Sportler der Achtziger: BMW 850i
— 23.01.2013Voll auf die Zwölf
Deutschland 1989: Wir sind Weltmeister! Nein, nicht im Fußball – im Automobilbau: Mit dem sportlichen Zwölfzylinder 850i gelingt BMW der Volltreffer des Jahres.
| Sportliche 80er | |||
|---|---|---|---|
| BMW M3 E30 | Ferrari F40 | Golf GTI 16V | Honda Civic CRX |
| Mercedes 190 E 2.3-16 | Peugeot 205 GTI | Porsche 959 | |
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Aber genug der Theorie, fahren wir lieber noch ein bisschen mit dem brillantroten Foto-8er, Erstzulassung 1. Januar (!) 1991. Manchen war seine Karosserie vor gut 20 Jahren ein bisschen zu fett, aber in Zeiten von Porsche Panamera & Co wirkt das Coupé mit seiner 16-Zoll-Bereifung wie ein durchtrainierter Stürmer in der Umkleidekabine von Sumo-Ringern. Dienstbar gleiten die rahmenlosen Seitenscheiben beim Zug am Türgriff ein paar Zentimeter nach unten, um nach dem Schließen mit einem satten "Klack" wieder in ihrer oberen Verankerung einzurasten. So liegen sie später optimal an, Windgeräusche nerven selbst bei hohem Tempo nicht. Wer Neuwagen mit ihren wilden silberfarbenen Plastik-Applikationen im Innenraum gewohnt ist, dem wird der 8er-Innenraum so karg vorkommen wie ein Mannschaftsraum der Verbandsliga – trotz guter Verarbeitung und Ergonomie. Nach dem Dreh am Zündschlüssel ist zunächst nur leises Anlasser-Surren zu vernehmen, während die Benzinpumpe die Einspritzanlage mit Sprit versorgt. Doch wenn das Gemisch in den zwölf Zylindern explodiert, brandet eine Geräuschkulisse auf, die Gänsehaut erregt wie Torjubel im Fußball-Stadion. Warum bloß schaffte der Obendrüber-BMW nicht den großen Durchbruch? Vielleicht weil er das richtige Auto zur falschen Zeit war. Nach dem Mauerfall wirkte er auf Otto Normalfahrer wie eine Provokation. Andererseits aber wünschte sich die vermögende Kundschaft schon von Beginn an mehr Leistung. Der große Technik-Visionär tappte in die Abseitsfalle. Das macht ihn heute nur sympathischer.
Technische Daten
BMW 850i Motor: V12, vorn längs • eine oben liegende Nockenwelle pro Zylinderbank, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, digitale Motorelektronik (Bosch Motronic DME) • Hubraum 4988 ccm • Leistung 220 kW (300 PS) bei 5200/min • max. Drehmoment 450 Nm bei 4100/min • Antrieb/Fahrwerk: Sechsgang-Schaltgetriebe (alternativ: Vierstufenautomatik; 840/850 Ci: Fünfstufenautomatik) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn Doppelgelenk-Federbeinachse mit Vorlaufversatz, hinten Integralachse mit fünf räumlich angeordneten Lenkern • Reifen 235/50 ZR 16 • Maße: Radstand 2684 mm • L/B/H 4780/ 1855/1340 mm • Leergewicht 1790 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 6,8 s (Automatik: 7,4) • Spitze (abgeregelt) 250 km/h • Verbrauch 13 l Normal bleifrei pro 100 km • Neupreis: 135.000 Mark (1990).Historie
Auf der IAA im September 1989 präsentiert BMW den 850i (E31). Sein Herzstück ist der aus dem 7er (E32) übernommene Fünfliter-V12. Im Herbst 1992 erscheint der 850 CSi mit 5576 ccm und 380 PS. Ihn gibt es nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Mit seiner serienmäßig mitlenkenden Hinterachse und seinem Sperrdifferenzial ist er mehr Sportwagen als Gran Turismo. Noch im selben Jahr wird der 850i in 850 Ci umbenannt, zu Versuchszwecken baut BMW eine 830i-Kleinstserie (V8, 2997 ccm, 218 PS). Der 840 Ci kommt im Sommer 1993 (V8, 3982 ccm, 286 PS) und bleibt bis Anfang 1996 im Programm. Der 840 Ci mit 4398 ccm folgt Anfang 1995 und bleibt bis 1999 im Angebot. Im Herbst 1994 wächst der Hubraum des 850 Ci auf 5379 ccm, die Leistung klettert auf 326 PS. Ab 1997 sind nur noch die Modelle 840 Ci und 850 Ci im Programm. Mitte 1999 läuft die Produktion nach 30.603 gebauten Achtern aus. Die Verteilung: 7803 Achtzylinder 840 Ci, 21.290 Zwölfzylinder 850i/Ci, 1510 Topmodelle 850 CSi. Ein M8-Prototyp und Cabrio-Versuchsmodelle werden ebenfalls gebaut. Alpina nennt seine 8er-Version B12, sie leistet 350 bis 430 PS.Plus/Minus
Ersatzteile
Die Lage ist noch immer entspannt. Wer direkt bei BMW einkauft, sollte sich allerdings auf deftige Preise gefasst machen – 8er fahren war und ist kein billiges Vergnügen. Einen Online-Ersatzteilekatalog gibt es auf der Homepage des E31-Clubs. Recherchieren kann man aber auch direkt unter der Adresse www.bmw-classic.de.Marktlage
Erst langer Sinkflug, dann Aufwind, jetzt stagnieren die Preise. Wer um 10.000 Euro anlegen will, sollte sich auf hohe Folgekosten einstellen. Vernünftige 840/850er kosten zwischen 15.000 und 18.000 Euro. Das Besondere ist auch hier teuer: So notieren sehr gute 850 CSi deutlich jenseits von 25.000 Euro.Empfehlung
Wer seinen 8er hegen und pflegen und nur bei schönem Wetter ausführen will, sollte sich einen Zwölfzylinder gönnen. Am günstigsten ist der 850i. Soll der 8er jedoch auch im Alltag zum Einsatz kommen, bietet sich der 840 Ci an. Er kostet weniger Unterhalt, nicht zuletzt auch wegen seines geringeren Kraftstoffverbrauchs. Die äußerst raren Alpina-Versionen sind nur ein Fall für finanziell sorgenfreie Sammler.Das könnte Sie auch interessieren
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