Kaufberatung: Audi 100 Typ 44 (C3)
Mit dem glatten Audi nach oben

Mit dem Audi 100 C3 kämpfen sich die Ingolstädter 1982 nach oben. Mit Windschnittigkeit, Leichtbau und Effizienz prägt der glatte 100er den neuen Blick auf Audi.
- Sebastian Renz
Ehrgeiz! Leichtbau, Aerodynamik, Minderverbrauch, bessere Fahrleistungen? Sind nur Nebenprodukte davon. Beim Audi 100 Typ 44 geht es um Ehrgeiz. Er personifiziert sich im damaligen Audi-Chefentwickler Ferdinand Piëch. Bei der Premiere des Audi 100 gerade 45 Jahre alt, hat er spätestens 1969 beim Porsche 917 bewiesen, dass er lieber in Kauf nimmt, eine Firma finanziell zu ruinieren, als technische Kompromisse zu akzeptieren. Später forciert er den quattro-Antrieb so durchtrieben, dass viele glauben, er habe ihn erfunden. Zu den Erkenntnissen aus 125 Jahren Automobilgeschichte zählt (neben jener, besser keinen V8-Frontmotor-Sportwagen als Ersatz für den 911 zu präsentieren) die, sich nicht mit Ferdinand Karl Piëch anzulegen. Vor allem nicht, wenn er dein Boss ist.
Mercedes und BMW haben kein Auge für Audi

Mit dem Typ 44 bekommt Audi endlich einen Fuß in die Tür zur Premium-Etage.
Bild: Aleksander Perkovic
Für Perfektionisten: Audi 100 Typ 44 quattro

Die dritte Generation des 100 bezwingt den Wind, allerdings ohne große Rücksicht auf praktische Belange.
Bild: Aleksander Perkovic
Lang übersetztes Getriebe

Erst ab 1988 reißt Procon-ten bei einem Unfall das Lenkrad in Richtung Armaturenbrett und strafft die vorderen Gurte.
Bild: Aleksander Perkovic
Historie
Ein Jahr vor dem Debüt des Typ 44 präsentiert Audi auf der IAA 1981 ein Forschungsauto. Ebenfalls von Hartmut Warkuß gestylt, nimmt es die Form des 100 weitgehend vorweg. Im Sommer 1982 startet der Typ 44 (offizieller Code: C3) mit vier Motoren: drei Benziner (1,8-Liter-Vierzylinder mit 75, zwei Fünfzylinder-Benziner mit 1,9/2,1 Litern und 100/136 PS), dazu ein Zweiliter-Fünfzylinder-Diesel mit 75 PS. 1983 folgen die Kombiversion Avant und der 200, 1984 der allradgetriebene quattro, den 1.8 gibt es optional mit Kat. Ab August 1985 wird der Typ 44 voll verzinkt. Die einzige große Modellpflege findet Anfang 1988 statt. Nun bekommt der Typ 44 plan anliegende Klapptürgriffe, ein höherwertiges Cockpit, eine feinere Innenraumverkleidung sowie geänderte Heckleuchten und serienmäßig einen Kat für die Benziner. 1989 präsentiert Audi mit dem Duo eine Hybridversion: Ein 136-PS-Benziner treibt die Vorderräder an, ein 9,4-kWE- Motor die Hinterachse. 1990 startet Audi mit dem 2.5 TDI (120 PS) in die Epoche der Turbodiesel-Direkteinspritzer. Im selben Jahr kommt der 100 Typ C4, der 200 wird bis 1991 gebaut.
Technische Daten

Die sehr lang übersetzte 4+E-Box fördert die sachten Temperamentsausbrüche des Fünfzylinders nicht gerade.
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Plus/Minus
Bei guter Pflege ist der C3 fast unverwüstlich, schafft locker eine halbe Million Kilometer. Zudem überzeugt er bis heute mit üppigem Raumangebot, sicheren Fahreigenschaften und der enorm soliden Verarbeitung. Allerdings sollten sich Interessenten nicht von der Suche nach Rost abhalten lassen, weil der Audi voll verzinkt ist. Nicht nur Unfallschäden, sondern auch das Alter kann die Verzinkung in ihrer Wirkung mindern. Also Front- und Heckscheibenrahmen, Radläufe, vordere Kotflügel, Endspitzen, Heckklappe und den Bereich um den Tankdeckel checken. Bei den Benzinern sollte alle 90.000 km bzw. acht bis zehn Jahre der Zahnriemen gewechselt werden, bei Modellen mit Servolenkung auf Ölverlust achten. Die Leichtbau-Karosserie wird mit den Jahrzehnten etwas weich, mitunter entstehen Risse im Bereich der Spritzwand in Richtung rechter Federbeindom. Sehr robust dagegen sind die Abgasanlagen.
Ersatzteile

Trotz allen Ehrgeizes gehörte Audi mit dem 100 noch nicht zum Establishment.
Bild: Aleksander Perkovic
Marktlage
Limousinen waren bislang günstig, aber ziehen an im Preis. Je nach Zustand sind zwischen 2000 und 6000 Euro fällig. Wer 200, quattro, Turbo, Avant oder alles zusammen sucht, liegt deutlich darüber. Allradler sind besonders teuer. 200 Avant quattro kaum zu bekommen. Tipp: In die Schweiz schauen!
Empfehlung
Machen Sie es nicht zu Ihrer Aufgabe, einen Fünfthand-44er zu retten. Lohnt nicht wegen der Ersatzteilpreise und weil es genügend gute Modelle gibt – zumindest Limousinen. Von denen sind viele gepflegte Fünfzylinder-Fronttriebler im Angebot. Ein Modell ab September 1985 wählen – wegen der Vollverzinkung. Wobei diese 44er unfallfrei sein sollten, damit der Rostschutz nicht durch Reparaturen angegriffen wurde. Und auf den G-Kat achten, denn der 100 ist ein echtes Langzeit-Alltagsauto.
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