Das neue Porsche-Museum — 23.01.2009
Blick zurück im Stolz
Endlich! Nun hat auch Porsche ein neues Museum. Seit dem 31. Januar 2009 ist der spaktakuläre Neubau des Sportwagenbauers in Stuttgart-Zuffenhausen geöffnet. Keine Frage: Porsche-Fans werden Schlange stehen.
100 Millionen Euro kostete der Porsche unter den Museen
Es war der spannendste Moment während des Baus, als die Ingenieure den 140 Meter langen, 35.000 Tonnen schweren Quader langsam auf seine Stützen absenkten. Es klappte. Doch davor hatte die komplizierte Konstruktion den strengen Zeitplan gründlich durcheinandergewirbelt: Ein falsch bemessener Stahlträger verzögerte den Bau um ein halbes Jahr. Den Architekten des Wiener Büros Delugan Meissl kostete ihr ambitionierter Entwurf vermutlich eine Menge Nerven. Doch das Wagnis hat sich gelohnt. Für rund 100 Millionen Euro bauten sie in Zuffenhausen den Porsche unter den Museen. Kein anderes ist so speziell, kein anderes so konsequent: Es ist eine gigantische, noble Garage; eine Vitrine für die an Schätzen so reiche Firmengeschichte. Hier gibt es keinen Erlebnisklamauk. Nur Porsche in hoher Dosis.
Fast alle Exponate des Porsche-Museums sind fahrbereit
Oft sind Museen Verwahranstalten für Gestriges. Dieses nicht. Dass ein Porsche keinen Staub ansetzen darf, erfährt der Besucher bereits im Foyer: Sein Blick fällt durch breite Schaufenster in eine Werkstatt, wo Könner an Motorsport-Preziosen wie 908 oder 917 schrauben. Das ist der Kern des Konzepts. "Sie fahren beinahe alle", sagt Klaus Bischof, Chef des "Rollenden Museums", über die rund 80 gezeigten Exponate. Dass es so bleibt, ist eine große Aufgabe. Die nahe Werkstatt hilft enorm. Eine lange Rolltreppe trägt den Besucher hoch in die Ausstellung. Der erste Eindruck überwältigt: Es gibt zwar verschiedene Ebenen, aber nur einen Raum. Durch den ganzen langen "Flieger" fällt der Blick, ein dickes Plus für die Orientierung. Überraschungen gibt es dennoch genug.
Zündfunke der Porsche-Idee
So empfängt kein Ur-356 den Besucher, wie mancher vermuten dürfte. Nein, hier wartet eine nackte, aluglänzende Stromlinien-Karosserie. Sie zeigt den Typ 64, der als Berlin-Rom-Wagen bekannt wurde. Ein Versuchsträger, mit dem Ferdinand Porsche 1939 seine Volkswagen-Idee konsequent weiterdachte. Nur drei Exemplare gab es, dann kam der Krieg. Zu seinen Plänen, Mittelmotoren mit acht oder gar zehn Zylindern einzubauen, kam er nicht mehr. Leistung, Leichtbau und Aerodynamik schwebten ihm vor. Heute gilt der Typ 64 als Zündfunke der Porsche-Idee. Klar, dass hier ein Käfer nicht fehlen darf, auch der Cisitialia-Rennwagen von 1949 nicht, ein von Porsche entwickelter, allradgetriebener (!) Monoposto mit 12-Zylinder-Boxermotor. So etwas hatte nicht einmal Ferrari. Von hier aus entwickelt sich die Porsche-Story bis ins Heute. Der legendäre erste Roadster aus Gmünd, die "Nummer 1", ist dabei, ein 356 B 2000 GS Carrera GT, ein 914/8, die breite 911-Palette. Dazu Studien. Eine 917-Armada verzückt. Die vielen großen Siege bei der Targa Florio und in Le Mans feiert Porsche mit zwei Parc fermés.
An der Decke hängt ein 956
Was Porsche heißt, zeigt ein 956 besonders gut. Er hängt an der Decke. Seine Karosserie erzeugt so viel Abtrieb, dass er sogar kopfüber fahren könnte. Doch selbst er ist nach nur 20 Minuten Schrauberei startbereit: "In der Werkstatt füllen wir noch Öl ein", sagt Bischoff, "und dann läuft er." Wer als Besucher Pech hat, findet vielleicht nur einen Zettel am leeren Platz: "Bin beim Rennen." Wer Glück hat, hört noch ein leises Knistern vom letzten Einsatz. Gut so. Für den ewigen Ruhestand sind sie hier alle viel zu wild.
Das Museum im Überblick
Ab dem 31. Januar 2009 ist das neue Porsche-Museum geöffnet. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt vier Euro, Parken pauschal zwei Euro. Dienstags bis sonntags öffnet das Museum von neun bis 18 Uhr, montags bleibt es geschlossen. Das Restaurant "Christophorus" hat dienstags bis samstags zwischen 11.30 und 24 Uhr geöffnet, sonntags von 11.30 bis 14.30. Information: Telefon 0 18 05-35 69 11 (0,14 Euro aus dem deutschen Festnetz).Anzeige



