Ford Capri RS 2600 — 13.10.2010
Bissig und böse
1969 ging die Capri-Sonne auf. Der RS 2600 wurde ein Jahr später zum Leitwolf des Rudels von Volks-Sportlern. Sein Antrieb: 150 bissige V6-PS. Oft waren bei der reinrassigen Fahrmaschine auch mehr drin.
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Heisere 150 PS steckten unter der langen Haube, angeblich. In Wahrheit streuten die Motoren nach oben, 160, 170 PS waren es eher. Dafür genehmigte sich die erste Generation mit ungeregelter Einspritzung gern 25 Liter auf 100 Kilometer und vernebelte die Umgebung mit Spritdunst. Erst nach Einführung des Regelnockens im Kugelfischer-System wurden daraus 17 Liter. Das Fahrwerk war tiefer und verhärtet, die Reifen für damalige Begriffe breit (185/70er), die Stoßstangen fehlten aus Gewichtsgründen, die Kupplung wehrte sich störrisch gegen jeden Tritt, die servofreie Lenkung gegen das Lenken, die schalenförmigen Sitze waren mit Breitcord bezogen, die Ausstattung ansonsten spartanisiert – aber auf 100 km/h ging er in acht Sekunden, Spitze 200 Sachen.
Renn-Feeling
In kleiner Auflage (etwa 50 Stück, offiziell waren für die Homologation eigentlich 1000 notwendig, soso) wurde gar eine Leichtbauversion aufgelegt mit Kunststofftüren und -hauben, Plexiglasscheiben und bar jeglicher Dämmung, aber mit Straßenzulassung. Für einen Ford war der RS mit 15.850 D-Mark frivol teuer. Heute ist er dafür die Blaue Mauritius im Capri-Stall, leider auch ziemlich rar, so rar, dass viele 08/15-Capri umgetrimmt wurden. 3532 gab es. Die meisten verglühten unter der Hitze ihrer Fahrer, die niemals einen Capri mit 50 PS akzeptiert hätten.
Historie
Obwohl der Ford Capri 1969 als neue Baureihe antrat, gab es zuvor schon den in England gebauten Ford Consul Capri (1961–64). Das war ein völlig unsportliches, aber elegantes Coupé, das vom Habitus viel besser zur mondänen Ferieninsel Capri passte. Der 69er Capri dagegen war ein Rabauke, wenn auch meist mit wenig Muckis. Er wurde parallel in Köln und Dagenham produziert, die deutschen mit heimischen V4- und V6-Motoren, die britischen mit denen der Insel. Die Serie I lief von 1969–73, dann kamen als Serie II ein mildes Facelift und Vierzylinder vom Taunus. Der geglättete Capri II lief bis März 78, Nummer III bis 1987. Die einzig wahre Sportkanone blieb aber der RS von 1970 bis 1973 – das Auto, mit dem sich Ford-Rennleiter Jochen Neerpasch ein Denkmal setzte.Technische Daten
Ford Capri RS 2600V6, vorn längs • zentrale Nockenwelle über Stirnräder, zwei Ventile pro Zylinder, mechanische Kugelfischer-Einspritzung • Hubraum 2637 ccm • Leistung 110 kW (150 PS) bei 5800/min • maximales Drehmoment 223 Nm bei 4000/min • Viergangschaltgetriebe • Hinterradantrieb • vorn Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen und Querlenkern, hinten Starrachse mit Blattfedern • Reifen 185/70 HR 13 • Radstand 2559 mm • L/B/H 4185/1646/1263 mm • Leergewicht 1020 kg (Leichtbauversion 900 kg) • 0–100 km/h in 8,0 s • Spitze 200 km/h • Verbrauch 17 l/100 km • Neupreis 1971: 15.850 D-Mark
Plus/Minus
Capri-Kenner lieben den sonoren Raspelsound aus dem V6-Weslake-Motor, die rohe Kraft, die Handlichkeit auf guter, die sportliche Bockigkeit auf schlechter Strecke. Nerven kostet die Ersatzteillage, denn anders als bei den Edelmarken werden für Ford kaum Teile nachgemacht, zudem vernichtete 1977 ein Großfeuer im Ersatzteillager die Bestände. Kaltstartprobleme sind Legende, viele Besitzer haben sich daher einen manuellen Choke gegönnt. Die Plastik-Benzinleitungen verhärten und brechen über die Jahre, diverse RS sind zu Rauch und Asche verbrutzelt. Hilfreich ist Bereitschaft zum häufigen Tanken, das Biest säuft. Rost ist ein Thema: Kofferdeckel, Windläufe, Lampenringe und der Rahmen sind gefährdet.Marktlage
