Eine provokante Frage gleich zu Beginn: Ist der MGB überhaupt ein Sportwagen? Zwar sieht er in seiner flachen Zweisitzigkeit sportlich aus, aber er klingt nicht so! Ein MGB brummt so sportverdrossen dahin, dass er eines gleich klärt: Hoch drehen ist sein Ding nicht. Kein Problem, Brit-Car-Freunde: Nicht nur hektisch hochdrehende, heiser bellende Motoren sind wettbewerbs- und siegestauglich, wie der MGB seit 1962 durch diverse Motorsporterfolge belegt. Er bewegt sich mit seinem gusseisernen 1,8-Liter-Bauernmotor sozusagen raumgreifend vorwärts, seine Nährstoffe lagert er in Form von Drehmoment im Keller.

50 Jahre MGB – Anlass zum Feiern

Dennoch ist der B eher ein Cruiser, also Dach runter, Halstuch flattern lassen und genießen, auf der Welt zu sein. Erstaunlich ist die präzise, direkte Lenkung. Er zackt leichtfüßig um die Pylonen, kaum schlechter als der VW-Porsche 914 und klar lockerer als der Alfa. Dabei sind die Räder fühlbar straff aufgehängt, hinten an Blattfedern. Das metallischpräzise rastende Vierganggetriebe haben die Briten, wie das bei ihnen üblich war, per angepfropftem Overdrive erweitert. Im dritten und vierten Gang lässt er sich per Kippschalter einlegen, das senkt die Drehzahl, schont Geldbeutel und Nerven.

Englisches Understatement: Der MGB GT

Das Schönste kommt aber noch: die gute Stube.
Könner des Alltags
Sie sehen die volle Pracht britischer Innenarchitektur.
A bit on the conservative side.
Beim ersten Blick ins Innenleben entsteht sofort Entzücken über dieses herrliche Instrumentarium. Smiths baut einfach die schicksten Instrumente seit dem Urknall des Universums. Unser Test-MG trägt dazu Leder, jedoch kein Holz, womit das Armaturenbrett wie einst ein Blech ist. Auch schön. Das Dach funktioniert zwar ohne Zeltbauerdiplom, wie es noch der Vorgänger MGA einforderte, aber eine Druckknopflizenz wäre zu empfehlen, denn es gilt eine ganze Armada davon zu bedienen. Auf die Frage, ob das Verdeck bei Regen dicht sei, sagt der Besitzer vieldeutig: "Fast". Erstaunlich bei aller Liebe zum Detail – man schaue bloß mal diese edle Nummernschildbeleuchtung oder die feine Leseleuchte für den Beifahrer an –, dass es nicht einen einzigen Quadratzentimeter Teppich im Kofferraum gibt.
Könner des Alltags
Der Vierzylinder, der auch den Austin 1800 antrieb, hat ein phlegmatisches Wesen, besitzt aber Drehmoment und gilt als äußerst robust.
Da klötert nun alles wie in einem Suppentopf herum. Unser MGB (Baujahr 1975, von Gummiboot auf Chrom rückgebaut) hat leider nur zwei, spätere jedoch drei Scheibenwischer, das war für die Youngster damals das Killerkriterium, denn damit lag ein MGB auf Augenhöhe mit dem Jaguar E.Stilistisch ist der MG Spitze, sein Handling prima, der 93-PS-Motor robust, wenn auch nicht aufregend. In unserem Vergleichstest genügt all das für einen soliden zweiten Platz.

Fazit

Erstaunlich ist neben seinen stilistischen Qualitäten und sportlichen Talenten vor allem die Präzision und Güte, die wir einem englischen Auto kaum zutrauen wollten. Der MGB hebt beim Einsteigen sofort die Stimmung, und das ist doch das Wichtigste.