Twin-Golf

Der Golf mit zwei Motoren

— 07.09.2010

Mit 500 PS ab ins Museum

AUTO BILD-Archiv-Artikel 34/1986: Doppel-Herzrasen: Für ein Bergrennen setzte VW einem Golf zwei Polomotoren ein – mit einigem Erfolg. Trotzdem ist seine aktive Laufbahn schon nach dem ersten Einsatz beendet.

Doppelte Lautstärke, doppelte Leistung – dieser Volkswagen ist alles andere als ein Volkswagen: Im Heck, wo sonst Sprudelkisten transportiert werden, macht sich ein 1,3-Liter-Polomotor breit. Seine Leistung: 250 PS. Ein zweiter, identischer Donnerbolzen sorgt auf der Vorderachse für Dampf – macht zusammen 500 (!) PS. Ist das die neue Art, Autos kräftige Muskeln zu verpassen? Für VW war dieser mit zwei Polomotoren bestückte Golf zunächst nur der Versuch, einen amerikanischen Berg quasi im Flug zu erobern. Sein Name: Pikes Peak. 4301 Meter hoch in Colorado gelegen und alljährlich Schauplatz für das spektakulärste Bergrennen der Welt. Dort geht nicht nur manchen Fahrern in der dünnen Höhenluft die Puste aus, sondern auch den Motoren. Prompt war auch diesmal für VW nicht mehr drin als der vierte Platz.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

Es gewann ein Audi quattro Sport – mit nur einem muskulösen Treibsatz. Das Zweimotoren-Konzept des Twin-Golf hat keine Zukunft. Weder im Motorsport noch für die Serie. Das gesteht sich nun auch der VW-Konzern ein, der schon 1981 einem Jetta und etwas später auch noch einem Scirocco ein Leben mit zwei Herzen schenkte. Die Zukunft des potenten Golf sieht deshalb ähnlich aus wie die seiner Vorgänger: "Das Auto wird in Kürze im Museum landen, und da gehört es eigentlich auch hin," bekennt Klaus-Peter Rosorius, Chef von VW-Motorsport und Verantwortlicher des Projekts. Doch er meint auch: "Das Twin-Auto ist trotzdem eine faszinierende Idee. Es muss doch erlaubt sein, neue Wege zu beschreiten."

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Der Nutzen des neuen Weges: Im Falle eines Motorschadens fährt beim Twin-Golf das Ersatztriebwerk gleich im Kofferraum mit. So ist auch der Doppelmotoren-Golf, den der Hamburger Rallye-Fahrer Jochi Kleint auf den Pikes Peak lenkte, sowohl mit beiden Aggregaten gleichzeitig, als auch mit jedem einzelnen fahrbar – mal mit Front-, mal mit Heckantrieb. Der Twin-Golf ist nämlich nicht nur mit zwei separaten Getrieben, sondern auch mit allen anderen Versorgungsaggregaten (inklusive Kühler) doppelt ausgestattet. Mit der Leistung von jeweils 250 PS, die aus den Polomotoren herausgekitzelt wurden, gingen die VW-Techniker an die Belastungsgrenze des serienmäßigen GTI-Getriebes. In Zahlen bedeutet das: Die 500-PS-Rakete beschleunigt in etwa 3,4 Sekunden bis Tempo 100 und ist erst bei zirka 310 km/h am Ende ihrer Kraft. Diese Kraft hat jetzt Ruhe – im Museum.

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