VW Golf 2 Fire and Ice: Vorbild für den VW ID.3 GTX Fire+Ice
"Fire and Ice", der Li-La-Launegolf

Bild: Theo Klein / AUTO BILD
- Lukas Hambrecht
Bevor jemand auf die Idee kommt, den Film zu streamen, und sich anschließend grämt: Nein, "Feuer, Eis und Dynamit" gehört nicht zu den 90er-Jahre-Streifen, die man unbedingt gesehen haben muss. Und selten wurde Product-Placement ungenierter betrieben als in diesem Film von Ex-Skiprofi und Designer Willy Bogner junior.
Die Kurzfassung geht ungefähr so: Millionär George täuscht seinen Selbstmord vor, um die Zerschlagung seines Firmenimperiums zu verhindern. Wer sein Vermögen einsackt, soll ein dreitägiger Wettkampf entscheiden. Mit am Start: sämtliche Gläubiger, eine schräge Guru-Sekte und Georges uneheliche Kinder.

1990 und 1991 baute VW 16.700 Golf "Fire and Ice". 10.000 Stück sollten es ursprünglich sein.
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Die vorletzte Prüfung führt die Teams eine Eispiste hinab, in präparierten VW Golf 2. Einer davon kann seine Räder verdrehen und seitwärts fahren, andere haben dafür eine Nebelkanone oder eine Harpune an Bord.
Es rumpelt, es kracht. Lawinen, Explosionen, nebenbei Werbebanner von Milka und Chiquita.
Modezar und VW-Vorstand heckten die Idee aus
Pünktlich zum Kinostart hatte VW ein Auto zum Film am Start. Gestaltet haben es die Gestalter von der Designabteilung für Colour und Trim in Zusammenarbeit mit Willy Bogner, der die Idee eines Sondermodells mit VW-Vorstand Herbert Schuster (dem Miterfinder des Golf 1 GTI) höchstpersönlich ausgeheckt hatte.

Selbst der übliche Golf-Schriftzug ist eingefärbt – das kommt bei Sondermodellen nicht oft vor.
Bild: Theo Klein / AUTO BILD
Der "Fire and Ice", das edelste aller Sondermodelle des VW Golf 2, rollte 1990, sechs Jahre nach Markteinführung des Golf 2, in die Schauräume der Händler. Er nahm damals den Look der gleichnamigen Sportswear-Linie von Bogner vorweg und sprach eine auf Sport und Lifestyle fixierte Kundschaft an.
Alles lila? Die Details des VW Golf 2 Fire and Ice
Mit dem Ausstattungscode E3J fuhr der VW Golf 2 in Dark Violet Perleffekt vor, Farbcode LC4V, speziell angemischt für den "Fire and Ice". Sein Farbspektrum reichte, je nach Lichteinfall, von Aubergine bis beinahe Schwarz.

Perleffektlack in Dunkelviolett mit changierendem Farbenspiel – faszinierend anzusehen, schwierig nachzulackieren.
Bild: Theo Klein / AUTO BILD
Zur Ausstattung gehörten auch die glanzgedrehten 15-Zoll-"Estoril"-Räder, der Doppelscheinwerfergrill mit dem schwarzen VW-Logo, Wärmeschutzverglasung in Grün, teilweise in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, Radlauf- und Kotflügelverbreiterungen in Schwarz, wie beim Golf GTI, seitliche Stoßschutzleisten, weiße Blinker vorn und dunkel getönte Rücklichter.

Glanzgedrehte 15-Zoll-Räder sind beim VW Golf "Fire and Ice" Serie. Mit seinen breiten Kunststoff-Radläufen und Schwellern sieht er angriffslustig wie ein GTI aus – auch als braver 1.8er mit 90 PS.
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Golf-Innenraum vom Textildesigner
Innen tobte sich Bogner-Designchef Gotthardin Thylmann so richtig aus. Die Stoffbahnen der Sitze in ihren strahlenden Blau- und Violetttönen fanden ihren Kontrast in der Schwärze des Cockpits. Drehzahlmesser, Sportlenkrad und Servolenkung gehörten zum Serienumfang.

