Oldtimerkauf in Schweden
Schwedenschnäppchen

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Aus Schweden kommen nicht nur preiswerte Bücherregale. Sondern auch rostarme Klassiker zu Preisen, die deutlich unter denen in Deutschland liegen. Und es gibt viel mehr als nur Volvo und Saab.
Luleå heißt das Städtchen in Nordschweden. Gute 100 Kilometer sind es von hier aus noch bis zum Polarkreis – nichts gegen die 2500 Kilometer, die Reinhard Schade schon gefahren ist. Mit einem Anhänger kommt er aus Gießen. Seit Jahren hatte er von einem rostarmen Heckflossen-Mercedes aus den 60ern geträumt. Und hier oben entdeckt er ihn: einen kerngesunden 190 Dc von 1965 – für 3000 Euro. In Deutschland, schätzt der Marketingleiter, hätte er das Doppelte bezahlen müssen. Als er die Flosse zwei Monate zuvor das erste Mal gesehen hatte, war der Dieselmotor nach kurzer Vorglühzeit sofort angesprungen. Tadellos lief das 240 D-Aggregat, das schon in den 70ern das träge Originaltriebwerk verdrängt hatte. Dennoch entschied sich Schade für einen Transport auf dem Trailer. "Bei minus 20 Grad schraube ich nicht gern am Straßenrand", sagt er.
Selbst Profi-Händler kaufen gern in Schweden ein

Schweden-Spezialität: Eine Meile ist 10,6 Kilometer lang

Doch nicht alle haben Glück. Einige Wochenenden lang reiste im vergangenen Frühjahr ein Oldtimer-Profi aus Nordrhein-Westfalen durch Schweden. Ob Renault 4CV, Ponton-Mercedes oder Ford 17 M P2, ob Volvo PV 544 oder Opel Olympia Rekord oder ein Mercedes 250 S – nichts wollte passen. "Teilweise waren die Zustände in den Anzeigen extrem beschönigt", berichtet er. "Und mancher wollte unbedingt verhindern, dass sein Wagen ins Ausland geht." Einzelne Anbieter forderten Aufpreise – als Ausgleich dafür, dass der skandinavischen Szene ein weiteres Sammlerstück abhanden kommt. Ganz schön patriotisch können sie sein, die Schweden. Dazu kommt, dass die Wege weit sind im schwedischen Königreich. Eine einzige Meile misst hier stolze 10,69 Kilometer! Von Süd nach Nord durchs Land ist es so weit wie von Hamburg nach Neapel. Mehrere Stunden Reise zwischen zwei angebotenen Autos sind normal. Das belastet die Reisekasse.
Viele Oldies warten in verschwiegenen Garagen und Scheunen
Aber gerade die Weite des Landes ließ viele Klassiker überleben. Wo Grundstücke wenig kosten, warten viele alte Autos in verschwiegenen Garagen, Scheunen und Hallen. Das Beste gibt es sowieso umsonst. Klassik-Käufer schwärmen von Einladungen zu Kaffee in Garagen, von nächtelangen Fachsimpeleien bei Selbstgebranntem, Hinweisen auf interessante Angebote zum Abschied – und von vielen Freundschaften, die so wuchsen. Dabei dreht sich die schwedische Szene keineswegs nur um Volvo oder Saab. Viele deutsche und amerikanische Modelle gibt es, auch englische. Und nicht nur die Kassengestelle mit Basisausstattung: Weil die Schweden in den 50er und 60er Jahren zu den wohlhabendsten Nationen Europas gehörten, mussten sie beim Autokauf nicht knausern. ObOpel Diplomat, Sunbeam Rapier oder Toyota Celica: Schweden bietet sie alle. Man muss nur die Geduld haben, sie zu finden.
Darauf sollten Sie beim Kauf eines Schweden-Oldies achten
Dank Internet ist das aktuelle Klassiker-Angebot heute leicht zu durchforsten (zum Beispiel blocket.se, tradera.com, annonsborsen.se, autoscout24.se). Die Faustregel: Je weiter das Auto im Norden steht, desto besser ist meist sein Blech. Dennoch sollte man auf eine gründliche Durchsicht keinesfalls verzichten. Wer unbesehen und ohne Probefahrt kauft, geht – wie überall – ein erhebliches Risiko ein, spart dafür unter Umständen aber eine doppelte Anreise. Ideal ist die Kombination aus Auto-Suche und Schweden-Urlaub. Wer seinem neu erworbenen Klassiker eine Fahrt auf eigener Achse nach Deutschland zutraut, kann zwei Wege wählen. Als korrekte Lösung gelten die schwedischen Übergangskennzeichen (rot mit weißem Text), die sogenannte "Tillfällig registrering". Sie müssen bei der zuständigen Behörde zentral beantragt werden (Info in deutscher Sprache unter vv.se), der Versand erfolgt nur an eine schwedische Postadresse. Ein Versicherungsnachweis wird ebenso gefordert wie ein maximal zwölf Monate altes Gutachten des Bilprovningen, des schwedischen TÜV.

Manches schwedische Wort beim Lesen zu verstehen, gelingt uns Deutschen noch. Sprechen wird schon schwieriger, doch Unterhaltungen können oft auf Englisch geführt werden. Hilfreich kann das Deutsch-schwedische automobiltechnische Wörterbuch sein.
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