Ratgeber: Auto putzen und pflegen
Die sieben Todsünden der Autopflege

Ein sauberes, gepflegtes Auto ist die reine Freude – aber Vorsicht: Falsche Mittel und Methoden setzen vor allem Oldtimern und Youngtimern böse zu!
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Falsches Werkzeug, falsches Mittel, falsche Technik – dieses teuflische Trio richtet vor allem Oldtimer und Youngtimer oft schneller hin als der Zahn der Zeit. Auch wer sein Fahrzeug schonend von Hand pflegt, kann allein mit dem falschen Reinigungsmittel schwer zu behebende Schäden verursachen, die sich mitunter erst viel später zeigen.
Autopflege-Sünde Nr. 1: Oldtimer in der automatischen Waschanlage
Die Portal-Waschanlage ist bequem, klar. Aber bevor man seinen empfindlichen Originallack an der Tanke bürsten lässt, sollte man die Bürsten erst mal genau ansehen. Denn gespaltene, ungepflegte Borsten können Embleme, Zierleisten oder filigrane Anbauteile beschädigen.

Bild: Stephanie Gehrt
Für einen gepflegten Klassiker mit originalem Erstlack aus Kunstharz oder Acryl ist das natürlich wichtiger als für einen Alltags-Youngtimer, der vor wenigen Jahren neu lackiert wurde.
Für die gründliche Vorreinigung mit dem Hochdruckreiniger eignet sich am besten eine gepflegte Waschbox, in der von Hand gearbeitet werden kann. Die Vorwäsche per Hochdruckreiniger entfernt grobe Partikel. So wird der sandige Schmutz auf dem Lack nicht zu Schleifpapier.
Achtung: Das Wasser kommt mit hohem Druck aus der Düse, also genügend Abstand halten, um Schäden an Blech und Kunststoffen zu vermeiden. Kärcher empfiehlt bei einer Flachstrahldüse mindestens 15 Zentimeter Abstand. Von den Reifen sollte die Düse laut Dekra lieber 30 Zentimeter Abstand halten.
Danach wird das Auto von Hand mit Autoshampoo gewaschen ("schamponiert"). Viel sauberes, lauwarmes Wasser nach der gründlichen Vorwäsche hat noch keinem intakten Lack geschadet.
Schwämme und Lappen sollten peinlich sauber sein und im Zweifel ersetzt werden.

Schmutzige Schwämme verkratzen Lack, Chrom und schlimmstenfalls sogar Glas.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Hartnäckige Schmutzpartikel, die sich durch Handwäsche nicht lösen (z. B. Insektenreste, Teer), nur mit speziellen Autoreinigern entfernen. Alte Ablagerungen auf dem Lack lösen sich gut mit Reinigungsknete, die man am besten mit dem dazugehörigen Gleitmittel anwendet.
Der Test mit den Fingern ist einfach: Ertasten Sie Rauheit, muss weiter gereinigt werden.
Autopflege-Sünde Nr. 2: Lack in praller Sonne bearbeiten
Nicht in praller Sonne oder auf heißem Lack arbeiten – Wasserflecken, angetrocknete oder gar eingebrannte Pflegeprodukte sind die Folge.

Extra-Tipp: Bei der Lackmassage nicht ablenken lassen.
Bild: Ralf Timm / AUTO BILD
Für eine Politur oder Lackkonservierung sollte es allerdings warm sein. Wie warm, hängt stark vom Produkt ab; oft nennt die Anleitung auf der Verpackung konkrete Temperaturen. Wenn es zu kühl ist, werden viele Produkte zähflüssig und lassen sich nicht mehr optimal verarbeiten.
Autopflege-Sünde Nr. 3: Poliermaschine in Laienhand
Profis beherrschen die Poliermaschine, Laien sollten zumindest von Rotationsmaschinen die Finger lassen. Moderne Dual-Action-/Exzenter-Maschinen sind mit weniger Risiko zu bedienen, aber auch sie gehören in geübte Hände.

Schwabbelscheibe angewinkelt – da kriegt der Polierprofi Zahnschmerzen.
Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
Häufigster Fehler: Ungleichmäßiger Einsatz, zu hoher Kantendruck. Billige Baumarkt-Geräte haben oft zu wenig Leistung und bleiben schon bei geringem Druck stehen. Hier ist unser Test von acht Exzenter-Poliermaschinen, hier der AUTO BILD-Test von Lackpolituren.
Falsche Anwendung vor allem von einfachen Poliermaschinen führt zu Riefen (Hologrammen) in dem empfindlichen Oldie-Lack. Also besser von Hand polieren oder das Auto beim Profi polieren lassen.

Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
Autopflege-Sünde Nr. 4: Schwämme aus dem Haushalt
Im Supermarkt gibt es spezielle Haushaltsschwämme für empfindliche Materialien. Für die Reinigung betagten Oldtimer-Lacks sind sie dennoch nicht geeignet, denn sie können zu Kratzern führen. Mikrofaser-Tücher gelten als Allzweckwaffen, aber alte, schmutzige, billige oder hart umnähte Mikrofasertücher können ebenfalls Kratzer hinterlassen.

Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
Ideal zum Polieren sind Tücher aus häufig gewaschenem, weichem Baumwollfrottee. Wichtig ist ein gleichmäßiger Druck. Pflegeprodukte sparsam anwenden. Je weniger abrasiv sie sind, desto besser für die dünne Lackschicht.
Man beginnt mit einem sanften Produkt – und steigert sich bei Bedarf bis zum Lackreiniger bei extrem verwitterten Lacken.
Autopflege-Sünde Nr. 5: säurehaltiger Felgenreiniger
Säurehaltige Felgenreiniger sind wirkungsvoll und billig – aber nichts für wertvolle Felgen. Denn sie können empfindliche, unbeschichtete oder beschädigte Oberflächen angreifen. Werden solche Reiniger dazu am heißen Rad unter praller Sonne angewendet, steigt das Risiko deutlich.

Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
Und es kann teuer werden: Vier Alu-Räder mit ruinierter Oberfläche strahlen und neu lackieren zu lassen, kostet schnell 700 Euro oder mehr.
"Zum Thema Autopflege kursieren mitunter haarsträubende Tipps", sagt Richard Hanauer, Produktmanager beim Pflegemittelherstellers Sonax. Ein krasses Beispiel sei etwa der Rat, für die Räderreinigung Backofenspray zu verwenden. "Bitte nicht", so Hanauer, "denn das ist meist hochalkalisch und enthält ungeeignete Tenside. Die greifen Lackflächen und Markenembleme von Rädern an."
Autopflege-Sünde Nr. 6: Haushaltsreiniger einsetzen
Allzweckreiniger machen sauber, können aber dem Material schaden. Manche Universalreiniger können bei ungeeigneten Kunststoffen Spannungsrisse oder andere Schäden verursachen.

Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Nach der Reinigung ist die Zeit für Kunststoffpflege – hier ist unser Test von neun Kunststoff-Tiefenpflegern, und hier sind unsere Tipps zur Kunststoffpflege.
Für Leder und Polster nur Spezialreiniger verwenden. Tipps für die Pflege von Leder im Auto haben wir hier.
Bei Glasreinigern gibt es eine alte Kontroverse: Sollte man Reiniger mit Ammoniak verwenden, weil das gut reinigt, oder umgekehrt ohne Ammoniak, um z. B. getönte Scheiben und Fenstergummis zu schonen? Im Zweifel ist man mit ammoniakfreiem Reiniger auf der sicheren Seite.
Autopflege-Sünde Nr. 7: Inhaltsstoffe nicht beachten
Speckiges Cockpit? Wie fies. Aber besser als miese Optik durch angegriffenes Material. Das leidet, wenn es mit lösemittelhaltigen Reinigern behandelt wird – erst recht, wenn diese direkt auf die Oberfläche gegeben werden und nicht auf ein Tuch.

Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
Wichtig also bei Pflegemitteln fürs Cockpit und den Innenraum: Sie sollten als "lösemittelfrei" etikettiert sein.
Kurz gefasst: Worauf sollte ich bei der Autopflege achten?
- Lieber Handwäsche in der Waschbox als Autowaschanlage.
- Auto vorsichtig reinigen mit sauberen Schwämmen und Lappen aus dem Autozubehörhandel.
- Nur Pflegemittel einsetzen, die fürs Auto gedacht sind.
- Kniffligen Schmutz vorsichtig mit speziellen Reinigern entfernen.
- Waschen und polieren nicht in der Sonne oder auf heißem Lack.
- Lack polieren per Maschine: besser beim Profi machen lassen.
Der einfachste Tipp für Selbermacher: Jedes Mittel erst einmal an versteckter Stelle ausprobieren und die Wirkung abwarten.
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