Salzburger-Land-Klassik 2026
Rallyeteam mit V8-Power

Britta Mattern und Manfred Hunold haben gemeinsam rund 35 Oldtimerrallyes gefahren. Ihr Mercedes 300 SEL 6.3 (W 109) ist der Ersatz für einen noch wilderen Oldtimer!
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
"Das riecht doch hier nach einer grünen Wertungsprüfung", sagt Manfred Hunold (79). Er nimmt den Fuß vom Gas und lässt den Mercedes 300 SEL 6.3 langsam auf das Dorf Melleck zurollen. "An solchen Stellen baut der Armin Schwarz doch immer gern Gemeinheiten ein." Armin Schwarz ist der Sportliche Leiter der Oldtimerrallye Salzburger-Land-Klassik.
Britta Mattern (52) scannt vom Beifahrersitz aus die Umgebung. Irgendwo hier könnte eine Wertungsprüfung lauern, die nicht im Roadbook der Oldtimerrallye angekündigt ist. Ein grünes Schild könnte am Straßenrand stehen. Aber wo?
"Da rechts?", fragt Britta. "Nein, das sind Europaletten."
Dann taucht am Ende der Kurve ein Skoda mit Orga-Aufklebern auf. Britta schnallt sich kurz ab, hängt sich aus dem Fenster und ruft: "Da ist 'ne Grüne! Fahr rüber zu mir! Langsam!"

Der Mercedes 300 SEL 6.3 hat 6332 cm3 Hubraum – mindestens 0,124 Liter mehr als Modelle, die "63 AMG" heißen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Was an grünen Wertungsprüfungen so gemein ist
"Grüne" Wertungsprüfungen sind eine Spezialität der Salzburger-Land-Klassik. Bei jeder von ihnen müssen die Teams genau 65 Meter in acht Sekunden zurücklegen. Das entspricht einem Durchschnittstempo von 29,25 km/h. Im Roadbook steht allerdings nicht, wo diese Prüfungen aufgebaut sind. Sie kommen überraschend.
Diese "Grüne" meistert das Team richtig gut: 7,81 statt genau 8 Sekunden, damit sind sie unter rund 80 Startern das zehntbeste Team in dieser Prüfung.
So gewinnt man eine Oldtimerrallye
Frage | Antwort |
|---|---|
Was ist die Aufgabe? | Bei den Wertungsprüfungen zählt allein, ob der Fahrer die Lichtschranke zehntelsekundengenau durchfährt, während der Beifahrer die Sekunden herunterzählt und navigiert. Jede Abweichung gibt Strafpunkte. |
Was soll daran schwierig sein? | Schwierig ist das vor allem, wenn mehrere Abschnitte mit unterschiedlichen Sollzeiten direkt hintereinander kommen oder sogar ineinander verschachtelt sind. Noch gemeiner: Manchmal gibt es überraschende Geheimprüfungen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. |
Was kann noch passieren? | Mehr Strafpunkte kriegt zum Beispiel, wer eine Durchfahrtskontrolle verpasst, weil er sich verfährt. |
Was hat es mit der "Sanduhrklasse" auf sich? | Normalerweise sind elektronische Stoppuhren und Timer, Tripmaster-Computer und spezielle Apps erlaubt. Apps rechnen sogar das erforderliche Durchschnittstempo aus und zählen laut herunter. Wer in der Sanduhrklasse startet, dem ist all das verboten – da darf man mit mechanischen Stoppuhren und Schnitt-Tabellen arbeiten. Dafür gibt es Bonuspunkte und/oder Sonderpreise. |
Manfred fährt bei den Wertungsprüfungen, Britta bedient die Stoppuhr und navigiert. "Das richtige Zählen, das ist schon 'ne Kunst", sagt er. Übung haben sie genug. Seit 2018 sind sie nach eigener Zählung rund 35 Rallyes miteinander gefahren. Immer als festes Team, immer mit klar verteilter Arbeit.

Vor jeder Wertungsprüfung besprechen Manfred Hunold und Britta Mattern, was zu tun ist. Der runde rote Aufkleber in der Frontscheibe signalisiert, dass die beiden ohne elektronische Hilfsmittel ihre Zeiten messen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Gern nehmen sie auch an der Hamburg-Berlin-Klassik teil, deren Strecke von Jahr zu Jahr wechselt – mal geht es zum Beispiel an die Ostsee, mal über Sachsen.
Dass sie vor lauter Plaudern trotzdem einmal falsch abbiegen könnten, schließen sie nicht aus. "Wir müssen ja aufpassen, wohin wir fahren", sagt Britta. "Wir klönen auch gern mal."
Manfred: "Wenn wir das Ortsschild von Frankfurt an der Oder sehen, haben wir was falsch gemacht." (Warum Moderatorin Lina van de Mars auf der Salzburger-Land-Klassik zur Fahrlehrerin wurde, lesen Sie hier.)
Britta lernte schon mit 16 bei Manfred
Britta Mattern aus Peine und Manfred Hunold aus Sievershausen bei Lehrte sind keine Lebenspartner, sondern seit Jahrzehnten befreundet. Kennengelernt haben sie sich, als Britta 16 Jahre alt war und in Manfreds Spedition lernte.
"Heute bin ich 52, und wir sind immer Freunde geblieben", sagt sie.

