Bremen Classic Motorshow: Initiative Klassiker-Nachwuchs
Das Oldtimer-Hobby ist noch lange nicht tot!

Das Hobby Oldtimer stirbt aus? Auf gar keinen Fall! Das zeigt auch eine Initiative der Bremen Classic Motorshow mit dem passenden Namen "Klassiker-Nachwuchs".
Bild: Lars Golly/AUTO BILD
"Ich trage nun schon zwei Zeitungsrunden aus, um an Geld zu kommen. Ich will unbedingt als erstes Auto einen Oldtimer haben!" Leider habe ich in dem Moment nicht schnell genug geschaltet und nicht nach dem Namen des 16-jährigen Besuchers der Bremen Classic Motorshow gefragt, der uns am Stand "Klassiker-Nachwuchs" ansprach.
Er wäre ein gutes Gesicht gewesen für die vielen jungen Leute, die uns auf unsere Initiative und unsere Erfahrungen mit dem Hobby ansprachen. Und das zeigte mir wieder: Auch wenn es in einigen Medien in den letzten Monaten berichtet wurde – das Hobby Oldtimer ist noch lange nicht tot.
Initiative "Klassiker-Nachwuchs" der Bremen Classic Motorshow
Dieser Meinung ist auch Frank Ruge, Organisator der Bremen Classic Motorshow. Vor drei Jahren kam er auf die Idee, eine Standfläche zu schaffen, die junge Altautofans ansprechen sollte. Die Gestaltung wollte er dabei auch jungen Oldtimer-Besitzern überlassen und gründete somit die Initiative "Klassiker-Nachwuchs". Einer dieser jungen Mitgestalter durfte ich damals sein. Meine Idee einer "Schrauberecke", in der wir live ein altes Auto wieder gesund schrauben und somit dem Nachwuchs zeigen würden, dass alte Technik nicht kompliziert sein muss, kam gut an. Auch bei den Besuchern.

Der kleine Citroën Visa bekommt vor Publikum ein neues Leben verpasst. Diese Aktion soll jungen Leuten die Angst vor Technik nehmen und sie dazu bewegen, sich selbst auch etwas zu trauen.
Bild: Lars Golly/AUTO BILD
Nachdem meine Mitstreiter Ricarda, Jarno, Daniel, Paul-Moritz und ich in den letzten beiden Jahren erst einen Scheunenfund-Golf 2 zurück auf die Straße brachten und danach dem Motor meines alten Mercedes W 124 neues Leben einhauchten, durfte sich dieses Jahr mein 1984er Citroën Visa über etwas Liebe freuen. Erst dachte ich, dass uns bestimmt nur Oldtimerfans älteren Semesters auf das Auto ansprechen würden. Denn mal Hand aufs Herz: Wer kennt den Visa noch? Zumindest in meiner Jugend sah man die kastigen Kleinwagen nicht mehr über die Straße fahren. Doch genau das Gegenteil war der Fall.
"Vielleicht infizieren wir den ein oder anderen mit dem Blech-Virus"
Zahlreiche junge Leute sprachen uns auf das Projekt und auf das Auto an sich an. "Der hat eine coole Form", war meist der Einstieg ins Gespräch. Oder wir wurden nach Tipps, Tricks und Kontakten gefragt. Genau das Gleiche kann auch Fynn Backhaus berichten, der direkt neben unserer Schrauberecke seine selbst gebauten Karosserien ausstellte.

