Walter Röhrl brachte es auf den Punkt: Nach den Qualitäten eines Audi-quattro-Rallyefahrzeugs gefragt, formulierte die Legende scharfzüngig, man könne auch einen dressierten Affen ans Steuer setzen – dieser würde ebenfalls siegen. Überall fuhren die Ur-quattro damals auf die Siegerpodien der großen und kleinen Rallyes. Das überlegene Plus an Traktion kompensierte die konstruktiv arg kopflastige Ausgangsbasis gekonnt und zementierte Audis Image als Hersteller dynamischer Fahrzeuge mit Allradantrieb.

Die technischen Daten des S2 sind schlicht aufregend

Audi Coupé Quattro S2
Optisch war der S2 kaum von seinen bodenständigen, schwächeren Geschwistern zu unterscheiden.
Einen würdigen Erben für Audis Image-Wunderwaffe konstruieren zu müssen, war bestimmt keine leichte Aufgabe für die Audi-Ingenieure: Windkanaloptimiert und gänzlich frei von Ornat orientierte sich das von Oktober 1988 bis November 1995 gebaute Coupé eng am bürgerlichen Audi 80 B3 und musste außerdem auf die beim Ur-quattro stilprägenden, wuchtig ausgestellten Radläufe verzichten. Der neue Sportler trug als Hommage an seine rasanten Ahnen immerhin zwei kleine silberne S2-Signets und den aus dem quattro 20V bekannten aufgeladenen Reihenfünfzylinder mit Mehrventiltechnik. Als Eintrittskarte für das sportliche Oberhaus sollte für den S2 die Kombination aus Aerodynamik, Vollverzinkung, Quattro und Turbotechnik genügen. Angebote zum Audi S2 sind eher selten, dennoch lohnt der regelmäßige Blick in Online-Börsen. Hier steht ein Audi Coupé bei Ebay.

Eher unauffällige Blechverpackung

Vielleicht verpackten die Audi-Ingenieure ihr geniales "Vorsprung durch Technik"-Feuerwerk dann doch etwas zu dezent. Optisch war der anfangs 220 und später 230 PS starke S2 für Laien kaum von seinen bodenständigen Geschwistern mit ihren empfindlich schwächeren Saugmotoren zu unterscheiden und damit zumindest visuell definitiv keine Wunderwaffe. Auch praktisch gab sich das Coupé S2 deutlich handzahmer als der kantig-charismatische Vorläufer. Den Anspruch, ein gefälliger Sportler mit der diskreten Dynamik großvolumiger GT-Sportwagen zu sein, erfüllte der S2 dafür jedoch mit geradezu verblüffender Brillanz. Doch wie fährt sich solch ein Understatement-Mobil?

Das überlegene Fahrwerk ist eine große Stärke des S2

Audi Coupé Quattro S2
Innenraum mit geerdeten Audi-80-Genen: Sportlenkrad, Carbon und helle Ziffernblätter für mehr Pep.
Der oft bemüht wirkende Dr.-Jekyll-&-Mr.-Hyde-Vergleich trifft beim S2 ausnahmsweise ins Schwarze. Im damaligen Top-Audi-Coupé lassen sich unabhängig von Wind und Wetter notfalls noch immer Zehntausende Kilometer pro Jahr mit erstaunlich hohen Geschwindigkeitsschnitten wegbolzen. Der fast 250 km/h schnelle S2 ist ein Held der linken Spur, kennt keine Angst vor engen Autobahnkurven und punktet unabhängig vom Beladungszustand mit überlegener Fahrsicherheit. Tribute an die Neuzeit waren damals seine richtungsweisende, vielleicht etwas leichtgängige Servotronic-Lenkung, eine elektronisch gesteuerte Klimaanlage und ergonomisch körpergerechte Sportsitze mit zeitgeistig schimmernden Satinbezügen.

Der Audi brilliert als Sport-Coupé mit tollem Sound

Audi Coupé Quattro S2
Schnelle Kurvenpassagen meistert der S2 dank seines permanenten Allradantriebs narrensicher.
Noch interessanter – weil spaßiger – sind jedoch kurvige Etappen mit ihm jenseits viel befahrener Hauptstraßen. Auf alpinen Pässen kann der S2, mit Verve bewegt, sein zweites Ich ausleben. Jeden Lenkeinschlag quittiert er mit nicht gerade übertriebener Spontaneität, dafür aber mit stoischer Präzision. Klar spürt man das hohe Leergewicht von gut 1,5 Tonnen, doch das drehzahlhungrige Turbo-Triebwerk wischt dieses Manko mit einem kräftigen Gasstoß vom Tisch. Das Traktionswunder tritt in jeder Lebenslage wie ein Büffel an und schiebt bollernd aus dem Drehzahlkeller. Sein heiseres Timbre ist der Zündfolge der Zylinder (1 – 2 – 4 – 5 – 3) geschuldet. Es garantiert den rotzigen, mit hoher Drehzahl kehligen Sound, der bis heute einzigartig ist.
Der standfeste Mehrventiler ist gleichzeitig das Herzstück des Autos. Er läuft in der Regel 200.000 oder sogar 300.000 Kilometer ohne Überholung und kennt wie der Rest des Autos kaum ernste Alterserscheinungen. Wenn Wasser und Öl auf Temperatur sind, nimmt er Drehzahlen über 7000 Umdrehungen hin und rennt, als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Ist er natürlich nicht. Aber vielleicht ein Rallye Fan, der echten Quattro-Sound hören will.

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