"Eigentlich ist der zu teuer", sagt Verkäufer Thomas Küpper (39) aus Karlshöfen. Wie bitte? Der Mann handelt mit Youngtimern, gibt den Granada aber nicht gern her. "So was gibt's gar nicht mehr. Der hat nur überlebt, weil er 20 Jahre lang mit Lagerschaden in einer Garage stand." Glück gehabt, alter Granni. Heute säuselt er wieder, sein 2,3-Liter-V6. Die softe Dreistufenautomatik konkurriert mit den breiten Sofa-Sitzen um den Großen Preis der weichen Welle, und in der Frontscheibe verblasst ein Papieraufkleber der "22. Kfz-Beleuchtungsaktion 1978". Der rare Zweitürer mit Servo und GL-Paket wurde nie restauriert, der Lack in Grell-Orange ist der erste. Und beim Tachostand fehlt vorn keine Eins: Es sind nicht mehr als 73.545 Kilometer.

Christian Steiger: "Gediegen, so ein Granada zum Cruisen"

AUTO BILD-Redakteur Christian Steiger im Ford Granada GL
Granada-Gleiten macht locker, der Ellbogen legt sich ganz automatisch auf die linke Fensterkante.
Einzige Schwachstelle des Kölner Cruisers: eine kleine Rostblase am vorderen linken Kotflügel, daumennagelgroß. Der Ford riecht sogar nach den 70ern, ein bisschen Muff, ein bisschen große Welt. So viel Originalzustand ist kostbar, deshalb sucht Küpper einen sensiblen Käufer: "keinen Tuner, keinen Heizer". Stressiger Alltag wäre zu hart für die feine Patina. Dabei würde der Spaß nicht viel kosten: 192 Euro Jahressteuer (mit H-Kennzeichen), ca. 150 Euro Klassiker-Versicherung. Und garantiert nie mehr Wertverlust. Sparen mit Stil. Sehr cool. Und gar nicht von gestern.
Fazit: Ein 70er-Jahre-Oldie zum Niederknien. Dieser Granada ist eine Zeitmaschine mit Talent für den Alltag. Aber dafür ist er inzwischen zu selten. Hoffentlich findet er einen Fan, der seinen Charme zu schätzen weiß.

Bendix Krohn: "Ich bin ein Fan der Turnschuh-Generation"

AUTO BILD-Redakteur Bendix Krohn am Steuer seines schicken BMW Z3.
Vollausstattung, der geniale Reihensechser und die außergewöhnliche Form lassen Bendix Krohn Jubeln. Echt cool.
Turnschuhe sind meine Leidenschaft. 50 Paar hab ich, wirklich, nur das passende Auto fehlt noch. Aber ich hab's gefunden: BMW Z3 Coupé, im Volksmund liebevoll Turnschuh genannt. Vorn ein sportlicher Reihensechszylinder, hinten ausreichend Platz. 1998 kam das Kombi-Coupé auf den Markt, zurzeit sind noch etwa 5000 Coupés zugelassen: Ein kommender Klassiker also. Mein cooler silberner Turnschuh von 12/98 steht in Hamburg, hat eine 2,8-Liter-Maschine mit 193 PS, läuft 230 km/h, hat 142.000 km auf der Uhr. Die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen: Das seltene Glas-Hubdach, rotes Leder, Klima, Sperrdifferenzial und Sitzheizung. Erste Hand, unfallfrei, scheckheftgepflegt – so muss es sein. Lückenloser Lebenslauf für ein seltenes Modell, das sehr gern durch Tuning verhunzt wurde. Aufpassen sollte man bei den Lenkungsmanschetten, Querlenkerlagern und der gern schief ziehenden Handbremse. Außerdem Fußbremsen, Reifen, Kupplung überprüfen, die oft unter der Fahrweise gelitten haben. Der Rest der Technik stammt vom 3er. Dieser Z3 – er steht einem Fan der Turnschuh-Generation ja so gut...
Fazit: Ein zukünftiger Klassiker. Sportlichkeit gepaart mit viel Platz, tollem Motor inklusive grüner Umweltplakette. Ein cooles Transportmittel für meine Turnschuhsammlung.

K. A. Almstadt: MB 300 CE-24

Cooles Coupé? Meinetwegen. Auf jeden Fall keine Karre. Die Zweitürer der Baureihe W 124 tragen die MB-Klassiker-Gene. Nachdem der Cabrio-Zug längst abgedampft ist in Richtung Sammlerstatus, geht es jetzt darum, sich diese unaufgeregte Coupéform aus der stilsichersten Ära des guten Sterns zu sichern. Das besichtigte Exemplar vom Autopark in Hamburg hat die typische Karriere hinter sich: Scheckheft lückenlos bis 120.000 km; aus zweiter Hand gab es maximalen Speed, aber nur Tankstellenservice. Der für gewöhnlich rappelige 24-Ventiler läuft überraschend kultiviert, hat aber Zündaussetzer, es könnte auch die Lambdaregelung sein. Größter Makel: der ungleiche Fugenverlauf am Heckdeckel als Folge eines schlecht reparierten Seitenschadens. Das erklärt auch den Preis: nur 3650 Euro.
Fazit: Noch billiger als dieser kann nur Schrott sein. Gute 124er-Coupés kosten 7000 Euro, also: handeln und 2000 Euro zusätzlich einplanen – dann passt's.

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Fazit

Ziemlich cool, unsere Autoauswahl, oder? Da sehen Sie mal, wie sich die Zeiten ändern: Wie wär's mit einem Ford Granada, der es vom Spießerauto zur Young timer-Ikone gebracht hat? Oder mit 'nem Toyota Celica, bei dem Scirocco- und Manta-Fans die Nase rümpften? Mit der Zeit lernen wir: Waren doch schon echte Charaktere damals. Und wir merken: Sie sind bezahlbar, gar nicht runtergerockt. Für weniger als 10.000 Euro gibt es Autos, die garantiert nicht jeder fährt. Sie müssen nur lange genug suchen. Nach seltenen Exemplaren, die auf einmal echt lässig sind.