Beknackte Auto-Namen, Teil 3
Versteh einer die Amerikaner

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD; dpa/picture alliance
Die USA haben die Prosa von Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald und Toni Morrison hervorgebracht, die Songtexte von Cole Porter – und die neutrale Umschreibung einer versehentlich enthüllten weiblichen Brust: wardrobe malfunction, Garderobenfehlfunktion. Feines Sprachgefühl ist also durchaus vorhanden in Amerika.
Und dennoch haben US-Autohersteller ein paar Modelle auf den Markt gebracht, bei denen man sich wünscht, Cole Porter hätte bei der Namensentscheidung ein Wörtchen mitgeredet.
Nach unseren Artikeln über unaussprechliche Autonamen und über unlogische Autonamen hier Teil drei unserer kleinen Reihe.
Ford Probe

Nennt man einen Ausflug im Ford Probe eigentlich immer Probefahrt?
Bild: Ford
Kennen Sie den amerikanischen Film "Nichts ist irrer als die Wahrheit" von 1990, Originaltitel "Crazy People"? Sollten Sie sehen. Da geht es um einen Werbetexter, der auf einmal nur noch ehrliche Slogans erfindet: "Jaguar – Für Männer, die Handjobs von schönen Frauen möchten, die sie kaum kennen". "Volvo – Sie sind eckig, aber gut".
Was für ein schöner Ansatz! Zwei Jahre vor dem Film nahm Ford das Prinzip der Ehrlichkeit vorweg und brachte den Ford Probe heraus. Deutsch ausgesprochen, klingt "Probe" wie "Probe" – aber wenn sie es betont amerikanisch-gekaut aussprechen – Prrrooouub –, dann heißt es immer noch Probe. Versuch, Versuchsballon, Experiment, Pröbchen … suchen Sie es sich aus. Würden Sie ein Auto kaufen, auf dem "nur ein Versuch" steht?
Hintergrund: Ford hatte zuvor mehrere Studien "Probe" genannt – wie Test, Erforschung, Erkundung. Da passte es ja auch.
Der interne Code für den Probe und sein Schwestermodell, den Mazda MX-6, war übrigens ST-16. Wäre als Verkaufsname auch gegangen, wäre aber öde gewesen.
Und es hätte noch viel schlimmer kommen können: Ford plante allen Ernstes, den Probe – diesen Fronttrieber mit japanischer Technik – als neuen Mustang zu vermarkten! Wo kämen wir da hin, einen Ford \"Mustang" zu nennen, der mit dem originalen Mustang kaum noch etwas gemein … öhm, jedenfalls nun zum nächsten Kandidaten:
Studebaker Dictator

Aus dem Weg, hier kommt der Dictator!
Bild: privat
"Hallo, ich hätte gern einen Mietwagen. Nur für einen Tag." – "Nehmen Sie doch den Dictator!"
So ein Dialog hätte 1927 in den USA passieren können. Studebaker fand, es wäre eine gute Idee, den Standard Six in Dictator umzubenennen. Die Idee war – so wird in Büchern über die Marke Studebaker berichtet –, das Modell sollte "den Standard für die anderen Automobilmarken diktieren".
Wussten die US-Kunden nicht, was für fiese Gesellen Diktatoren meist sind? Laut dem Historiker Benjamin L. Alpers eher nicht. Sie selbst hatten keine Diktatur-Erfahrung, und Benito Mussolini im fernen Europa erschien vielen Amerikanern als gewitzter und starker Anführer. Erst mit dem Aufstieg Adolf Hitlers in Deutschland, so Alpers, dämmerte vielen, dass ein Diktator nicht immer so ein sympathisches Kerlchen ist. Studebaker wusste das auch, sonst hätten sie ihre Dictators nicht in mehreren Ländern Europas unter dem Namen Director verkauft. Zum Ende des Modelljahres 1936 verschwand der Name Dictator aus den Studebaker-Listen.
Falls noch mal jemand auf die Idee kommt, er möchte Diktator werden, sollten wir ihm folgendes Detail nicht vorenthalten: Das Topmodell bei Studebaker hieß damals President; der Dictator war, noch unter dem Commander, das Billigmodell.
Chevrolet Nova

Eine der beliebtesten Varianten des Chevy Nova ist der Nova SS. Was aus deutscher Sicht nun auch keine sympathische Bezeichnung ist.
Bild: RM Auctions
Kennen Sie jemanden in Deutschland, der je über den Lada Nova den Kopf geschüttelt hätte? Okay, über das Auto schon. Aber am Namen hat doch keiner was auszusetzen – oder?
Spanier schon. Denn "no va" auf Spanisch heißt "fährt nicht".
Deshalb dachten die Lada-Importeure in Spanien daran, das Modell als Lada Riva zu vermarkten.
So weit dachten die Bosse bei Chevrolet offenbar nicht. Sie boten den Wagen in mehreren spanischsprachigen Ländern als Chevy Fährtnicht an. Selbst zu Hause in den USA gab es schon damals viele Latinos, die als Zielgruppe damit auch flöten waren. Das ist so, als würde man der türkischen Community in Deutschland heute einen VW Gitmiyor anpreisen. Dennoch verkauften die diversen Nova-Baureihen sich ganz gut.
Mercury Villager und Edsel Villager

