Fiat Panda 4x4 Trekking

— 11.01.2013

Ein Panda für echte Männer

Der Panda 4x4 ist ein waschechter Allradler und verfängt mit dem Charme des Einfachen. In Zeiten fetter SUV ist das pure Entspannung.



Große Ideen sind immer simpel. Früher haben sie bei Fiat strikt danach gelebt, wie sonst hätten solch geniale Autos wie Fiat 500, 600 Multipla oder 850 Spider entstehen können? Oder ein Panda 4x4, ein Personen-Container mit einfachstem, aber wirksamem Vierradantrieb? Ein Offroader fürs Volk, fürs Bergvolk, um genau zu sein. Im Flachland lief das frugale Italo-Steigeisen ins Leere. Dort, wo Allradler eher dem Prestige als dem unbedingten Fortkommen dienten, wirkte Fiats tollste Kiste doch ein bisschen zu ärmlich. Aus diesem Grund trafen sich Range Rover Vogue und Fiat Panda Trekking auch nie im City-Parkhaus.

Meilenstein des Minimalismus: 30 Jahre Fiat Panda

Einfach und effektiv: Panda von Fiat plus Allradantrieb von Steyr-Puch.

Einfach und effektiv: Panda von Fiat plus Allradantrieb von Steyr-Puch.

Schon die Modell-Namen zeigten an, wo die Reise hinging. Die Großstadt war deshalb auch nie – ganz im Gegensatz zu den frontgetriebenen Normalausgaben – des Allrad-Panda Revier. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Noch immer kämpft sich der Panda 4x4 draußen ab. Wer einen sucht, muss dorthin gehen, wo es wehtut: ins Gelände, in den Wald, in die Berge. Dort ist es egal, dass der Allradantrieb nur bis Tempo 55 km/h und bei Geradeausfahrt zugeschaltet werden darf. Da macht es Sinn, dass schon ab Werk Winterreifen montiert sind. Es gibt kein Zentraldifferenzial, keine Elektronik, also kaum etwas, das kaputtgehen kann. Nur vier angetriebene Räder. Die werden durch einen kräftigen Zug am Stock zwischen der Vordersitzen aktiviert.
Edel geht anders: Späte Modelle haben fast ein richtiges Armaturenbrett, mit Panda-typischer Ablagerinne statt Handschuhfach.

Edel geht anders: Späte Modelle haben fast ein richtiges Armaturenbrett, mit Panda-typischer Ablagerinne statt Handschuhfach.

Was Postboten im verschneiten Montafon auf die Gipfel brachte, reicht fürs Mittelgebirge allemal. Den schlichten Antrieb kaufte Fiat bei Steyr-Puch in Graz zu, der lustlose und durstige Motor mit 965 ccm und 48 PS kam von Lancia. Erst 1991 gab es auch für den Panda 4x4 den von Robotern gebauten FIRE-Motor mit 1108 ccm und 50 PS. Zeitgleich hielt so etwas wie Lifestyle Einzug, der Beiname "Trekking" klang verdächtig nach Freizeitvergnügen, außerdem wurde der Innenraum wohnlicher gestaltet. 5000 Mark Aufpreis kostete der Allrad gegenüber dem konventionell angetriebenen Panda, am unprätentiösen Wesen des Panda 4x4 änderte das aber gar nichts. Klassenloser kann ein Auto mit Allradantrieb eigentlich gar nicht sein. Geringes Gewicht, kurzer Radstand, kleine Überhänge, kurze Getriebeübersetzung heißen die Vorteile des Allrad-Panda. Ach ja, fürs Wichtigtun hätten wir noch was: Wie hieß der erste italienische Pkw mit Allradantrieb? Richtig, Panda 4x4. War doch ganz simpel!

