Der Porsche 928 S4 ist eine Wucht. Mit seinem kräftigen Motor, dem exakten Fahrverhalten, den standfesten Bremsen und der sensiblen Lenkung ist er auch im heutigen Verkehr ein schneller, vollwertiger Sportwagen mit überragenden Langzeitqualitäten.
Bild: C. Bittmann
Heinrich Lingner
Eigentlich war der Porsche 928 ja ein großer Wurf. Sogar im Wortsinne, denn mit 4,45 Meter Länge und fast 1500 Kilo Leergewicht war er ein für Porsche-Verhältnisse großer und schwerer Brocken. Aber ein gelungener. Publikum und Fachwelt waren begeistert, und so ganz nebenbei holte sich der 928 schnell mal den Titel "Auto des Jahres 1978" ab. Doch er hatte ein Problem: er war kein 911. So musste er sich seit seinem Debüt 1977 mit allerlei Missverständnissen herumschlagen.
An den großen, breiten Rückleuchten erkennt man schon von Weitem den späten 928er vom Typ S4.
Bild: Christian Bittmann
Doch daran sind andere schuld, diejenigen etwa, die bei Porsche ernsthaft dachten, das frontmotorige Achtzylinder-Geschoss könnte den luftgekühlten 911 mittelfristig ersetzen, in erster Linie also der damalige Vorstandsvorsitzende Ernst Fuhrmann. Das glaubten viele in Zuffenhausen so lange, bis der neue amerikanischer Vorstandsvorsitzender Peter W. Schutz wieder für klaren Blick sorgte. Der 928 blieb dennoch bis 1994 im Programm, vom Hoffnungsträger zum ungeliebten Kind absteigend, doch mit treuer Fangemeinde und stetig weiterentwickelt. Ihr gebührt unser Dank, denn so können wir heute erleben, was für ein großartiges Auto der erste Achtzylinder-Porsche war. Zugegeben, er ist groß und unübersichtlich, der 928. Und wer ihn vom Autoreisezug auf die Rampe in Westerland chauffieren will, tut gut daran, die Scheinwerfer als Peilhilfen auszufahren.
Fahrwerk, Lenkung, Bremsen und Komfort sind so gut, dass der 928 noch heute so frisch und spannend wirkt wie 1990.
Bild: Christian Bittmann
Doch einmal in Fahrt, sind Größe und Gewicht vergessen. Zumal der Achtzylinder-Porsche nach heutigen Normen beinahe ein zartgliedriges Leichtgewicht ist. Dem Alu-Achtzylinder ist es egal, dank den 320 PS der Evolutionsstufe S4 hat er keinerlei Mühe mit dem 1,6 Tonnen schweren 2+2-Sitzer. Beschleunigung und Höchsttempo sind immer noch beeindruckend, ebenso die Leichtigkeit, mit der dieser flache, breite Wagen dahinprescht. Anders als im 911 hockt der 928-Lenker tief unten im Auto, nur ausgesprochene Sitzriesen können mühelos über den verstellbaren Instrumententräger nach vorn lugen. Wenn sie auch Stehzwerge sind, haben sie wiederum Mühe, die weit in einem tiefen, dunklen Tunnel versenkten Pedale zu erreichen. Alles andere geht leicht von der Hand im 928, leicht und vor allem exakt: Lenkung, Gaspedal, Bremse, Schalter. Jeder Handgriff vermittelt hohe Präzision. Wenn Schweizer Uhrmacher damals Autos gebaut hätten, es wäre wohl ein 928 S4 entstanden. Dass er in unserem Vergleichstest seinen beiden Coupé-Konkurrenten Mercedes 560 SEC und Jaguar XJ-S überall und jederzeit um die Ohren und letzlich auch den Sieg einfährt, bedarf kaum einer Erwähnung. Denn auf überragendes sportliches Talent haben sie in Zuffenhausen schon viel Wert gelegt, schließlich war er ja mal der 911-Nachfolger.