Fynn Backhaus präsentiert zwei seiner Eigenbauten auf Vorkriegs-BMW-Basis: Das Modell mit Gitterrohrrahmen rechts ist sein persönliches Projekt, hier baut er eine Karosserie komplett nach seinen Vorstellungen.
Bild: Lars Golly/AUTO BILD
"Ganz besonders aufgefallen sind mir die Blicke der ganz kleinen Besucher, die ganz fasziniert geguckt haben" meint der Karosseriebauer, der sich vor allen Dingen auf die Instandsetzung und Eigenbauten auf Vorkriegschassis spezialisiert hat. "Mein Beruf gehört ja schon eher zur aussterbenden Spezies – aber vielleicht infizieren wir hier den ein oder anderen mit dem Blech-Virus. Wobei meist ja eher die Autos aus der Jugend interessant sind."
Vom Vorkriegsklassiker bis zum getunten Youngtimer
Und das ist inzwischen wohl eher bei Autos wie dem Honda Civic EJ9 von der gelernten Kfz-Mechanikerin Nora Kaper der Fall, der direkt hinter der Vorkriegskarosserie auf BMW-315-Basis von Fynn stand. "Hier auf der Messe waren so viele junge Leute, die total begeistert waren", sagt Nora, die den 1,4-Liter-Vierzylinder ihres Civic durch einen Type-R-Motor mit 240 PS ersetzt hat.

Der Honda Civic von Nora Kaper betont noch einmal die Diversität des Standes: Neben Vorkriegsklassikern findet man auch getunte Youngtimer, in die viel Liebe geflossen ist.
Bild: Lars Golly/AUTO BILD
"Eigentlich hört man ja eher, dass junge Leute nicht einmal mehr den Führerschein machen, aber gerade die Klassiker-Nachwuchs-Fläche hier vermittelt da einen ganz anderen Eindruck." Und kaum hatte sie mir geantwortet, wurde sie von einer jungen Oldtimerbesitzerin angesprochen. "Ich kenne deinen Civic von Instagram, der ist total cool!"

Alex, bekannt als Kopf hinter dem YouTube-Kanal "Die Apeschrauber", hat seine seltene Ape Pentaro mitgebracht. Eine Ape 50 sieht er als perfekten Einstiegs-Oldtimer.
Bild: Lars Golly/AUTO BILD
Ebenfalls neben unserer Schrauberecke stand ein weiteres Fahrzeug, das auch aus Social Media bekannt ist: Alexander, besser bekannt als das Gesicht hinter dem YouTube-Kanal "Die Apeschrauber", hat seine Piaggio Ape Pentaro mitgebracht. Die seltene Sattelzug-Ape war einer der Hingucker auf der Messe. "Ich habe die als Wrack gekauft und selber wieder aufgebaut", meint der Ape-Sammler, der neben seinem strahlenden Schmuckstück steht. "Die Pentaro gehört vielleicht nicht dazu, aber gerade die Ape 50 ist ein beliebter Einstiegsoldtimer. Vor einigen Jahren haben wir einem 13-Jährigen für wenig Geld eine Ape besorgt – für Nachwuchs ist also gesorgt."
Das Hobby entwickelt sich
"Vielleicht ändern sich nur die Werte", überlegt der Apeschrauber. "Perfektion und Originalität stehen bei jüngeren Oldie-Fans nicht mehr so im Vordergrund. Ein Auto darf ruhig Patina haben oder tiefergelegt sein. Deshalb ist das Klassiker-Nachwuchs-Projekt auch so wichtig: Hier kann eine Ape zwischen einer Vorkriegskarosserie und einem getunten Civic stehen – und wir verstehen uns alle super! Wir zeigen hier eindeutig, dass man mit alten Autos Spaß haben kann und auch haben sollte. Sogar mit dem da", meint Alex und deutet grinsend auf meinen kleinen, grünen Zweizylinder.

Die Initiative "Klassiker-Nachwuchs" soll alle jungen Oldtimerfans ansprechen und faszinieren. Jedes Jahr steigt die Zahl der Besucher auf dem Messestand.
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Ich konnte ihm nur zustimmen. Wir alle konnten ihm nur zustimmen. Der Klassiker-Nachwuchs-Stand und die Initiative dahinter war auch 2026 wieder ein voller Erfolg. Jedes Jahr – so kam es uns allen zumindest vor – kamen mehr junge Leute bei uns vorbei. Vielleicht schwirrt auch deshalb das Gerücht umher, dass die Initiative für den FIVA Culture Award nominiert werden soll. Das würde uns auf jeden Fall sehr freuen. Und auch nur noch einmal unterstreichen, dass das Hobby Oldtimer noch lange nicht ausstirbt.
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