Autobau im Osten
Die alten Meister aus dem neuen Europa

Aus den jungen EU-Staaten Polen und Tschechien kommen Autos, die an die guten alten Zeiten erinnern. So entstehen einerseits exklusive Fahrzeuge wie der Leopard Roadster, auf der anderen Seite kuriose Billigautos wie der Kaipan 14.
- Alex Cohrs
Tak, takatatak, tak tak, takatatak, tak tak, takatatak... Der Trick besteht darin, die Augen zu schließen und die Ohren zu öffnen. Du musst die gelben Ohrstöpsel, die sie dir vorher gegeben haben, in die Hosentasche stecken und einen Moment warten, um dich an die Lautstärke zu gewöhnen. Tak, takatatak, tak tak, takatatak, tak tak, takatatak... Plötzlich ist der Lärm kein Lärm mehr. Es bilden sich Strukturen heraus, eine Art Rhythmus. Und irgendwann denkst du, dass du nicht mehr in einer alten Fabrikhalle stehst, sondern mitten in einem Konzertsaal. Tak, takatatak, tak tak, takatatak, tak tak, takatatak... Es sind Männer in blauen T-Shirts, die mit ihren verschieden großen Hämmern diesen Rhythmus erzeugen. In gewisser Weise kann man sie als Künstler bezeichnen, als Virtuosen des Handwerks. Ihre Arbeit klingt wie Musik – und ihre Autos sehen aus wie Gemälde. Das sind alte Meister aus dem neuen Europa.
Die Legende lebt: AC Cobra

Bild: Harald Almonat
Selbst Shelby importiert aus Polen

Bild: Werk
Billig-Sportler auf Basis des Skoda Favorit
Dazu gehört die Form, die an einen Morgan erinnert, dazu gehört das edle Leder im Innenraum, und dazu gehört der Preis: 130.000 Euro soll das polnische Luxusauto kosten, wenn es auf den Markt kommt. Derzeit versucht Szwaj, für den Wagen eine europaweite Typgenehmigung zu bekommen. Die Crashtests hat der Leopard Roadster bereits bestanden, allerdings verlangen die Beamten zwei Konstruktionsänderungen: Das Nummernschild sitze zwei Zentimeter zu tief – und die Befestigungsstifte für das Stoffverdeck seien noch ein wenig zu dick. Zwischenfrage: 100.000 Euro für die Cobra, 130.000 für den Leopard, dazu 80.000 Euro für den Gordon Roadster aus Tschechien – können die in Osteuropa denn nur teuer? Ortswechsel. Ein verfallenes Fabrikgebäude im nordböhmischen Smrzovka. Wer die Stufen in den ersten Stock nimmt, hat das Gefühl, mitten in Abbrucharbeiten zu stehen und schleicht sich schnell wieder herunter. Hinter einer schlichten weißen Metalltür liegt das Büro der Firma Kaipan. Der Ex-Stuntman Michal Hradsky (52) baut mit 15 Angestellten den Kaipan 14 – einen Billig-Sportwagen. Der offene Zweisitzer mit dem grimmigen Blick und der ewig langen Haube basiert auf dem Skoda Favorit: "Den bekommst du hier für eine Krone", sagt Hradsky, "die Ersatzteile sind auch günstig."
In 1000 Stunden ist der Kaipan selbst gebastelt

Bild: Harald Almonat
Darf man Autos einfach nachbauen?
Schon das Wort ist seltsam: "Geschmacksmusterschutz" heißt der Fachbegriff, unter dem sich Autohersteller die Erscheinungsform eines Fahrzeugs sichern lassen können. Dieser Schutz kann über allen Autos liegen, die in den letzten 26 Jahren auf den Markt gekommen sind. Oft werden dabei nicht nur die Fahrzeuge selbst geschützt, sondern auch Einzelteile. Wer diesen Schutz verletzt, muss unter anderem mit Klage auf Unterlassung und Schadenersatz rechnen. "Auf den nichtgewerblichen, privaten Bereich hat dieser Schutz aber keine Auswirkung", sagt Marcus Kühne, Leiter der Geschmacksmusterstelle beim Deutschen Patentamt. Mit anderen Worten: Wer für sich persönlich ein Auto nachbaut, sollte keine Probleme bekommen. Übrigens: Besonders einzigartige Autos können unter Umständen sogar unter den Urheberrechtsschutz fallen – und der erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Erstellers.
Sie wollen einen dieser Klassiker haben? Kein Problem: Hier sind alle wichtigen Adressen auf einen Blick: • Kirkham Motosports, Mr. David Kirkham, 2575 W 1680 N Provo, Utah 84601-1156, USA • Kirkham Motorsports, Greg Pawlick, Ul. Wojska Polskiego 3, 39-300 Mielec, Polen • Leopard Automobile, Zbyslaw Szwaj, Ul. Wojska Polskiego 3, 39-300 Mielec, Polen • Kaipan s.r.o., Michal Hradsky, Rooseveltova 839, 46851 Smrzovka, Tschechische Republik • AUTO PROJEKT CENTRUM s.r.o., Hrbitovni 17, 312 16 Pilsen, Tschechische Republik • J.A.K. Sp.C., Jan Kwiatkowski, ul. Lubiny 10 D, 40-534 Katowice, Polen • Deutsches Patent- und Markenamt, Dienststelle Jena, z.Hd. Herrn Marcus Kühne, 07738 Jena
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