Das neue Porsche-Museum — 23.01.2009

Blick zurück im Stolz

Endlich! Nun hat auch Porsche ein neues Museum. Seit dem 31. Januar 2009 ist der spaktakuläre Neubau des Sportwagenbauers in Stuttgart-Zuffenhausen geöffnet. Keine Frage: Porsche-Fans werden Schlange stehen.

Hohes Tempo sind sie gewöhnt in Zuffenhausen. Porsche baut seit über 60 Jahren schnelle Autos. Und zuletzt haben sie keine drei Jahre gebraucht, bis sie bei Volkswagen am Ruder saßen. Nur mit dem Museum hat es etwas länger gedauert. Vielleicht, weil sie unter Porsche-Chef Wendelin Wiedeking stets nach vorn und nicht zurückschauen. Schon 2007 wollten die Stuttgarter eröffnen. Nun ist es 2009 geworden. Doch was Porsche jetzt seinen Fans zeigt, ist faszinierend: Ein gewaltiger Riegel scheint frei in der Luft zu schweben. Nur drei Stützenpaare tragen die weiße Box, die bis zu 60 Meter weit spannt. Sie ist mehr Brücke als Haus. Kein Wunder, dass Porsche-Mitarbeiter der Box schnell den Namen "Flieger" gaben.

100 Millionen Euro kostete der Porsche unter den Museen

Porsche in hoher Dosis: Walhalla für die unsterblichen Helden der Piste.

Es war der spannendste Moment während des Baus, als die Ingenieure den 140 Meter langen, 35.000 Tonnen schweren Quader langsam auf seine Stützen absenkten. Es klappte. Doch davor hatte die komplizierte Konstruktion den strengen Zeitplan gründlich durcheinandergewirbelt: Ein falsch bemessener Stahlträger verzögerte den Bau um ein halbes Jahr. Den Architekten des Wiener Büros Delugan Meissl kostete ihr ambitionierter Entwurf vermutlich eine Menge Nerven. Doch das Wagnis hat sich gelohnt. Für rund 100 Millionen Euro bauten sie in Zuffenhausen den Porsche unter den Museen. Kein anderes ist so speziell, kein anderes so konsequent: Es ist eine gigantische, noble Garage; eine Vitrine für die an Schätzen so reiche Firmengeschichte. Hier gibt es keinen Erlebnisklamauk. Nur Porsche in hoher Dosis.

Fast alle Exponate des Porsche-Museums sind fahrbereit

Urvater: Den Prototyp 365/2 baute Ferry Porsche im österreichischen Gmünd.

Oft sind Museen Verwahranstalten für Gestriges. Dieses nicht. Dass ein Porsche keinen Staub ansetzen darf, erfährt der Besucher bereits im Foyer: Sein Blick fällt durch breite Schaufenster in eine Werkstatt, wo Könner an Motorsport-Preziosen wie 908 oder 917 schrauben. Das ist der Kern des Konzepts. "Sie fahren beinahe alle", sagt Klaus Bischof, Chef des "Rollenden Museums", über die rund 80 gezeigten Exponate. Dass es so bleibt, ist eine große Aufgabe. Die nahe Werkstatt hilft enorm. Eine lange Rolltreppe trägt den Besucher hoch in die Ausstellung. Der erste Eindruck überwältigt: Es gibt zwar verschiedene Ebenen, aber nur einen Raum. Durch den ganzen langen "Flieger" fällt der Blick, ein dickes Plus für die Orientierung. Überraschungen gibt es dennoch genug.

Zündfunke der Porsche-Idee

So empfängt kein Ur-356 den Besucher, wie mancher vermuten dürfte. Nein, hier wartet eine nackte, aluglänzende Stromlinien-Karosserie. Sie zeigt den Typ 64, der als Berlin-Rom-Wagen bekannt wurde. Ein Versuchsträger, mit dem Ferdinand Porsche 1939 seine Volkswagen-Idee konsequent weiterdachte. Nur drei Exemplare gab es, dann kam der Krieg. Zu seinen Plänen, Mittelmotoren mit acht oder gar zehn Zylindern einzubauen, kam er nicht mehr. Leistung, Leichtbau und Aerodynamik schwebten ihm vor. Heute gilt der Typ 64 als Zündfunke der Porsche-Idee. Klar, dass hier ein Käfer nicht fehlen darf, auch der Cisitialia-Rennwagen von 1949 nicht, ein von Porsche entwickelter, allradgetriebener (!) Monoposto mit 12-Zylinder-Boxermotor. So etwas hatte nicht einmal Ferrari. Von hier aus entwickelt sich die Porsche-Story bis ins Heute. Der legendäre erste Roadster aus Gmünd, die "Nummer 1", ist dabei, ein 356 B 2000 GS Carrera GT, ein 914/8, die breite 911-Palette. Dazu Studien. Eine 917-Armada verzückt. Die vielen großen Siege bei der Targa Florio und in Le Mans feiert Porsche mit zwei Parc fermés.

An der Decke hängt ein 956

Überflieger: Ein Porsche 956 C Coupé hängt grotesk von der Decke. Auch er fahrbereit.

Was Porsche heißt, zeigt ein 956 besonders gut. Er hängt an der Decke. Seine Karosserie erzeugt so viel Abtrieb, dass er sogar kopfüber fahren könnte. Doch selbst er ist nach nur 20 Minuten Schrauberei startbereit: "In der Werkstatt füllen wir noch Öl ein", sagt Bischoff, "und dann läuft er." Wer als Besucher Pech hat, findet vielleicht nur einen Zettel am leeren Platz: "Bin beim Rennen." Wer Glück hat, hört noch ein leises Knistern vom letzten Einsatz. Gut so. Für den ewigen Ruhestand sind sie hier alle viel zu wild.

Das Museum im Überblick

Ab dem 31. Januar 2009 ist das neue Porsche-Museum geöffnet. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt vier Euro, Parken pauschal zwei Euro. Dienstags bis sonntags öffnet das Museum von neun bis 18 Uhr, montags bleibt es geschlossen. Das Restaurant "Christophorus" hat dienstags bis samstags zwischen 11.30 und 24 Uhr geöffnet, sonntags von 11.30 bis 14.30. Information: Telefon 0 18 05-35 69 11 (0,14 Euro aus dem deutschen Festnetz).

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Mehr zum Thema

4,0 Sterne, 2 Bewertungen

Porsche 911 von Bill Gates

Rarität unterm Hammer

Microsoft-Gründer Bill Gates kaufte sich im Jahr 1979 einen Porsche 911 Turbo mit 265 PS. Jetzt wird dieser schnelle Flitzer in Wien versteigert. Startpreis der Auktion: 15.000 Euro.

Porsche 911 von Bill Gates
4,0 Sterne, 7 Bewertungen

Porsche 918 Spyder Prototyp

Öko-Sportler geht auf Testfahrt

Porsche startet erste Testfahrten mit dem Supersportler 918 Spyder. Der rund 770 PS starke Hybrid-Renner rollt jetzt als Prototyp über den Asphalt, geplanter Markststart ist im September 2013.

Porsche 918 Prototyp
3,0 Sterne, 1 Bewertungen

Die heißesten Cabrio-Klassiker

Ab in die Sommersonne!

Leute, packt eure Sinne aus! Blinzelt in die Sonne, spürt ihre Wärme, riecht den Wind. Hört das Klacken der Schaltung, das Kratzen der Räder, den rauen Gesang der Motoren. Hier sind die heißesten Oldtimer-Cabrios des Sommers!

Sport-Cabrios
Anzeige

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Porsche 911

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Günstige Klassiker-Angebote
Anzeige