So manches Dorf fühlt sich ähnlich abgelegen an wie der Planet Merkur, engl. Mercury.
Bild: Mercury
Oha, dünnes Eis. Das Leben auf dem Dorf (village) hat ja wirklich Vorteile. Erstens: Es ist vergleichsweise ruhig da. Zweitens: ähm ... Es ist ein bisschen wie Rente: ein erstrebenswerter Zustand. Und dennoch würde man sich scheuen, ein Auto "Rentner" zu nennen, oder?

Der erste Villager des Ford-Konzerns: der Edsel Kombi. (Unsere Autokorrektur wollte schon "Esel" daraus machen.)
Bild: privat
"Dörfler" schien für den Ford-Konzern aber okay zu sein: Schon 1958 brachten sie den Edsel Villager heraus, 1962 bekam der Kombi des Ford Comet diesen Namen, dann nahezu alle Kombis mit Fake-Holz-Furnier, 1992 traf es den Van Mercury Villager, der im Grunde ein Nissan Quest war.
Chevrolet Celebrity

Bild: Chevrolet
Stellen wir uns vor, Opel hätte 1981 den Ascona C … Moment, selbst Oldtimer-Fans kratzen sich jetzt die Köpfe: Was war noch gleich der Ascona C? Ach ja, die eckige Kiste mit Frontantrieb. Stand an jeder Ecke, ist trotzdem weitgehend vergessen. Jedenfalls: Stellen wir uns vor, Opel hätte 1981 den Ascona C nicht Ascona, sondern Promi genannt. Da hätten die Leute sich schon gefragt: Welcher Promi würde ernsthaft einen Ascona C kaufen? Udo Lindenberg? Nina Hagen? Karl-Heinz Rummenigge? Lady Di? (Okay, die vielleicht schon.)
Tja, Opels Schwestermarke Chevrolet hat genau das getan: Sie haben ihr bescheidenes Frontantriebsmodell 1981 Celebrity genannt – Berühmtheit, Prominenter, Star. Das war praktisch der Gegenentwurf zum Edsel Villager: Wir hauen jetzt richtig auf die Sahne – mal sehen, ob die Kunden das Auto dann mit Glitzer in den Augen und pochenden Herzen anschauen.
Das Risiko, dass Kunden das Auto wegen des unpassenden Namens nicht kaufen, war gering – das wussten die Chevy-Bosse, weil sich ein anderer Chevy mit unpassendem Namen schon lange gut verkaufte: der …
Chevrolet Impala

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Ein Impala ist eine afrikanische Antilope, die besonders schlank ist. Sie erreicht hohe Geschwindigkeiten und vollführt bis zu zwölf Meter weite Sprünge. Typisch sind ihre Prellsprünge, bei denen sie steifbeinig in die Luft springen.
Der Chevrolet Impala war 1957 bis 1985 und 1994 bis 1996 ein amerikanisches Automobil, das breit und schwer war. Es erreichte trotz großer Motoren in der Regel vergleichsweise niedrige Geschwindigkeiten und vollführte auf schlechten Straßen sanfte Schwingbewegungen. Prellsprünge wären für Impala-Insassen zumindest überraschend.

Bild: dpa/picture-alliance
Eine Gemeinsamkeit gibt es dann aber doch: Das Röhren des Impala-Bocks ist über große Entfernungen hörbar.
Cadillac Lyriq

Bild: Cadillac
Ick rufe an der Ampel: "Fahr ma!
Jibst du keen Jas, dann mach ick Drama!
Wirst du jetz noch bewejungsloser,
beschimpf ick dir in übler Prosa!"
Ick pöble manchmal so, als führ' ick
'nen neuen Cadillac: den Lyriq.
Jibst du keen Jas, dann mach ick Drama!
Wirst du jetz noch bewejungsloser,
beschimpf ick dir in übler Prosa!"
Ick pöble manchmal so, als führ' ick
'nen neuen Cadillac: den Lyriq.
Mit welchen Modellnamen fremdeln Sie? Schreiben Sie uns eine E-Mail mit der Betreffzeile "Blöde Autonamen" an feedback@autobild.de! Demnächst zeigen wir hier auf autobild.de dann weitere Beispiele.
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