In diesen Tagen feiert eine automobile Sonderklasse ihren 40. Geburtstag: Im Herbst 1972 erschienen die Mercedes-Limousinen der Baureihe W 116. Völlig neu waren dabei nicht nur die Autos selbst, auch der Begriff S-Klasse wurde mit ihnen eingeführt. Wie kam es dazu und was war vorher? Die Marke mit dem "guten Stern auf allen Straßen" hielt schließlich seit jeher Top-Modelle für die wirklich arrivierte Kundschaft bereit. Was den großen Mercedes-Modellen bei allem Luxus jedoch über Jahrzehnte fehlte, war eine gemeinsame Bezeichnung, die sie von den kleineren Typen abgrenzte.
Mercedes S-Klasse 280 SE W116
1972: die erste S-Klasse, W 116. Ein Meilenstein in Technik und Sicherheit.
Bild: Sven Krieger
Ein Familienname nur für die Erwachsenen also. Das "S" war bereits lange vor 1972 des Öfteren Anhängsel der Typenbezeichnung großer Mercedes gewesen. So bei den großen Ponton- (220 S) und Heckflossen-Typen (220 SE, 300 SE) sowie bei der eigenständigen großen Reihe W 108/109 (280 S bis 300 SEL 6.3). Da bot es sich an, dieses Kürzel für "Sonderklasse" als festen Begriff "S-Klasse" zu etablieren. Für Gutsituierte, Prominente und Machthaber in aller Welt wurde die S-Klasse bald zum Synonym für den ganz großen Mercedes-Luxus. Für die Fachwelt etablierte sich der Begriff zur Messlatte für den jeweils neuesten Stand der Automobiltechnik. Bis heute dient die S-Klasse als Technologieträger, hier debütierten beispielsweise das elektronische ABS (1978) oder ESP (1995). Der enorme Erfolg der ersten S-Generation, der Reihe W 116 (280 S bis 450 SEL) trug viel zum Mythos S-Klasse bei: Die Wagen galten in Sachen Technik, Sicherheit, Komfort und Design als konkurrenzlos und boten durch ihre stattliche Erscheinung höchsten Prestigewert. Der 450 SE wurde 1973 "Auto des Jahres", das Power-Modell 450 SEL 6.9 feierte die Fachpresse als "bestes Auto der Welt". Noch heute beindruckt der W 116 als wuchtiges, opulent verchromtes Chefzimmer auf Rädern. Auch seine Fahreigenschaften überzeugen noch immer.

Neue Sachlichkeit: Der W 126 ab 1979

Mercedes 280 SE W 126 (1979-1991)
Zweite Runde: Der W zeitlose, elegante W 126.
Bild: Conrad Piepenburg
Würdiger Nachfolger der Reihe 116 wurde die 1979 eingeführte und volle zwölf Jahre produzierte W 126-Familie. Nicht nur Youngtimer-Fans schätzen deren Typen 280 S bis 560 SEL bis heute als zeitlos-elegante Luxus-Reiselimousinen. Im Gegensatz zum selbstbewußten, ja feisten Auftritt des W 116 bestechen W 126-Mercedes durch ihre dezente, die schiere Größe reduzierende Gestalt. W 126er umgibt eine Aura vornehmer Zurückhaltung, die Souveränität mit Understatement paart. Zum exakten Gegenteil geriet die 1991 folgende Reihe W 140. Hier griffen die Stuttgarter nach der absoluten Perfektion – und verhoben sich dabei. Die W 140er S-Klasse (S 280 bis S 600) stellte zwar das automobile Nonplusultra dar, waren aber viel zu groß und schwer geraten. Dies führte sogar zu handfesten Nachteilen, beispielsweise erwiesen sich die monströsen 140er-Limousinen als zu gewaltig, um auf Autoreisezüge zu passen. Es hagelte Kritik und Spott. In der Rückschau passte der W 140 jedoch in seine Zeit, er spiegelt die Euphorie der frisch vereinigten Deutschen im Wirtschafts-Boom der frühen 1990er-Jahre wider. Nicht umsonst nennen ihn Klassiker-Fans heute auch "Helmut Kohl in Blech". Gewählt haben den Riesen übrigens über 400.000 Käufer.
Mit dem Mercedes W 140 nach Bonn
S-Klasse Nummer Drei: Der W 140 – Helmut Kohl in Blech.
Bild: Angelika Emmerling
Ganz anders die Folgegeneration. Die neuen S-Klasse-Modelle hörten auf die Reihenbezeichnung W 220, ihre Modelle S 280 bis S 600 L begeisterten durch ein für ihre Größe erstaunlich schlankes, elegantes Design. Die Stuttgarter hatten den optimalen Mix aus Größe, Komfort, Repräsentationswirkung und Erscheinungsbild gefunden. Dafür gab es nun Qualitätsprobleme: Die neuen S-Modelle rosteten. Es war die Zeit des generellen Qualitätseinbruchs "beim Daimler", der das Unternehmen viele Stammkunden und noch mehr Geld kostete – Reparaturen wurden kulant gehandhabt. Es war, Zufall oder nicht, auch jene Zeit, als der Daimler-Benz-Konzern unter Jürgen Schrempp nach fremden Sternen griff und mit Chrysler fusionierte.

Mercedes-Benz 280 SE: Ein Treffen dreier Generationen

Heute ist das Jammertal längst vergessen. Seit 2005 verkauft sich die aktuelle Reihe W 221 weltweit besser als jede andere zuvor. Sie ist nicht nur die beste S-Klasse aller Zeiten, sondern auch die erfolgreichste Luxus-Limousine der Welt: Nach sieben Produktionsjahren sind weltweit über 500.000 Fahrzeuge unterwegs. Der Erbe, die S-Klasse W 222, wird ab 2013 also in große Fußstapfen treten. Aber es wird schon werden! Die Bildergalerie oben führt Sie durch 40 Jahre Mercedes-Benz S-Klasse!