Die Mehrheit der echten Capri RS litt am sportlichen Ehrgeiz ihrer Besitzer, die sie kaltverformten oder abenteuerlich verunzierten. Heute werden aber mehr und mehr RS-Typen auf den Serienstand zurückgebaut. Andererseits hat die Capri-Szene viele Profan-Capri auf RS getrimmt. Ein gutes Original sollte zwischen 17.000 und 22.000 Euro kosten.Ersatzteile
Allgemeine Capri-Teile sind leichter zu kriegen als spezifische vom RS. Die heikle Kugelfischer-Einspritzung wird beim Bosch-Dienst Koller & Schwemmer in Nürnberg gut gewartet. Schwer zu kriegen sind Auspuff und Krümmer, Motorträger, echte Minilite-Räder, vordere Kotflügel, das schüsselförmige Lenkrad der Serie I und RS-Embleme –die werden nämlich gern geklaut.Empfehlung
Frühe RS waren Säufer, wurden meist auf die neuere Einspritzung umgerüstet. Modelle der Serie II ab 1972 sind reifer, werden aber aus stilistischen Gründen (Stummelstoßstangen, dicke Rücklichter, hässliches Lenkrad und komische Farben) verschmäht. Schwer angesagt in gut betuchten Sammlerkreisen: echte Leichtbau-Capri RS mit Plastikhauben und -türen; davon wurden jedoch nur rund 50 gebaut.Kommentar verfassen
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Kommentare zum Artikel (34)
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Im Frühjahr 1978 wollte ich (damals 23) meine Opel Ascona 1.9 SR (damals 2) gegen einen Power-Capri (V6) ersetzen.
Mein Besuch beim Ford-Händler war sehr ernüchternd. Der damals so ca. 60-jährige Händler hat mich folgendermassen "beraten": "Ey Jung, ich hab da e schen Audo für Dich. Guck e mohl, däh wär doch watt" - ein mindestens vier-Jähriger 1.6-er, der weg mußte.
Er hat es nicht kapiert, was ich wollte.
Also - drei Türen weiter zum BMW-Händler und einen 323 i gekauft.
So blieb mir das Capri-Erlebnis - leider - verwehrt.
Im Übrigen liebt ein Mensch doch seinen Partner oder sein Auto doch ob seiner Eigenschaften und seiner rechtzeitigen Anwesenheit und nicht darum, weil alle Anderen Ihn toll finden.
So finde ich zB: den Fiat 130 total Kultig und mag auch den Kadett D, der Im Kultfaktor nicht mal andeutungsweise an den Golf herankommt, obwohl er in seinen Eigenschaften und seiner Coolness weit besser dasteht als Golf I oder II ... wie ich finde, die MEISTEN ANDEREN anderen allerdings nicht.
MfG
Der Scirocco hat sicher seine Fangemeinde, sei ihm und seinen Fans gegönnt, aber den größeren Kultfaktor hatte er und hat nicht, dafür bot er nicht genügend Traumraum.
und auch das nochmal:
er kam zu spät und war zu modern
und es gab nicht so einen Hammer, so ein Biest , so einen Wolf, auch wenn er selbstverständlich bei gleicher Leistung auf schneller war. Das muss er auch. (wie man am Vergleich Porsche Carrera GT und GT2RS sieht)
Der RS war nun mal zu seiner Zeit ein Hammer in seinem Lebensraum, ein Wolf im Pelz , wo es hauptsächlich Schafe im Pelz gab. Das machte jedes Schaf zum potenziellen Wolf...
dass weit mehr 4Zyl als 6Zyl Capri verkauft wurden tut dem Kultfaktor des 6ers keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das läd zu weiteren Träumen ein. - auch so kann Kult entstehen
und trotzdem, ich sag es gerne nochmal:
Der Kult für Capri und Manta hat lang nicht Alles mit deren tatsächlicher Leistungsfähigkeit zu tun. Es hatt auch immer objektiv bessere Autos als einen Käfer oder Ford Mustang gegeben. Das richtige Placemant zur richtigen Zeit verbunden mit bestimmten, gerade gewünchten Eigenschaften trifft rechtzeitig zur Übertragung von Vorstellungen und Sehnsüchten - so kann der Kult entstehen