Porsche 911 S
Der scharfe S

Keine Renntechnik, kein Turbo. Ein 911 S der ersten Generation ist das Maximum der Elfer-Idee: viel Drehzahl, wenig Reue. Das gilt selbst für den halb gezähmten Porsche 911 S 2.4 der frühen Siebziger.
Bild: Christian Bittmann
Einen winzigen Rest Bürgerlichkeit bewahrte sich der neue 911 S, obwohl er mit seinem Grundpreis von 30.680 D-Mark die Grenze des Anstands schon überschritt: 1971 reichte ihm Normalbenzin. Das Verdichtungsverhältnis lag bei 8,5:1, die fetten Zeiten waren vorbei. Der Supertyp Elfer am Ende seiner Entwicklung, so verstanden es seine erstaunten Anhänger. Was heute undenkbar scheint, wurde damals Gesetz. Die USA, ausgerechnet, diktierten der mobilen Welt eine neue Grundordnung im Umweltschutz: Autos hatten sauberer zu werden, das leistungssteigernde, giftige Bleitetraäthyl wurde verboten. Hochgejazztes Auto-Benzin mit dreistelligen Oktanzahlen sollte bald der Vergangenheit angehören.

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Im Vergleich: fünf Porsche-Klassiker

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Besonders S-quisit: das Coupé
Autos wie wilde Tiere waren die schärfsten aller Ur-Elfer. Ja, es gab sie auch als Targa-Version und sogar mit Sportomatic, der Porsche-Interpretation des halbautomatischen Saxomaten, aber wer es ernst meinte, kaufte den S als Coupé. Geschlossen und schnell, im Falle des 911 S 2.4 zarte 1075 Kilogramm leicht. Ein Auto, entwickelt von Ingenieuren für fahrkundige Überzeugungstäter mit gelochten Sportfahrer-Handschuhen, die Genuss in der Askese fanden. Der Playboy-Faktor kam erst mit späteren Typen voll zum Tragen. Glamour hielt Einzug, als der Elfer kompromissbereit wurde. Aber auch der letzte klassische S war schon anders. Gesitteter. Erwachsener. Noch teurer. Porsche zeigte auf die Zapfsäule mit Normalbenzin, wo auch Kadett B und VW 1600 tankten, und gab sich volksnah.
Der fünfte Gang kostet Extra

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Legales Rauschmittel

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Historie

Bild: Werk
Technische Daten
Porsche 911 S
Sechszylinder-Boxermotor, hinten längs • 2 Ventile pro Zylinder • oben liegende Nockenwelle, über Duplexkette angetrieben • mechanische Bosch-Einspritzung • Hubraum 2341 ccm • Leistung 140 kW (190 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 216 Nm bei 5200/min • Viergang-Schaltgetriebe, gegen Aufpreis Fünfgang-Schaltgetriebe oder Viergang-Sportomatic • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung an Federbeinen vorn, an Längslenkern hinten • Reifen/Räder 185/70 VR 15 auf 6 J x 15 • Radstand 2271 mm • Länge/Breite/Höhe 4147/1610/1320 mm • Leergewicht 1075 kg • 0–100 km/h 7,0 s • Spitze 230 km/h • Verbrauch 10 Liter Normal • Neupreis 1971: 30.680 D-Mark
Sechszylinder-Boxermotor, hinten längs • 2 Ventile pro Zylinder • oben liegende Nockenwelle, über Duplexkette angetrieben • mechanische Bosch-Einspritzung • Hubraum 2341 ccm • Leistung 140 kW (190 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 216 Nm bei 5200/min • Viergang-Schaltgetriebe, gegen Aufpreis Fünfgang-Schaltgetriebe oder Viergang-Sportomatic • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung an Federbeinen vorn, an Längslenkern hinten • Reifen/Räder 185/70 VR 15 auf 6 J x 15 • Radstand 2271 mm • Länge/Breite/Höhe 4147/1610/1320 mm • Leergewicht 1075 kg • 0–100 km/h 7,0 s • Spitze 230 km/h • Verbrauch 10 Liter Normal • Neupreis 1971: 30.680 D-Mark
Plus/Minus
Nur zum Rumstehen und Rumzeigen ist ein 911 S viel zu schade: So ein scharfer Elfer kann und will angemessen bewegt werden. Der Fahrspaß ist riesengroß, die Technik bei ordentlicher Wartung haltbar und vollgasfest und die Investition in die teure Wertanlage absolut krisensicher. Urmodelle des 911 haben in den letzten zehn Jahren enorm an Wert zugelegt, ein Ende ist nicht in Sicht. Und natürlich sind es immer starke und seltene Varianten wie der S, die vorneweg marschieren. Billiger wird er nicht mehr. Das ist gut für Verkäufer und schlecht für Käufer: Um die 40.000 Euro müssen heute für ein Note-2-Auto auf jeden Fall einkalkuliert werden, plus ein paar Tausender für Pflege und Erhalt. Ersatzteile für frühe Elfer gehen richtig ins Geld, auch wenn manches bei Porsche inzwischen wieder neu aufgelegt wird. Wer einen 911 S besitzt, sollte ihn auch benutzen – vom Rumstehen geht so eine Fahrmaschine nur kaputt und kostet dann trotzdem viel Geld.
Marktlage
Elfer der Jahrgänge 1966 bis 1973 gibt es reichlich, aber gute und vor allem echte S-Modelle sind selten. Bei 25.000 Euro starten ernst zu nehmende Angebote im Zustand 3, alles darunter muss in der Regel aufwendig und kostspielig restauriert werden. Je nach Ausstattung und je nachdem, ob Fahrgestell- und Motornummer gleich sind, variiert der Preis – meist nach oben. Porsche-Geburtsurkunden sind bares Geld wert, weil sie die Echtheit des 911 S garantieren. Jetzt und beim Wiederverkauf.
Ersatzteile
Beim Porsche 911 der ersten Generation gilt: Alles, was man sieht und hört, ist teuer. Ganz egal ob es um Ersatzteile für Blech, Antrieb, Innenraum oder Zierrat geht – was fehlt oder kaputt ist, geht ins Geld. Vor allem die rostgefährdete Karosserie kann bei Instandsetzung zu einem Schwarzen Loch werden. Wer Zeit und etwas Glück hat, kann bei der Teilesuche viel Geld sparen.
Empfehlung
Ein echter 911 S rangiert im Preis deutlich über seinen schwächeren Brüdern, deshalb muss die Authentizität unbedingt belegt sein. Also alle Unterlagen genauestens überprüfen und kontrollieren, ob in der Hülle eines S auch dessen historisch verbürgte Technik steckt. Beim Kauf einen Fachmann zu Rate ziehen. Vorsicht vor Umbauten auf frühere und/oder spätere Technik, das rechtfertigt fast immer Abschläge. Gute Wartung, vertrauenswürdige Vorbesitzer und eine belegbare Historie sind wichtiger als eine niedrige Laufleistung.
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