Ein Traum in Lila und Blau: Neunziger wird's nicht mehr als im Golf Fire and Ice.
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Power hatte jeder Golf 2 Fire and Ice
Unter der lila Haube des "Fire and Ice" schlugen nur starke Herzen: Los ging’s mit dem 90 PS starken 1,8-Liter-Benziner, nach oben rundeten die GTI-Motoren mit 107, 129 und 160 PS das Angebot ab. Spritsparer konnten zum Turbodiesel GTD mit 80 PS greifen.

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Hohe Preise, hohe Faszination
"Wir sind überzeugt, Sie werden Feuer und Flamme sein", dichten die Werbetexter damals. Doch was brachte 16.700 Kunden dazu, einen Grundpreis zwischen 25.650 (Golf Fire and Ice, 90 PS) und 38.365 Mark (G60) für einen Kompakten im Designer-Look zu bezahlen?

Bild: Theo Klein / AUTO BILD
Fragen wir mal Christian Eckardt aus Regensburg. Er kaufte seinen "Fire and Ice" 1998 mit 18 Jahren. Er war sein erstes Auto – der 1,8-Liter-"Fire and Ice" auf diesen Fotos. Und er hat ihn heute (2025) immer noch!
"Ich fand die Farbe damals total klasse und dass er viel sportlicher aussah als ein normaler Golf", erzählt der VW-Fan. "Hinzu kam der Reiz der deutlich besseren Ausstattung." 2014, als wir das Auto mit 211.000 Kilometern fotografierten, genoss Christian Eckardts VW ein entspanntes zweites Leben als Wochenendauto: "Dass er immer noch da ist, hat sich einfach so ergeben. Dann ist Liebhaberei draus geworden. Der kommt nicht mehr weg." Tatsächlich ist er elf Jahre nach diesem Bekenntnis immer noch da, mit nur rund 2000 Kilometern mehr auf der Uhr.

Bild: Theo Klein / AUTO BILD
2025 bringt Volkswagen den ID.3 GTX als Retro-Sondermodell Fire+Ice: in den Farbtönen "Ultra Violet" und "Electric Violet Metallic" sowie mit rot eloxierter Dachrahmenleiste. Wenn man die Tür öffnet, wird das Fire-and‑Ice‑Logo auf den Boden geleuchtet. Wie beim Original ist der Innenraum zweifarbig gepolstert, die Farben heißen heute "On Fire Red" und "Keep Cool Blue". Die Sitze tragen eingestickte Logos. Bogner‑Stoffelemente und -Reißverschluss‑Designs. Die 20-Zoll-Alu-Räder heißen Locarno – wie die Schweizer Stadt, wo im September 2025 das Modell präsentiert wird. Mehr über den elektrischen Fire and Ice lesen Sie hier.

Bild: VW
Sinn der Aktion: VW möchte jüngere Kunden gewinnen, die auf die 90er stehen, und ältere Kunden, die den originalen Fire and Ice noch selbst gesehen haben – und, klar, sie mühen sich, Elektroautos emotional aufzuladen.
Andere Sondermodelle des VW Golf 2
Die Liste der besonderen Golf II ist lang. Gern erinnern wir uns an zeitgeistige Sondermodelle wie den VW Golf "Bistro", den Golf "Genesis" und den Golf "Boston". Die eine oder andere Leserin kennt vielleicht sogar noch den VW Golf "Brigitte", den es bei der gleichnamigen Zeitschrift zu gewinnen gab.
Doch längst nicht alle Golf-Sondermodelle sind gepimpte Basis-Schlurren mit ein paar Extras zum Vorzugspreis. Im Herbst seines Lebens trieb der Golf 2 die buntesten Blüten, nach denen sich Fans heute die Finger lecken. Denken wir an den Golf Limited, einen nur 71-mal (!) gebauten Understatement-Typ mit G60-Motor und 16V-Zylinderkopf, 210 PS stark und 68.500 Mark teuer. Für das Geld gab es 1989 auch einen BMW 7er mit Sechszylinder.

Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD
Kaufberatung: Worauf sollte man vorm Kauf achten?
Der "Fire and Ice" ragt aus der Masse der Golf-2-Sondermodelle heraus, da er (wie das Golf I Cabrio von Etienne Aigner) ein echtes Designerstück ist und nicht bloß ein aufgebrezeltes Grundmodell wie der "Pasadena" oder der "Manhattan". Für viele Kinder der 90er geht im VW Golf 2 Fire and Ice ein Jugendtraum in Erfüllung, auch ohne "Rhythm Is a Dancer" von Snap! Im Kassettendeck. Und jetzt, da VW mit viel Trara den ID-3 GTX als Fire+Ice-Sondermodell vorstellt, dürfte die Nachfrage nach gebognerten VW Golf mit Sicherheit anziehen.
Interessenten sollten ein Augenmerk auf eventuelle Nachlackierungen werfen, da der originale Perleffektton schwer anzumischen ist. Ansonsten gilt: Wie weit ein 90-PS-Golf seinen Besitzer mit etwas Pflege trägt, zeigt das Auto auf unseren Fotos. Der phänomenal rostresistente VW Golf 2 (intern 19 E) ist ein echter Dauerläufer.
Ersatzteilversorgung für den Fire and Ice
So gut wie alles, was nötig ist, um Motor, Getriebe und Fahrwerk des VW Golf 2 gesunden zu lassen, findet sich noch in den Regalen von Volkswagen Classic Parts und bei freien Händlern, meist zu volkstümlichen Kursen. Hier zahlt es sich aus, ein Millionen-Modell zu fahren.
Weniger entspannt ist die Lage bei Spezialteilen für den Golf Fire and Ice. Zierleisten sind inzwischen schwer zu kriegen. Auch der Streifenstoff der Sitze, die "Fire and Ice"-Logos und den pinkfarbenen Golf-Schriftzug hat VW bis jetzt noch nicht neu aufgelegt, wohl aber die Türinnenverkleidungen vorn rechts (200 Euro) und hinten links (69 Euro).

Bild: Theo Klein / AUTO BILD
Ein Satz Estoril-Räder ohne Schrammen und Klarlackunterwandungen kostet gebraucht ab etwa 700 Euro, etwa doppelt so viel wie vor zehn Jahren.
Eine detailliertere Kaufberatung für den VW Golf 2 generell haben wir hier vorbereitet.
AUTO BILD-Empfehlung: welchen Golf 2 Fire and Ice nehmen?
Ein originaler "Fire and Ice" mit belegbarer Laufleistung und verbriefter Vergangenheit ist immer einen Kauf wert. Ob es ein GTI sein muss, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Leistungsbedarfs. Rückrüstbare Modifikationen mit VW-Originalteilen wie GTI-Schaltknauf und -Auspuff an unserem Foto-1.8er stehen der Zukunft als Klassiker nicht im Weg, Angel Eyes und Lambo-Türen hingegen schon.
Technische Daten VW Golf (Typ 19e) 1.8 Fire and Ice
Motor Reihenvierzylinder, vorn quer, eine oben liegende Nockenwelle, über Zahnriemen angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung (Bosch Mono-Jetronic) ● Hubraum 1781 ccm ● Leistung 66 kW (90 PS) bei 5250/min ● max. Drehmoment 142 Nm bei 3000/min ● Antrieb Fünfgang-Schaltgetriebe (a. W. Dreistufenautomatik), Vorderradantrieb ● Fahrwerk Einzelradaufhängung, vorn an Dreiecksquerlenkern und Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse mit Längsschwingen, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer und Stabilisatoren rundum ● Reifen 185/55 R 15 V ● Radstand 2475 mm. L/B/H 3985/1665/1415 mm ● Leergewicht 935 kg ● Beschleunigung 0–100 km/h in 11,7 s ● Höchstgeschwindigkeit 175 km/h ● Verbrauch 8,4 Liter Super pro 100 km ● Neupreis 25.650 Mark (1990)
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