In dieser Wertungsprüfung muss man einmal rückwärts fahren – deshalb können die ganz ehrgeizigen Teilnehmer vorab keinen Geschwindigkeits-Durchschnitt ausrechnen.
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Manfred verkaufte seine Spedition 1990, arbeitete aber noch bis zu seinem 71. Lebensjahr. "Für mich war Arbeit nie eine Belastung", sagt er. Nun hat er mehr Zeit für Rallyes.
Britta ist seit 25 Jahren mit medizinischer Fußpflege selbstständig. "Ich kann mir meine Zeit frei einteilen."
Und die braucht sie nicht nur für die eigentliche Rallye. Manfred und Britta bringen seinen Oldtimer auf eigener Achse zur Veranstaltung. "Es geht nicht nur ums Rallyefahren", sagt Manfred. "An- und Abreise müssen ja auch schön sein."

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Der Jaguar E-Type war auf langen Strecken zu eng
Lange Zeit fuhren die beiden ihre Rallyes in einem Jaguar E-Type. Flach, schnell und wild, auf langen Etappen aber eng und unbequem. 2023 bekamen sie den Tipp, dass ein Mercedes 300 SEL 6.3 zum Verkauf stand.
"Der ist perfekt", sagt Britta. Und zu Manfred: "Wenn du noch bis 104 fahren willst, wollen wir es bequemer haben."

Der Mercedes der Baureihe W 109 stammt von 1972. Sein erster Besitzer, so erzählt Manfred, bestellte eine ungewöhnliche Farbkombination: Die Farbe der Karosserie findet sich als farbige Paspelung im Leder wieder.
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Mercedes-Versuchsingenieur Erich Waxenberger kam Ende der 1960er-Jahre auf die Idee, den mächtigen V8 des Mercedes 600 (Baureihe W 100, Motorcode M 100) in die vergleichsweise unauffällige Limousine einzubauen.

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Das Ergebnis war der Mercedes 300 SEL 6.3. Bei seiner Vorstellung 1968 konnte die Limousine laut damaliger Werksangabe 220 km/h schnell fahren. Damit gehörte sie zu den schnellsten Serienlimousinen ihrer Zeit.

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Mit 6,3 Litern Hubraum wird die Steigung Nebensache
Auf dem Weg hinauf zur Alpenstraße zeigt der Mercedes, warum Manfred und Britta ihren Jaguar nicht allzu sehr vermissen. Die Straße steigt stellenweise um 18 Prozent an. Dank 6,3 Litern Hubraum merken wir das nicht mal – die Automatik schaltet nicht zurück, der Motor wird kaum lauter.
Zehn Minuten später geht es mit bis zu 20 Prozent Gefälle wieder bergab. Der 300 SEL 6.3 ist mehr rollendes Wohnzimmer als filigranes Rallyegerät, doch bei Gleichmäßigkeitsprüfungen kommt es ja nicht auf die höchste Geschwindigkeit an. Entscheidend ist, eine vorgegebene Strecke möglichst exakt in der vorgeschriebenen Zeit zurückzulegen.
Und das können die beiden. In der zweiten Wertungsprüfung der Salzburger-Land-Klassik fahren sie auf Platz eins. Schon im vergangenen Jahr gewannen sie eine Prüfung und holten außerdem einen Klassensieg.

Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Wie ehrgeizig sind sie?
"Sehr", sagt Manfred.
Britta schaut ihn an: "Du auch?!"
"So einen Anspruch muss man ja haben", sagt er. "Sonst kann man auch spazieren fahren."
Britta überlegt kurz. "Stimmt. Das ist wie beim perfekten Dinner. Da will man ja auch gewinnen, wenn man kocht."
Aufkleber auf dem Armaturenbrett helfen dem Gedächtnis
Bei längeren Wertungsprüfungen verlassen sich Manfred und Britta nicht allein auf Gedächtnis und Gefühl. Sie schreiben auf kleine Aufkleber, nach wie vielen Metern sie wohin abbiegen müssen, und kleben die Hinweise oben auf das Armaturenbrett. So behalten sie den Überblick, selbst wenn mehrere Entfernungen und Richtungswechsel kurz hintereinander folgen.

Oben die selbstgebastelten Anweisungen für die nächste komplizierte Wertungsprüfung, unten die Daten der typischen grünen Prüfungen, die überraschend auftauchen.
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Privat fährt sie einen Porsche Boxster (zweite Serie Typ 987) von 2005. Doch bei der Rallye bleibt der Platz auf dem Beifahrersitz ihr Stammplatz.
Rosé, Bier und Mettwürstchen im Schlafanzug
Am Ende sind es ohnehin nicht nur die Platzierungen, an die sich Britta und Manfred erinnern. Am Vorabend vorm Gespräch mit AUTO BILD kamen Freunde aus Hamburg an, die sich in Wagrain ein Apartment gemietet hatten. Britta und Manfred gingen noch zu ihnen hinüber.
"Dann saßen wir im Schlafanzug in der Küche, mit Rosé, Bier und Mettwürstchen", erzählt Britta. "Das sind Momente, an die man sich immer erinnert."
Am nächsten Morgen sitzen beide wieder im Mercedes. Manfred am großen Lenkrad, Britta mit der Stoppuhr in der Hand. Vor ihnen liegen Alpenstraßen, die nächste Wertungsprüfung und vielleicht die nächste grüne Gemeinheit.
Spazieren fahren können sie schließlich später.
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