Historie

1980: Debüt des Fiat Panda (Typ 141) mit luftgekühltem Zweizylinder (650 ccm, 30 PS) und wassergekühltem ohv-Vierzylinder (847 ccm, 34 PS, und 903 ccm, 45 PS). 1982: Panda Super mit Fünfgang. 1983: Panda 4x4 mit zuschaltbarem Allrad. 1985: Ende der Panda-Lizenzfertigung bei Seat in Spanien, Debüt des Seat Marbella unter VW-Regie. 1986: Facelift mit Plastik-Kühlergrill, neuen Sitzen, Schraubenfeder-Hinterachse und ohc-FIRE-Motoren (769 ccm, 34 PS, und 999 ccm, 44 PS) sowie Vierzylinder-Diesel (1301 ccm, 37 PS). 1989: Panda 1000 CL i.e. mit Einspritzung und G-Kat. 1991: Panda 4x4 mit 1,1-Liter-FIRE-Motor (1108 ccm, 50 PS). 2003: Produktionsende nach 4.129.087 Panda und 325.271 Panda 4x4. Start des neuen Panda (Typ 169).    


Technische Daten

Reihenvierzylinder, vorn quer • zwei Ventile pro Zylinder, über oben liegende Nockenwelle und Zahnriemen betätigt • Einspritzung Bosch-Mono-Jetronic • Hubraum 1108 ccm • Leistung 37 kW (50 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment 84 Nm bei 3000/ min • Fünfganggetriebe • Vorderradantrieb, zuschaltbarer Allradantrieb mit Klauenkupplung • Einzelradaufhängung an Federbeinen vorn, Starrachse an Längsblattfedern hinten • Reifen/Räder 145 R 13 M+S auf 4,5 x 13 • Radstand 2170 mm • Länge/Breite/ Höhe 3408/1500/1485 mm • Leergewicht 821 kg • 0–100 km/h 17 s • Spitze 140 km/h • Verbrauch 8 Liter Super • Neupreis 1992: 18.100 D-Mark.

Plus/Minus

Außer Batterie, Ersatzrad und Luftfilter passte noch der drehfreudige 1,1-Liter-Einspritzer mit 50 PS unter die Panda-Haube.

Außer Batterie, Ersatzrad und Luftfilter passte noch der drehfreudige 1,1-Liter-Einspritzer mit 50 PS unter die Panda-Haube.

Im Wald und auf der Heide ist er die große Nummer: Der Panda 4x4 schlägt sich auch im Winter und in schwerem Geläuf achtbar. Außerdem ist er günstig in Anschaffung und Unterhalt, zeigt sich zuverlässig und anspruchslos, ein Verdienst der simplen und effektiven Antriebstechnik. Ist dann noch ein Doppel-Faltdach an Bord, kommt Urlaubs-Feeling auf. Aber dann ist da noch der Rost. Konventionelle Panda korrodieren fast überall, beim 4x4 droht zusätzlich Gefahr durch Aufsetzen im Gelände – eine Folge der geringen Bodenfreiheit und der oft rustikalen Gangart im Offroad-Alltag. Die Verarbeitung des Gebrauchsautos Panda war immer leger, doch spätere Modelle ab 1991/92 sind etwas komfortabler, solider und verfügen über den moderneren Motor, sind also erste Wahl.

Ersatzteile

Fast alles passt vom Frontantriebs-Panda, vielleicht hat der Fiat-Händler noch Teile, ansonsten helfen das Internet und Kontakte nach Italien weiter. Fehlt spezifischer Ersatz für Sondermodelle wie den "Sisley", sind Geduld und Spürsinn gefragt. Für Liebhaber gilt: sensible und seltene Teile jetzt zurücklegen, billiger werden sie wohl nicht mehr.

Marktlage

1000 bis 5000 Euro kostet ein Panda 4x4, fast zwangsläufig geht der Blick des Suchenden in die Schweiz und nach Italien, wo der Allrad-Panda bis 2003 verkauft wurde. In den Alpenregionen ist das Angebot deutlich größer, gepflegte Modelle sind jedoch auch dort selten geworden. Meist wurde ein Panda 4x4 zum Benutzen und Verbrauchen angeschafft. Länger suchen lohnt sich.

Empfehlung

Zwei Ansätze sind möglich. Erstens: billigen Panda 4x4 kaufen, benutzen und wegschmeißen, sobald er morsch ist. Zweitens: teuren Panda 4x4 kaufen und pflegen, bis er ein Sammlerstück ist. Denn ein Klassiker mit Zukunft ist er allemal. In beiden Fällen gilt, dass große Reparaturen oder Restaurierungen einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommen. Also unbedingt vorher entscheiden: Winter-Auto zum Schrubben oder Schätzchen zum Behalten?

Autor: Jan-Henrik Muche

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