Chrysler Crossfire: Design-Ikone mit Mercedes-Herz
Warum der Crossfire heute noch fasziniert

Der Crossfire ist das schönste und erfolgreichste Kind der 1998 geschlossenen DaimlerChrysler-Ehe, ein softer, kompakter Zweisitzer, dramatisch gestylt und technisch solide. Kein US-Auto ist so sehr made in Germany!
Bild: Christian Bittmann
Im Kreuzfeuer der Kritik? Nicht der Crossfire, der vor 20 Jahren gefeiert wurde, erst Kult, aber dann auch schnell schwer aus der Mode war. Was zuallererst am Retro-Look liegen mag, der Anfang des Jahrtausends im Autodesign seinen großen Auftritt hatte. Aber den Crossfire nur oberflächlich zu betrachten, ginge in die falsche Richtung – es sind ja (auch) die inneren Werte, die zählen.
Man mag ihn modisch oder schön finden mit seinem scharfkantigen, überzeichneten Styling, das eher nach Concept-Car als Großserien-Coupé aussieht, aber technisch ist er über jeden Zweifel erhaben. Als die Fertigung des ersten sportlichen Zweisitzers und kleinsten Autos der Marke Chrysler bei Karmann anlief, steckten mehr als ein Drittel Daimler-Teile drunter. Im Grunde genommen ist ein Crossfire ein SLK 320, nur aufregender und interessanter.
Aus einem internen kreativen Kräftemessen der Marken Jeep, Dodge und Chrysler war der Entwurf der Nachwuchskraft Eric Stoddard 1999 als Sieger hervor- und nach Vorstellung auf der Detroit Auto Show 2001 mit erstaunlich wenigen Änderungen 2003 in Serie gegangen. Die angetäuschten Lufteinlässe hinter den Vorderrädern, die Motorhaube mit den sechs Sicken und das Bootsheck durfte er behalten.

Lieber wunderschön als praktisch: Heck mit kleiner Klappe.
Bild: Christian Bittmann
Aber während die Kunden in good old Germany den Crossfire vor allem für sein Design liebten, machte ihm ausgerechnet in den USA das nicht mehr taufrische deutsche Technik-Erbe das Leben schwer. Da musste sich der Chrysler wegen Größe und Preis ganz nüchtern an BMW Z4, Porsche Boxster, Audi TT und Nissan 350Z messen lassen.
Made in Osnabrück – nicht in Detroit
Dass Wertarbeit aus Osnabrück bei der Fertigung den Vorzug vor US-amerikanischen Chrysler-Bändern erhielt, hatte praktische Gründe: Das SLK-Klappdach war eine Karmann-Entwicklung gewesen, Mercedes CLK Cabrio und Coupé liefen dort vom Band.

V6 statt Vierzylinder: Standardmotor ist der 218 PS starke 3,2-Liter-Sechszylinder von Mercedes vom Typ M 112.
Bild: Christian Bittmann
Die ersten beiden Jahre waren die besten. 2003 baute Karmann fast 18.400 Crossfire, 2004 waren es sogar rund 19.400 Einheiten, zu denen 16.240 Roadster hinzukamen. Dass die Zahlen nach dem ersten Hype schnell und massiv einbrachen, könnte die Theorie vom Modeartikel bestätigen. Vielleicht war der Crossfire den Deutschen aber auch einfach nur zu amerikanisch und den Amis zu deutsch.
Fahrzeugdaten | Chrysler Crossfire (2005) |
|---|---|
Motor | V6, vorn längs |
Hubraum | 3199 cm3 |
Leistung | 160 kW (218 PS) |
max. Drehmoment | 310 Nm bei 3000/min |
Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h |
0-100 km/h | 6,9 sek. |
Antrieb | Sechsgang-Schaltgetriebe |
Verbrauch | 11,1l Super / 100 km |
Leergewicht | 1463 kg |
Neupreis 2005 | 37.200 Euro |
DaimlerChrysler steuerte gegen und hob Ende 2004 die ersten und letzten Sondermodelle ins Programm: die sparsamer konfigurierte und günstiger angebotene Black Line für Coupé und Roadster sowie die besser ausgestattete Silver Line mit Navigationssystem, Carbon-Paket und Lack in "Saphirsilbermetallic" für 40.600 Euro.

Formschön integrierter Heckflügel für mehr Abtrieb ab 110 km/h.
Bild: Christian Bittmann
Eine Extraausgabe à la Swiss Edition mit deutscher Erstzulassung ist ein Sonderfall. Christoph Nordmeyer aus Hohenhameln nahe Hannover kaufte den Reimport-Crossfire 2005, "weil die Mischung aus Design, Mercedes-Technik und Preis passte". 20 Jahre und 229.000 Kilometer später habe sich an der Begeisterung für das Gesamtpaket nichts geändert. Guter Lack trotz Waschstraßen-Reinigung, keinerlei technische Probleme. "Nur im Winter fahre ich ihn nicht mehr", sagt Christoph.
Swiss Edition: Limited klingt luxuriös, war aber Serie
Swiss Edition meint Limited-Ausstattung, was nach Luxus und Extras klingt, aber in Deutschland immer Serie meinte. Schalter, Knöpfe, Instrumente und Automatik-Kulisse vom SLK gehören ebenso dazu wie jede Menge Fake-Alu am Cockpit, verschleißarmes Hartplastik und komfortable Ledersitze. Der Verstellbereich ist eingeschränkt, weil auf 2400 mm Radstand nach hinten wenig Platz ist, aber Tank und Kofferraum für die lange Reise groß genug sind. Erstaunlich, wie dabei aus dem kleinen, verspielten SLK im Nachgang beim Crossfire ein perfekt sitzendes, erwachsen anmutendes Coupé wurde.

Für zwei Passagiere reicht der Platz immer, aber für groß gewachsene Insassen wird's im Zweisitzer eng.
Bild: Christian Bittmann
Die per AMG-Technik aufgeladene Version mit dem bei Dodge erprobten Performance-Kürzel SRT konnte schon zu viel des Guten, konnte eine Überdosis Leistung und Sport sein. Und außerdem stört der Flügel am Heck die coole Retro-Linie. Zum durchgestylten, aber beruhigend langlebigen Auftritt des normalen Crossfire passen die softe Lenkung, das gedämpfte Fahrwerk und der unaufgeregte Motor, der mit Drehmoment und Laufruhe angenehm auffällt.

Der Crossfire leistet sich vorn und hinten unterschiedlich breite Reifenformate.
Bild: Christian Bittmann
Ein Sportwagen wird der Crossfire damit nicht mehr, aber das muss er auch gar nicht: Der Zweisitzer aus der 2007 geschiedenen Autobauer-Ehe ist ein Chrysler, wie es ihn weder davor noch danach gab. Das könnte neben Design und Technik als Kaufgrund ja schon ausreichen.
Fazit
Mutiger Look, haltbare Technik und ein handliches Format – es wird Zeit, den Crossfire neu zu entdecken. Wir raten zum Coupé, weil dem Roadster das charakteristische Design mit Boattail-Heck abgeht. Auch Spoiler und AMG-Technik braucht es nicht, um mit dem DaimlerChrysler-Spross glücklich zu werden. Selten passt Retro so gut ins Hier und Jetzt wie beim Crossfire.
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