Krasse Retro-Umbauten

Umbau: Mercedes 300 SEL 6.3 Coupé

— 13.01.2017

Der Rolls-Royce-Mercedes-Zwilling

Rolls-Royce? Mit Mercedes-Stern? Dieses einmalige Mercedes-Coupé stammt von Pininfarina. Die Geschichte eines unfassbaren Einzelstücks sowie weitere krasse Umbauten.

Als Sonderanfertigung für einen Großunternehmer aus Holland baute Pininfarina vor über vier Jahrzehnten ein mondänes Coupé auf der Bodengruppe des Mercedes 300 SEL 6.3. Der Mann war zwar fasziniert von der zuverlässigen und komfortablen Technik der deutschen Luxuslimousine, die Linien aus der Feder von Designer Paul Bracq aber mochte er nicht. Mit seinem Auftrag an die italienische Design- und Karosseriebaufirma schrieb er ein kleines Kapitel Automobilgeschichte.

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Einmalige Seitenlinie für 400.000 Gulden

Holz und Leder: Der Innenraum stammt in Teilen aus der 300-SEL-6.3-Limousine.

So stellte Pininfarina 1970 ein mondänes Coupé auf der Plattform der deutschen Luxuslimousine fertig. Mehr als 400.000 Gulden soll der Auftrag verschlungen haben. Weil Spur und Radstand auf dem Weg von der Limousine zum Coupé unverändert blieben, ist das Auto fast fünf Meter lang – eine Unerhörtheit für damalige Coupés. A- und C-Säulen rückte Pininfarina zur Wagenmitte, Motor- und Kofferraumhaube wurden verlängert. Die abgerundeten Kanten der Bracq-Karosserie ersetzte er durch scharf gezeichnete. Das Auto fiel sieben Zentimeter flacher aus und bekam einen vom SL inspirierten Grill. Das Resultat ist ein mächtiges und auf den zweiten Blick elegantes Coupé. Eine für Pininfarinas Entwürfe typische Sicke zwischen den Radhäusern streckt und gliedert die Seitenlinie.

Coupé kam als Rolls-Royce Camargue auf den Markt

Die Linie in Serie: 1975 brachte Rolls-Royce das Coupé Camargue auf den Markt.

In der Familie des Erstbesitzers fiel der mondäne Mercedes schon nach kurzer Zeit in Ungnade. Die Frau des Besitzers, von der Größe des Autos abgestoßen, weigerte sich mitzufahren – der Anfang vom Ende. Die meisten der 65.000 Kilometer fuhr der Chauffeur der Familie. 1979 wurde das Auto verkauft und vom Zweitbesitzer nur noch etwa 6000 Kilometer gefahren. Das Auto blieb ein Einzelstück – und doch sind seine Linien heute wohlbekannt. Im Mercedes-Kleid ließ Pininfarina nämlich erstmals jene Coupé-Form auf die Straße rollen, die fünf Jahre später bei der britischen Marke Rolls-Royce unter dem Namen Camargue auftauchte.

Marktanalyse: So wertvoll sind klassische Mercedes

Eine Hommage an den Mercedes 600

Ein klassischer Grill vom W100 zwischen SLS-Leuchten. Geil oder grottig?

Ein gänzlich anderes Benz-Umbau sorgte jüngst im Netz und real in Kalifornien für Aufregung, Diskussionen und Spekulationen. Basis des S600 Royale, so der Name des dunkelblauen Luxusschlittens, ist offenbar eine 2014er Mercedes S-Klasse. Das, behauptet "Carscoops", verraten die Fahrgestellnummer und der unveränderte Innenraum. Klar scheint auch: Scheinwerfer und Heckleuchten stammen von einem SLS AMG, allerdings wurden sie hier mit dicken Chromfassungen umrahmt – eine Hommage an die legendäre Staatskarosse Mercedes 600 (W 100) aus den 1960er-Jahren. Von diesem Auto stammt wohl auch der nostalgische Kühlergrill, genau wie die fetten Chromstoßstangen und -zierleisten. Die Luftein- bzw. -auslässe an den Flanken und auf der Motorhaube erinnern dagegen eher wieder an moderne Supersportler aus dem Hause Mercedes. Und als i-Tüpfelchen obendrauf (oder vielmehr untendrunter): reichlich barocke Chromfelgen.

Retrocars: Autos, die uns fehlen

Illustration Ford Granada Ford Granada Illustration Porsche 928

Bilenkin verzaubert BMW 3er in Retro-Autos

Retro-Look pur: das Belinkin Vintage Coupé.

Nein, ein Bond würde wohl keinen Bilenkin fahren. Die Form des Coupés erinnert nicht an Aston Martin, eher an Volvo P1800. Aber was für eine liebevolle Gestaltung! Kyrill Bilenkin, Inhaber des Restaurationsbetriebs Bilenkin Classic Cars in Moskau, hat eine Karosserie im Stil der frühen 60er-Jahre geschaffen, deren Teile aus Carbon und GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) auf den Rohbau eines 3er-BMW der Baureihe E92 (2005 bis 2013) kommen.

Die Basis: Ein handelsübliches BMW-Coupé

Von der Basis ist kaum noch etwas zu erkennen, abgesehen vielleicht vom "Hofmeister-Knick" in den hinteren Seitenfenstern. Richtig dick trägt das "Vintage Coupé" dann innen auf. "Schon die Standard-Ausstattung für 130.000 Dollar kommt komplett mit allen Extras, ähnlich wie bei Lexus", sagt Roman Polosin, der bei Bilenkin das Retro-Projekt leitet. Standard-Ausstattung heißt: handgearbeitete Ledersitze, modernes Infotainment- und Audiosystem, hochwertige Materialien überall. Doch es geht noch mehr, wenn der Kunde es wünscht. Neben dem schwarzen Modell auf 330d-Basis hat Bilenkin einen 335i umgebaut und türkis-gold lackiert. "Dieses Auto wollen wir eigentlich nicht verkaufen, weil so viel Herzblut drinsteckt", sagt Polosin. "Aber wenn einer 300.000 Dollar auf den Tisch legt, reden wir mit ihm."

Innen ist alles neu

Retro auf die Spitze getrieben: Der Chic der frühen 60er-Jahre samt Kristallkugel-Schaltknauf.

Das schwarze Kunststoff-Armaturenbrett des BMW ersetzte Bilenkin durch eine Wurzelholztafel, die perlmutthinterlegte Instrumente mit golden glänzenden Zeigern einfasst. Sitze und Verkleidungen zeigen klassisches Paisley-Muster der italienischen Edelmanufaktur Etro. Besonderer Hingucker sind die geätzten und gravierten Kristallteile auf Schaltknauf und Türgriffen. Ein echter Star auf der letzten Dubai Motor Show 2015. Die Wahl der Messe zeigt, wo die Russen ihre Kundschaft sehen. Doch Projektmanager Polosin betont, dass Interesse auch aus nichtarabischen Ländern komme. Das schwarze Coupé sei verkauft, dazu kämen weitere Bestellungen. Noch keine aus Deutschland. Das könnte sich ändern – für August plant Bilenkin eine Werbetour durch Mitteleuropa.

Krasse Retro-Umbauten

Autoren: Frank Rosin, Maike Schade, Henning Hinze

Stichworte:

Retro-Cars

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