichtigkeit hätte dem sehr gesetzten Wagen sicher gut getan. Doch sieben Generationen Fiesta-Käufer können kaum irren.

Von

Heinrich Lingner